Wirre Pfade, visionäre Rätsel
Eine Stärke von In Verbis Virtus ist die Optik, die bereits in der Early-Access-Version sehr schön zur Geltung kommt. Als Fundament dient die Unreal Engine, die hier mit surreal wirkenden Lichteffekten verzaubert: Glimmende Kristalle und quallenartige Leuchtpilze tauchen die Höhlenwände in ein diffuses Licht. Spiegelnde Oberflächen reflektieren hell erleuchtete Tempelanlagen in ihrer vollen Pracht, und nicht nur die Zauber strotzen nur so vor Partikeleffekten. Allerdings gibt es abseits des Lichtes auch tiefschwarze Schatten: Wer seinen Blick abseits des Wegesrandes schweifen lässt, sieht oft auch uninspirierte, dröge Texturen.
Durch all die Grafik-Blenderei lenkt In Verbis Virtus allzu schnell von seiner Kernkomponente - den Rätseln - ab: Nach Erkundungspassagen sehen wir uns mit Rätselräumen konfrontiert, deren Lösung eine Mischung aus Zauberei und Geschick erfordern. In der jetzigen Fassung des Spiels ist die Rätselqualität aber eher durchwachsen. Viel Einheitskost aus Lichtbrechung und Sprungrätseln mischt sich derzeit mit wenigen inspirierenden Herausforderungen, die wir mit Hilfe antiker Texttafeln lösen müssen.
Besonders angetan sind wir von einer Götzenaufgabe: Wir können mit einem speziellen Altar nicht direkt interagieren, sondern müssen (Achtung, Spoiler!) demütig den Blick zu Boden gerichtet auf ihn zuschreiten und einige Sekunden nachdenklich vor ihm verharren, ehe wir eine lösungsbringende Vision empfangen. Hier hat das Action-Adventure durchaus großes Potential, wenn die Rätsel konsequent in diese ungewöhnliche Richtung weiterentwickelt werden.
Tod durch alles außer Snu-snu
Wenn doch alles im Spiel so großartig erscheint, warum warnen wir dann bereits im Vorspann dieses Artikels vor In Verbis Virtus? So toll der Titel auch sein mag, er fordert vom Spieler jede Menge Geduld und Leidensfähigkeit: Die Performance bricht - gerade bei aktivierten Lichtzauber - oft in unspielbare Regionen ein, wenn der PC nicht ordentlich ausgestattet ist. Ist man gerade mitten in einer Sprungpassage, bedeutet ein Ruckler in der Regel den Tod.
Ärgerlich ist es da obendrein, dass In Verbis Virtus kein freies Speichern zulässt und noch dazu manche Checkpoints defekt sind: So landen wir etwa plötzlich ohne Anzeigen oder gar blind im Spiel - da hilft nur das Laden eines älteren Speicherstandes und hoffen, dass bis zum übernächsten Speicherpunkt alles gut geht.
Und dann gibt es noch die Massen kleinerer Fehler, die nach und nach vom Entwicklerteam ausgebessert werden sollen: So kam uns beim Anspielen eine Tagebuchseite in Italienisch unter, wir fielen durch eine eigentlich lebensrettende Pfütze in das ewige Nichts unter dem Level, litten unter einer spontanen Amputation unserer Zauberhand oder konnten gar ein Rätsel nicht lösen, weil der zugehörige Lichtkristall verschwand, als wir eine Plattform betraten. Kurz: Das Spiel ist momentan noch in einem sehr unfertigen Zustand.
Dazu gesellen sich noch die üblichen Early-Access-Probleme wie spontane Abstürze, die das Leben schwer machen. Indomitus Games arbeitet zwar an der Fehlerbehebung, aber Spieler, die nur ungern Spieldesign und -mechanik austricksen um weiter zu kommen, sollten sich in Geduld üben - und die weitere Entwicklung von In Verbis Virtus aufmerksam beobachten.
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