Kein Scherz: Ein E-Reader soll bald als Konsole mit alter Technik kommen – und ich würde ihn mir sofort kaufen

Ink Console hat 4 MB Speicher und ein einfarbiges Display. Sie ist speziell für die guten, alten Text-Adventures gedacht. Leider gibt es sie noch nicht.

Text-Adventures auf dem E-Reader? Ja bitte, unbedingt! Text-Adventures auf dem E-Reader? Ja bitte, unbedingt!

Pssst, ich verrate euch ein Geheimnis: Wir Autoren schreiben lieber Bücher, anstatt sie selbst zu lesen. Die Ink Console könnte mich allerdings zum Bücherwurm machen und ja, sie ist genau das, was der verheißungsvolle Name verspricht.

Die Ink Console ist eine Mischung aus E-Reader und Konsole und speziell für interaktive Text-Adventures gedacht. Im Fokus stehen Choose-Your-Own-Adventure-Spiele und ich finde den Gedanken wunderbar, bei Geschichten wieder selbst die Zügel in die Hand zu nehmen.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Schreiben war schon immer Teil seines Berufslebens: Angefangen mit Reiseausschreibungen in seiner Ausbildung als Reiseverkehrkaufmann über TV-Listings als Programm-Redakteur (ihr wisst schon, diese öden Spalten in den Tages- und Wochenzeitungen) bis zum Technischen Redakteur in einer IT-Firma hat er nahezu alles in Worte gebannt. Die Tech-Affinität kam erst mit dem Redakteursposten bei einem mittlerweile eingestellten Technikmagazin dazu, obwohl ihm das Konsolenzocken bereits in die Wiege gelegt wurde. Seine Eltern hüpften schon früh mit Ex-Klempnern auf Schildkröten. In seiner Freizeit geht Maxe vor allem seinem Hobby, dem Schreiben, nach. Als Milian Ventus veröffentlicht er Bücher, die man in jedem Buchhandel kaufen kann. Außerdem hat er eine Weiterbildung zum Lektor gemacht. Wenn er die Tastatur nicht unter den Fingern hat, dann Animes, Mangas und Bücher vor den Augen, die er gerne in seinem Podcast 'Lesen und Lesen Lassen' bespricht.

Das ist Ink Console

Als mich die Pressemitteilung erreichte, war ich aus diversen Gründen sofort fasziniert. Nicht nur wirkt der E-Reader mit den haptischen Knöpfen wie ein aus der Zeit gefallener Game Boy. Er spricht mich mit seinem schnörkellosen Design – äußerlich wie grafisch – total an. Wie ein handlicher Computer, den sich ein Autor einer SciFi-Serie aus den 1970er ausgedacht hat.

Technisch gesehen ist die Konsole natürlich heillos veraltet – und für mich macht genau das den Charme aus. Ein E-Reader braucht freilich keine top-modernen Specs, für Text-Adventures schon gar nicht, aber der mutige Schritt zum Understatement passt wunderbar zum gesamten Produkt. Es gibt auf Steam zwar etliche Choose-Your-Own-Adventure-Spiele, aber ich finde die archaische Präsentation sehr viel charmanter.

In der Ink Console stecken:

  • Display: 7,5-Zoll-E-Ink-Bildschirm
  • Auflösung: 800x480 Pixel
  • Prozessor: Dual-core ESP32
  • Speicher: 8 MB PSRAM und 520 KB SRAM
  • Interner Speicher: 4 MB Flash-Speicher (erweiterbar)
  • Verbindungen: WLAN, Bluetooth
  • Power: 5.000 mAh, aufladbar via Micro-USB
  • Audio: Mono, 3,5mm-Klinkenanschluss

Bedient wird die E-Reader-Konsole über zwei Knöpfe: einen Button sowie ein Schiebe-Pad. Die Spiele sollen sich auf SD-Karten befinden, die man dann in den Schacht der Konsole steckt (wie beim Game Boy eben). Eine Handvoll Einträge befinden sich bereits auf www.inkconsole.com. Ob es die auch digital geben wird, ist noch nicht bekannt.

Die Spiele werden sogar ein Inventarsystem besitzen. Das geht noch weiter als die klassischen Choose-Your-Own-Adventure-Bücher unserer Kindheit, wo man oftmals nur die Wahl zwischen zwei oder drei Möglichkeiten hatte. Die Firma hinter dem Gerät verspricht interaktives Lesen und der Einsatz eines Inventarsystems lässt mich das wirklich glauben.

Doch es wird noch besser.

Geschichten als Gemeinschaftsprojekt

Die Software für die Konsole soll Open Source sein, das heißt: Jeder, der ein interaktives Buch schreiben möchte, kann das tun. Auf der Website will man Autorinnen und Autoren sogar das Dev Kit zur Verfügung stellen.

Um an der Stelle die Pressemitteilung zu zitieren:

Das „YOU CREATE“-Entwicklungskit wurde entwickelt, um Autoren, Künstler, Spieldesigner und alle, die eine Leidenschaft für das Geschichtenerzählen haben, zu befähigen, ihr Gamebook zum Leben zu erwecken. Dieses Toolkit gibt dir alles, was du brauchst, um fesselnde, interaktive Geschichten zu entwickeln, ohne dass du programmieren musst.

Ich finde den Gedanken wunderbar! In vielen von uns schlummert eine Geschichte, die erzählt werden will. Bücher schreiben erfordert sehr viel Selbstdisziplin und einen sehr langen Atem; Spiele entwickelt man auch nicht mal eben schnell in der Mittagspause.

Die Macher hinter der Ink Console geben vielen potenziellen Geschichtenerzählern die Möglichkeit, ihre Vision an die Leute zu bringen. Mehr noch: Sie erreichen Leute wie mich, die nicht gerne lesen, aber trotzdem Storys erleben möchten.

Hinter dem Ink Reader steckt eine Firma namens Singular 9 Ltd. mit Sitz in Hongkong. Laut dem Firmenverzeichnis der Stadt wurde das Unternehmen erst Anfang Januar 2025 gegründet, und zwar von Dana Puch. Der Entwickler hat bereits in der Vergangenheit sieben Spiele entwickelt und drei erfolgreiche Kickstarter-Kampagnen auf dem Kerbholz.

Und jetzt kommt der große Haken an der Sache.

Ink Console braucht Crowdfunding

Aufmerksamen Leserinnen und Lesern ist womöglich aufgefallen, dass ich die ganze Zeit im Konjunktiv geschrieben habe. Das hat einen Grund.

So wunderbar die Konsole auch klingt, sie existiert noch nicht. Bisher finden sich auf der Webseite gerade einmal zwei (zugegeben: vielversprechende) Prototypen. 

Die Firma setzt auf Crowdfunding über Crowd Supply, um die Ink Console wahr werden zu lassen. Starten wird die Kampagne am 1. März 2025. Ab dann könnt ihr das Projekt unterstützen, wenn ihr wollt.

Immerhin: Auf der Webseite gibt es eine Roadmap, die auch das nächste Jahr einschließt.

  • Die Ink Console soll noch dieses Jahr in Produktion gehen und an Unterstützer der Kampagne ausgeliefert werden.
  • Das Dev Kit zum Erstellen der Spiele wird dieses Jahr entwickelt.
  • Ein Online-Store wird ebenfalls gebaut.

Nächstes Jahr soll die Spiele-Bibliothek von sechs auf zwanzig Titel erweitert werden. Außerdem plant das Unternehmen, das Dev Kit sowie den Online-Store zu veröffentlichen.

Ich habe mich bereits beim Newsletter angemeldet und werde ab März das Projekt unterstützen (mein erstes Mal, übrigens). Für mich kommen hier einfach so viele Faktoren zusammen, die mich begeistern und die es wert sind, Support zu bekommen.

  • Lesen und Spielen vereint
  • Moderne Retro-Konsolen sprechen mich einfach an.
  • Open Source erlaubt jedem, eigene Geschichten zu schreiben.
  • Text-Adventures und Choose-Your-Own-Adventure-Storys brauchen unbedingt ein Comeback.

Ich stelle mir vor, wie ich abends im Bett liege und einer spannenden SciFi-Geschichte folge. Aus den Kopfhörern ertönt passend Chiptune-Musik und ich entscheide, ob ich dem fremden Signal aus dem All wirklich folgen will. Gut erzählte Storys sind unbezahlbar und wenn ich tatsächlich in der Hand habe, was passiert, bin ich noch viel mehr involviert. Das ist ein unbezahlbares Erlebnis.

Bücher zum Spielen sind per se ja nichts Neues. Meine Kollegin Steffi hat ihre liebe dazu wiederentdeckt, nur brauche ich im Bett dann zum Glück weder Stift noch Block.

Hätte ich die Ink Console doch mal nur als Kind gehabt, denn wenn meine Mutter sagte »Hängst du schon wieder vor deinem Game Boy?«, hätte ich erwidern können: »Nein, Mama, ich lese«.

Wie wirkt die Ink Console auf euch? Bekommt ihr nicht auch Lust, direkt die Zügel für eine Abenteuergeschichte in die Hand zu nehmen?

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