Hat Intel das nötig? Fragwürdige Benchmarks im Vergleich zu AMD geleakt

Internes Marketing-Material von Intel soll die Überlegenheit gegenüber AMD in Spielen zeigen - doch die Vergleiche hinken.

von Alexander Köpf,
23.06.2020 15:32 Uhr

Mit dem Schlachtruf "Real Word Performance" zog Intel bereits einmal erfolglos zu Felde. Mit dem Schlachtruf "Real Word Performance" zog Intel bereits einmal erfolglos zu Felde.

Intel will in puncto Gaming-Performance AMD deutlich überlegen sein und das oft auch noch zum besseren Preis. Das geht aus internem Marketing-Material hervor, das zwar explizit nicht für Endkunden bestimmt ist, nun aber geleakt und von AdoredTV veröffentlicht wurde.

Vorab: Obgleich im Produktmarketing üblicherweise alle Seiten übertreiben und zu eigenen Gunsten tricksen, stechen die Folien, die aus Intels Partnerprogramm Connect stammen, hervor. Und das nicht zum ersten Mal:

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...und das auch noch zum besseren Preis, verspricht Intel. Der Core i7 10750H (45 Watt) mit sechs Kernen und zwölf Threads ist demnach nicht nur günstiger als der Ryzen 9 4900HS (35 Watt) - der so nebenbei zwei Kerne und vier Threads mehr sein Eigen nennt - sondern auch noch deutlich schneller.

Der Core i7 10750H soll in Spielen um rund 20 Prozent schneller sein als der Ryzen 9 4900HS. (Bildquelle: AdoredTV) Der Core i7 10750H soll in Spielen um rund 20 Prozent schneller sein als der Ryzen 9 4900HS. (Bildquelle: AdoredTV)

Zumindest in Kombination mit einer Geforce RTX 2060, die mit 1.560 MHz boostet, während der Ryzen-APU eine RTX 2060 Max-Q mit 1.185 MHz Boost-Takt zur Verfügung steht. Immerhin findet man die Informationen nicht im Kleingedruckten unten auf der Folie, sondern klein gedruckt und ausgegraut in einer Infobox.

Taktraten über Kernzahl

Die meisten Spiele skalieren nicht beliebig mit der Kernzahl, weshalb acht Kerne aktuell allgemein als Sweetspot gelten. Soweit bildet Intels nächste Folie die Realität korrekt ab:

Wie Spiele wohl mit 4,0 GHz und mehr skalieren? (Bildquelle: AdoredTV) Wie Spiele wohl mit 4,0 GHz und mehr skalieren? (Bildquelle: AdoredTV)

Spannend ist jedoch der Vergleich mit der Taktfrequenz, denn hier wird nur ein Bereich zwischen 2,5 und 3,5 GHz gezeigt. Zufall? Höchstwahrscheinlich nicht, denn wenn man genau hinsieht, zeigt sich, dass einige Spiele bereits ab 3,0 GHz schlechter skalieren als andere. Da Intel zuletzt mit den Core i 10000 für Desktop und Laptop sehr deutlich mit hohen Taktraten warb, wäre es interessant zu sehen, wie gut die Spiele jenseits von 3,5 GHz skalieren.

Value Gaming Desktop

Intel vergleicht hier den Ryzen 5 3400G mit dem Core i3 9100F. Letzterer soll erneut deutlich schneller als das AMD-Produkt und gleichzeitig viel günstiger sein.

Ein seriöser Vergleich sieht anders aus, auch wenn alle Daten angegeben werden. (Bildquelle: AdoredTV) Ein seriöser Vergleich sieht anders aus, auch wenn alle Daten angegeben werden. (Bildquelle: AdoredTV)

Auf den ersten Blick wird klar, dass hier wieder etwas nicht ganz stimmt: Der 9100F wird mit 88 US-Dollar angegeben, der 3400G mit 136 US-Dollar. Letzterer verfügt jedoch über AMDs virtuelle Kernverdoppelung SMT mit vier Kernen und acht Threads, während die Intel-CPU lediglich vier Kerne bietet. Außerdem kommt der Ryzen-Prozessor mit der integrierten Grafikkarte Radeon RX Vega 11, diesbezüglich heißt es bei Intels Core i3 hingegen Fehlanzeige.

Die dedizierte GTX 1050 ist schneller als die integrierte Radeon RX Vega 11. (Bildquelle: AdoredTV) Die dedizierte GTX 1050 ist schneller als die integrierte Radeon RX Vega 11. (Bildquelle: AdoredTV)

Dass eine dedizierte Grafikeinheit vom Schlage einer GTX 1050 einer integrierten Vega-11-GPU überlegen ist, dürfte niemanden verwundern. Viel angebrachter wäre hier der Vergleich zwischen dem Ryzen 5 3400G und dem Core i3 9100 (rund 110 US-Dollar). Dieser besitzt im Gegensatz zur F-Variante einen Intel UHD 630-Grafikchip. Preislich lägen die beiden Produkte dann auch deutlich näher beieinander.

Was aber noch weit mehr verwundert ist folgende Folie:

Ein Vergleich wäre auch ohne Beschönigung möglich gewesen, aber wohl weniger eindrücklich. (Bildquelle: AdoredTV) Ein Vergleich wäre auch ohne Beschönigung möglich gewesen, aber wohl weniger eindrücklich. (Bildquelle: AdoredTV)

Intels Core i3 9100F ist demnach ohnehin etwas schneller in ausgewählten Spielen, selbst wenn beide Prozessoren mit einer GTX 1050 kombiniert werden. Und auch der Preispunkt scheint dann an Intel zu gehen. Wozu also überhaupt einen unlauteren Vergleich anstellen, wenn man auch seriös argumentieren kann?

Marketing trickst oft

Wie eingangs bereits erwähnt, arbeiten auch Marketing-Abteilungen anderer Hersteller mit Tricks und Beschönigungen. AMD ist da nicht ausgenommen: Bei Präsentationen bekommen wir in der Regel nur die Spiele-Benchmarks zu sehen, welche die eigenen Prozessoren und Grafikkarten in einem möglichst guten Licht dastehen lassen.

Alexander Köpf
@NebulaMutara

Das meint der Autor: Dass alle Hersteller in Sachen Marketing übertreiben, ist natürlich wenig überraschend. Meiner Meinung nach gibt es jedoch Grenzen und da hilft es auch nicht zu sagen, dass dies und jenes für bestimmte Augen gar nicht gedacht sei. Es macht auch schlicht keinen Sinn: Wenn die Folien nur für ein »Technik-interessiertes Publikum« gedacht sind, braucht es keine abwegigen Vergleiche, die ohnehin durchschaut werden, es sei denn man will, dass das Material irgendwie ans Licht kommt und weniger versierten Nutzern ein gezielt verzerrtes Bild zeigt. Fundierte Vergleiche sind oft viel eindrücklicher!

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