In der Welt der mobilen Computer ist die Balance zwischen möglichst schneller Einsatzbereitschaft und Energieeffizienz eine der wichtigsten technischen Herausforderungen. Windows 11 bietet hierfür verschiedene Modi an.
Während der klassische Energiesparmodus den Laptop in einen leichten Schlaf
versetzt, geht der Ruhezustand einen Schritt weiter. Doch was genau passiert dabei eigentlich im Hintergrund, und ist dieses Feature im Zeitalter von rasanten SSDs überhaupt noch zeitgemäß?
Was ist der Ruhezustand eigentlich?
Im Gegensatz zum Energiesparmodus, bei dem die Sitzung im Arbeitsspeicher (RAM) verbleibt und weiterhin eine minimale Stromzufuhr benötigt, ist der Ruhezustand eine Art Tiefschlaf.
Beim Aktivieren des Ruhezustands schreibt Windows den gesamten Inhalt des Arbeitsspeichers in eine versteckte Datei auf der Festplatte, die sogenannte hiberfil.sys. Danach wird die Stromzufuhr komplett gekappt. Wenn ihr den Laptop wieder einschaltet, liest das System die Daten von der Festplatte zurück in den RAM und ihr könnt genau dort weiterarbeiten, wo ihr aufgehört habt.
Die Unterschiede zwischen Energiesparmodus und Ruhezustand
| Energiesparmodus | Ruhezustand | |
|---|---|---|
| Speicherort | Arbeitsspeicher (RAM) | Festplatte (SSD/HDD) |
| Stromverbrauch | Minimal | Null |
| Startgeschwindigkeit | Sofort | Moderat |
| Sicherheit bei leerem Akku | Datenverlust möglich | Daten sind sicher |
Die Vor- und Nachteile
Die Vorteile:
- Kein Stromverbrauch: Ideal für längere Transportwege oder wenn keine Steckdose in der Nähe ist. Der Akku entlädt sich also nicht.
- Datensicherheit: Da die Sitzung auf der Festplatte gespeichert ist, geht nichts verloren, selbst wenn der Akku während des Ruhezustands entnommen wird oder leer läuft.
- Fortsetzen komplexer Workflows: Alle geöffneten Programme, Browser-Tabs und Dokumente bleiben exakt so, wie sie waren.
Die Nachteile:
- Speicherplatzfresser: Die Datei hiberfil.sys belegt permanent Platz auf eurer Systemplatte. Da kommen oft mehrere Gigabyte zusammen. Wie viel Speicher am Ende wirklich belegt wird, hängt mit der Größe eures Arbeitsspeichers zusammen. Je mehr RAM desto mehr kann darin abgelegt werden und entsprechend viel muss dann auch auf der Festplatte gespeichert werden.
- Längere Aufwachzeit: Im Vergleich zum Energiesparmodus dauert es länger, bis der Desktop erscheint.
- Verschleiß (theoretisch): Bei sehr alten SSDs könnte das häufige Schreiben großer Datenmengen die Lebensdauer verkürzen. Bei modernen NVMe-SSDs ist dieser Faktor jedoch vernachlässigbar.
Wann solltet ihr den Ruhezustand deaktivieren?
Es gibt handfeste Gründe, die Funktion unter Windows 11 komplett abzuschalten:
- Akuter Platzmangel: Wenn die SSD fast voll ist, gewinnt ihr durch das Deaktivieren sofort mehrere Gigabyte Speicherplatz zurück (je nach RAM-Größe).
- Dual-Boot-Systeme: Wer Windows parallel zu Linux nutzt, sollte den Ruhezustand deaktivieren, da Windows die Partition beim Ruhezustand
sperrt
, was zu Datenfehlern beim Zugriff durch das andere Betriebssystem führen kann. - Schnellstart-Probleme: Der Windows-Schnellstart basiert technisch auf dem Ruhezustand. Manchmal verursacht dieser Modus Treiberprobleme oder verhindert, dass das System nach einem Hardware-Wechsel sauber startet.
So könnt ihr den Ruhezustand unter Windows 11 deaktivieren
Wenn ihr euch dazu entschieden habt, den Ruhezustand zu deaktivieren, findet ihr nachfolgend eine Anleitung, wie man dabei am besten vorgeht.
Der Weg über die Eingabeaufforderung (CMD)
Dies ist die schnellste und effektivste Methode:
- Drückt die Windows-Taste und tippt cmd ein.
- Klickt mit der rechten Maustaste auf Eingabeaufforderung und wählt
Als Administrator ausführen
- Um den Ruhezustand zu deaktivieren, gebt ihn den folgenden Befehl ein und drückt Enter: powercfg -h off
- Falls ihr ihn später wieder aktivieren möchtet, lautet der Befehl: powercfg -h on
Der Weg über die Systemsteuerung
Wenn ihr möchtet, könnt ihr den Ruhezustand auch über die Systemsteuerung deaktivieren und das geht so:
- Öffnet die Systemsteuerung und klickt auf
Hardware und Sound
und anschließend aufEnergieoptionen
. - Klickt links auf
Auswählen, was beim Drücken von Netzschaltern geschehen soll
- Im folgenden Menü könnt ihr nun auswählen, was passieren soll, wenn ihr den Netzschalter drückt oder wenn ihr das Display eures Rechners zuklappt. Zusätzlich gibt es noch eine Option für die Energiespartaste, das ist natürlich nur relevant, wenn euer Laptop eine solche besitzt.
- Ihr könnt aus den folgenden Punkten im Drop-Down-Menü wählen:4
- Herunterfahren
- Nichts unternehmen
- Energie sparen
- Wenn der Ruhezustand deaktiviert werden soll wählt ihr die Option
nichts unternehmen
aus - Ihr habt auch die Möglichkeit getrennt für Netz- und Batteriebetrieb auszuwählen, was bei Betätigung der Taster bzw. beim Zuklappen des Displays passieren soll.
Meine Meinung
Sven Scharpe
Der Ruhezustand ist ein Relikt aus Zeiten, in denen Laptops im Standby noch massiv Strom fraßen und Festplatten quälend langsam waren. Heute, in der Ära von schnellen Prozessoren und SSDs, ist er aber für die meisten Nutzer entbehrlich geworden.
Ich persönlich deaktiviere den Ruhezustand bei allen Laptops sofort, warum sollte ich auch Speicherplatz auf der SSD für etwas opfern, das ich sowieso nie nutze? Letztlich ist natürlich niemand dazu gezwungen, die Funktion abzuschalten, jeder hat andere Anforderungen an sein Notebook.
Schon gelesen? Ab dem 28. April wird sich bei neuen Laptops etwas grundlegendes verändern und ihr solltet vorbereitet sein!
Mir sind aber viele Leute bekannt, die den Ruhezustand niemals verwenden und ihren Rechner immer direkt ausschalten. Wenn ihr auch zu dieser Gruppe gehört, könnt ihr die Funktion gefahrlos deaktivieren und euch über ein paar Gigabyte mehr auf euer SSD freuen, die ihr nun für etwas anderes verwenden könnt.
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