Seite 2: Jackass Presents: Bad Grandpa - Wer braucht schon Scham und Niveau?

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Eigentlich ganz normal

Als wir Johnny Knoxville und Jeff Tremaine anlässlich der Deutschlandpremiere des Films im Berliner Nobelhotel Ritz Carlton treffen, wirken die beiden nämlich auch gar nicht sonderlich irre. Im Gegenteil: beide sind locker gekleidet und scheinen tiefenentspannt. Eigentlich komplett normal. Lediglich daran, dass beim Interview Bier getrunken wird, unterscheiden sich die beiden von anderen sogenannten "Talents". Normalerweise halten die Schauspieler sich an Wasser oder Kaffee.

Johnny Knoxville und Jeff Tremaine sind nicht nur zwei der Urväter von Jackass, sondern auch privat sehr gute Freunde. Johnny Knoxville und Jeff Tremaine sind nicht nur zwei der Urväter von Jackass, sondern auch privat sehr gute Freunde.

Dass beim nachmittäglichen Gespräch mit Journalisten Alkohol konsumiert wird, haben wir bisher noch nicht erlebt. Dennoch macht das die Mittvierziger recht sympathisch. Rüpelhaft oder gedankenlos wirken beide nicht. Als die Assistentin Knoxville ein Heineken serviert, steht dieser auf, geht zur Tür und sagt leise, dass er in Deutschland kein holländisches Bier trinken wollen würde, man solle ihm doch bitte etwas »lokales« bringen. »Ich will hier ja niemanden beleidigen«, sagt er zurück am Tisch.

Auf die Schiene, die er am linken Arm trägt, möchten wir ihn fast gar nicht ansprechen. Ist so was bei einem Johnny Knoxville überhaupt noch der Rede wert? Man habe ihm bei einer MTV Party zum Film ohne sein Wissen Ecstasy in sein Bier getan, sagt er. Dabei wäre er dann etwas übermütig geworden.

Nun gut, ein bisschen waghalsig ist der Gute dann also wirklich. Und exhibitionistisch veranlagt ist er offensichtlich auch, denn natürlich lässt er es sich auch in unserem Interview nicht nehmen, seinen berühmt-berüchtigten Penisbruch zu erwähnen. Dann erzählt Tremaine davon, wie ihm hinter der Kamera vor Lachen oftmals so schlecht wurde, dass er "fast kotzen" musste. Am Set hätte man sich, was die vulgären Ausdrücke anging, aber doch eher zusammengerissen, schließlich war ein Kind vor Ort.

Knoxville sagt, dass ihm die Passanten zum Glück nie wirklich leid tun mussten, da die Gags meist wirklich lustig waren und eher vor als mit ihnen geschahen. Knoxville sagt, dass ihm die Passanten zum Glück nie wirklich leid tun mussten, da die Gags meist wirklich lustig waren und eher vor als mit ihnen geschahen.

Diesem Kind ist es sicherlich auch zu verdanken, dass auch Jackass-Skeptiker oder gar -Kritiker hin und wieder nicht an sich halten können werden. Jackson Nicoll spielt den unschuldig-frechen Billy perfekt. Oftmals ist seinem Gesicht wirklich nicht mehr anzusehen, ob etwas einstudiert war, oder ob es sich wirklich komplett aus der Situation heraus ergab. Dass der Junge es schafft, reihenweise Passanten zu veräppeln, ist unbezahlbar.

Dreist gewinnt

Das Konzept rund um den provokanten Rentner Irving und den naiven, pausbäckigen Billy geht auf. Visuell ist Bad Grandpa kein großes Ereignis (wobei Knoxvilles Make-Up wirklich gelungen ist) und die Geschichte ist auch eher dünn.

Trotzdem sitzen die Lacher. Knoxville darf sich erlauben, was sonst in keiner R-rated-Comedy vorkommt. Wer glaubt, Seth Rogen oder Judd Apatow würden sich etwas trauen, der wird hier eines Besseren belehrt. Dabei bleibt der Film eine Gratwanderung zwischen schreiend komisch und komplettem Fremdschämalarm.

Man sollte einiges an schwarzem Humor vertragen können, sonst wird der Film zur Tortur. Ein kleines Manko: Viele der besten Lacher sind bereits im Trailer zu sehen, was das Vergnügen ein wenig schmälern könnte. Trotzdem bleibt Bad Grandpa über die komplette Laufzeit ungemein kurzweilig und wirkt hier und da in seiner Einfachheit fast schon ein bisschen innovativ.

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Fazit

Anne Facompre: Als Nicht-Jackass-Fan war ich von Bad Grandpa positiv überrascht. Ich hatte mir die Trailer vorab nicht angesehen und ging ohne jegliche Erwartung in die Pressevorführung. Ich muss zugeben, dass ich einer der Zuschauer war, die davon ausgingen, dass der Jackass-Humor eigentlich unter ihrem Niveau wäre - doch ich habe selten so gelacht. Zwar sind manche Gags so daneben, dass man sie tatsächlich mit einem Stirnrunzeln abtun muss. Allerdings überwiegen die, die wirklich sitzen und die es einem wirklich schwer machen, nicht lauthals los zu lachen.

Bei den heutigen Kinopreisen fällt es sicherlich schwer, einen Kinobesuch bei einer solch billigen Produktion, die visuell nichts zu bieten hat, zu rechtfertigen. Dennoch ist Bad Grandpa wirklich unterhaltsam und in vielen Teilen schockierend komisch. Man glaubt gar, menschliche Abgründe in sich selber zu entdecken, weil man nie gedacht hätte, dass man über so fiese Szenen so herzhaft lachen kann. Für einen amüsanten Kinoabend mit einer Gruppe lachfreudiger Kumpel eignet sich Bad Grandpa auf jeden Fall.

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