In den Nachrichten, auf Social Media und auch in vielen Freibädern hört ihr immer wieder von der Gefahr, heimlich und ungewollt von Smartglasses gefilmt zu werden. Die KI-Brillen mit Video-Funktion verbreiten sich mehr und mehr.
Sowohl Eltern als auch Sicherheitsexperten warnen vor den smarten Gadgets. Diese lassen sich optisch kaum noch von normalen Sonnenbrillen unterscheiden, stellen aber mit ihrer Foto- und Videofunktion einen Eingriff in die Privatsphäre dar.
Zwar senden die meisten KI-Brillen beim Filmen ein Signal, doch das kann schnell übersehen werden. Wie der Instagram-Account »Cybersecurityeltern« erklärt, bleibt das Licht »vor allem draußen bei Sonnenlicht« oft unbemerkt.
Mit diesem Problem seid ihr nicht allein, denn immer öfter tauchen ungewollte Aufnahmen in den sozialen Netzwerken auf. Diese müssen nicht einmal aus sensiblen Räumen wie Umkleiden stammen.
Oft handelt es sich auch um heimliche Aufnahmen, die für herkömmlichen Social-Media-Content genutzt werden. Um gegen das Brillen-Problem vorzugehen, haben Experten nun erste Tipps veröffentlicht.
Zudem gibt es mit »NoGlasshole« für iOS und »Nearby Glasses« für Android mittlerweile zwei Apps, die entsprechende Aufnahmegeräte in eurem Umfeld erkennen können.
So erkennt ihr KI-Brillen im Alltag
Auch internationale Creator machen auf das Problem aufmerksam. Die Influencerin Vivecachow erklärt in einem Video, dass sie ihre Smartglasses zwar selbst nutzt, sich aber strikt gegen heimliche Aufnahmen stellt.
In einem viralen TikTok teilt sie ihre Tipps, wie sich Smartglasses von normalen Sonnenbrillen unterscheiden lassen.
1. Achtet auf sichtbare Kameras: Als Erstes empfiehlt die Influencerin, die oberen Ecken des Brillenrahmens genau zu mustern. Bei Modellen wie der Smartglass-Generation von Meta befinden sich dort links und rechts kleine, kreisrunde Aussparungen. Während eine Seite das eigentliche Kameraobjektiv beherbergt, sitzt auf der anderen Seite das Warnlicht. Beide Elemente sind vor allem bei einem genaueren Blick auf das Gestell gut zu erkennen.
2. Blinkende oder leuchtende Warnlichter: Darüber hinaus erklärt die Influencerin, dass die meisten modernen Smartglasses ein optisches Signal abgeben müssen, sobald sie aktiv sind. Startet eine Aufzeichnung, leuchtet oder blinkt an der Vorderseite eine kleine, weiße LED-Leuchte. Wer also ein solches Licht im Augenwinkel des Gegenübers bemerkt, wird höchstwahrscheinlich gerade gefilmt oder fotografiert.
In Deutschland gibt es zwar kein spezielles Gesetz für Smartglasses, die Regelung der Bundesnetzagentur zu Spionagegeräten greift jedoch auch für smarte Brillen.
Alltagsgegenstände, wie Uhren, Stifte oder Brillen, in denen eine Kamera verbaut ist, müssen demnach ein Signal verbaut haben, das die Aufnahmesituation für Außenstehende eindeutig erkennbar macht.
3. Auf unnatürlich dicke Brillenbügel achten: Ein weiteres klares Indiz liefert die Konstruktion der Brille selbst, genauer gesagt die Bügel. Da in den Gehäusen viel Technik wie Akkus, Prozessoren, Speicher und Lautsprecher untergebracht werden muss, sind die Bügel von Smartglasses im Vergleich zu normalen Sonnenbrillen deutlich massiver, breiter und klobiger – besonders im vorderen Bereich direkt hinter den Scharnieren.
Link zum TikTok-Inhalt
Warum heimliche Aufnahmen trotzdem eine Gefahr bleiben
Von den Sicherheits-Influencern »Cybersecurityeltern« gibt es jedoch eine Warnung: Smarte Brillen wie die Meta Ray-Ban haben zwar meist ein Warnsignal, dieses lässt sich aber manipulieren.
Laut den Experten kleben einige Personen die Leuchte absichtlich ab. Zudem versuchen manche Bastler und Modder, das Licht über technische Wege komplett zu umgehen.
Meta hat nach eigener Aussage bereits ein Softwareupdate veröffentlicht. Die Brille erkennt nun, ob die Leuchte blockiert ist, und schaltet in diesem Fall die Kamerafunktion ab. Bei anderen Marken fehlt diese Funktion noch.
NoGlasshole und Nearby Glasses: So funktionieren die Erkennungs-Apps
»NoGlasshole« für das iPhone: setzt auf ein kontinuierliches Bluetooth-Scanning (BLE). Da smarte Brillen dauerhaft Signale aussenden, um Daten mit dem Smartphone auszutauschen, hinterlassen sie einen digitalen Fußabdruck.
Die App scannt im Hintergrund fortlaufend nach diesen Signaturen. Wird ein Signal gefunden, erhaltet ihr eine Warnung inklusive einer groben Abstandsschätzung, ob die Brille noch weit weg oder schon gefährlich nah ist.
»Nearby Glasses« für Android: funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Die Anwendung durchforstet die lokalen Funkkanäle gezielt nach den eindeutigen Hersteller-IDs von Marken wie Meta, Essilor oder Snap.
Sobald eine smarte Brille im Umkreis aktiv ist und Signale funkt, schlägt das System an. Ihr erhaltet sofort eine Push-Nachricht auf eurem Display.
Der Entwickler von »Nearby Glasses« sieht seine App im Interview mit »404 Media« als winzigen Beitrag zum Widerstand gegen Überwachungstechnologie. Er kritisiert zudem Metas Zukunftspläne für eine integrierte Gesichtserkennung.
Nützliche Helfer mit klaren Grenzen
Die »Cybersecurityeltern« sehen bei den Apps jedoch deutliche Grenzen. Die Anwendungen bieten keinen perfekten Schutz vor unerwünschten Aufnahmen.
Die Probleme: Nicht jede smarte Brille wird erkannt, Fehlalarme sind möglich und die Hilfsmittel zeigen nur an, ob ein Gerät eingeschaltet ist – nicht aber, ob es gerade aktiv aufnimmt.
- Passend zum Thema:
Auf Social Media zeigen sich viele Menschen überrascht, dass Smartglasses aktuell mit so wenigen Einschränkungen zugelassen sind. Viele wünschen sich eine striktere, verpflichtende Kennzeichnung.
Ob ein generelles Verbot von KI-Brillen am Ende wirklich sinnvoll wäre, bleibt in der Community eine lange Diskussion. Jede Person, die mit solchen Smartglasses im Alltag unterwegs ist, sollte jedoch selbst einschätzen können, wo Aufnahmen unangebracht sind. An vielen Orten bietet es sich einfach an, das Gadget komplett auszuschalten.

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