Was ist das Wichtigste an einem Film oder einer Serie? Schauspieler? Kameraarbeit? Das Skript?
Die Untertitel sind es jedenfalls nicht. Davon sind mit Sicherheit auch viele Filmschaffende überzeugt. Was liegt also näher, als Untertitel, die sowieso vergleichsweise wenige Leute lesen, durch die KI-Mangel zu drehen?
Das wird aus meiner Sicht zum Problem. Und nicht erst dann, wenn Untertitel so aussehen:
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Untertitel sind Kunst
Nein, ich schiebe mir hier nicht die Baskenmütze ins Gesicht. Aber Untertitel schreiben ist eine Kunst für sich. Es ist nämlich nicht so einfach, wie es klingt. Untertitel …
- … müssen inhaltlich zum Gesagten passen.
- … müssen das Gesagte möglichst originalgetreu wiedergeben.
- … sollen leicht verständlich sein.
- … dürfen höchstens zwei Zeilen lang sein.
Und das sind bloß die ganz offensichtlichen Merkmale, die ich hier genannt habe. Untertitel besitzen Subtext (also das klassische »zwischen den Zeilen lesen«) – und der geht durch KI flöten.
Künstliche Intelligenz übersetzt wortwörtlich und nicht sinnbildlich.
Damit meine ich, dass viele feine Nuancen durch KI-Übersetzung verloren gehen.
- Character Voice, also die Art und Weise, wie eine Figur auf dem Bildschirm spricht und welche Worte sie nutzt, muss durch die Untertitel rüberkommen.
- Eigennamen oder Wortneuschöpfungen bestimmter Werke müssen nicht nur einheitlich sein, sondern Sinn ergeben.
- Unfreiwillige Komik sollte unbedingt vermieden werden, etwas, das ChatGPT im oben verlinkten X-Post definitiv verhagelt hat.
Crunchyroll, ein Anime-Streaming-Dienst, sieht sich immer wieder durch Fans unter Beschuss, weil ganz offensichtlich KI benutzt wurde (via The Verge). Im April dieses Jahres sagte Crunchyroll-CEO Rahul Purini gegenüber Forbes, dass KI für den Streaming-Anbieter kein Teil des kreativen Prozesses sei.
Der Anime aus dem X-Post stammt vom Juli 2025. Den Aufschrei der Fans könnt ihr euch sicher vorstellen.
Für den Kontext: In jedem Quartal erscheinen neue Animes und nur eine Handvoll davon bekommt eine deutsche (oder englische) Synchronisation. Das heißt, wir Fans sind auf Untertitel angewiesen. Ohnehin schauen viele Liebhaberinnen und Liebhaber des Vibes wegen Animes lieber im O-Ton.
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Auch Menschen, die auf Untertitel angewiesen sind, wollen die Geschichte bestmöglich erleben. Sei es, weil sie gehörlos sind oder die Sprache nicht sprechen.
Um Qualität zu gewährleisten, braucht es Menschen, die die Filme und Serien zu interpretieren wissen. Übersetzerinnen und Übersetzer müssen zwischen den Zeilen lesen können (das gilt übrigens auch für Bücher, Comics und Manga). KI kann das nicht.
Im besten Fall sind die Untertitel nichtssagend und langweilig, im schlimmsten Fall zum Fremdschämen – wie im Beispiel oben.
Ich habe es sogar schon erlebt, dass Untertitel eine Serie aktiv besser machen. Im Anime JoJo’s Bizarre Adventure: Diamond is Unbreakable fallen relativ viele Beleidigungen.
Wo im japanischen O-Ton immer wieder auf »Baka« (zu Deutsch: »Idiot« oder »Depp«) zurückgegriffen wird, haben sich die Übersetzerinnen und Übersetzer richtig kreativ ausgelebt – die wurden übrigens von Crunchyroll beauftragt. Da habe ich einige blumige Beleidigungen aufgeschnappt.
Untertitel sind eben doch Kunst.
Am Ende des Tages lebe ich viel lieber mit Vertippern auf dem Display, als mit einer herzlosen Lokalisierung. Die sind nämlich wenigstens menschlich.

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