Eine komplett KI-generierte Schauspielerin soll wohl in ganz Hollywood gefragt sein

Die Filmbranche steht vor einem Wandel: KI-Charaktere wie Tilly Norwood könnten Hollywoods-Stars Konkurrenz machen.

Tilly Norwood ist eine komplett KI-generierte Schauspielerin. (Bild: Particle6) Tilly Norwood ist eine komplett KI-generierte Schauspielerin. (Bild: Particle6)

Bilder und Videos, die mit KI generiert werden, sind immer glaubwürdiger und »besser«.

Das könnte starke Auswirkungen auf die ganze Filmbranche haben, wenn KI-Schauspieler wie Tilly Norwood menschlichen Schauspielern mehr und mehr Konkurrenz machen.

Norwood scheint dabei längst kein Einzelfall zu sein.

Ganz Hollywood soll an KI arbeiten

Nach der glorreichen Anfangszeit ist die Filmbranche nicht unbedingt dadurch aufgefallen, neue Technologien auch frühzeitig zu nutzen.

Maxe könnte beispielsweise einen ganzen Artikel darüber schreiben, wie unnötig es ist, dass Filme noch immer nur mit 24 FPS laufen. Oh, hat er sogar schon.


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Auch beim Thema KI geben und gaben sich große Studios und Produktionsfirmen eher verhalten. Klar, die Technologie könnte im Zweifelsfall zu einer echten Bedrohung für sie werden. Gleichzeitig versuchen Start-ups wie Fable mit dem »KI-Netflix« Showrunner genau zu einer solchen zu werden.

Hinter den Hollywood-Kulissen könnte es allerdings ganz anders aussehen. Auf dem Zurich Summit im Rahmen des Zurich Film Festivals hat Eline Van der Velden, CEO von Particle6, dies zumindest angedeutet (via Deadline).

Wer ist das? Particle6 ist eine KI-Produktionsfirma, die sich selbst auf die Fahne schreibt, Pionierarbeit im Bereich der Video-Produktion mit KI leisten zu wollen. Zu Particle6 gehört auch das kürzlich gegründete KI-Talentstudio Xicoia.

Bei Xicoia soll eine neue Generation von digitalen Stars erschaffen, gemanagt und monetarisiert werden. Einer der ersten dieser digitalen Stars ist Tilly Norwood, eine komplett KI-generierte Schauspielerin, die etwa in einem Video von Particle6 auftritt:

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Geht es nach Particle6, soll es in Zukunft mehr KI-Darsteller wie Tilly Norwood geben, die mit einer eigenen Geschichte und Persönlichkeit ausgestattet sind. Die können dann ganz normal gebucht werden wie eben echte Schauspieler.

Auf dem Zurich Summit hat Van der Velden jetzt verraten, dass schon jetzt eine ganze Reihe von Agenturen ihr Interesse an Tilly Norwood bekundet hätten. Generell sei das Interesse an KI hinter den Kulissen deutlich größer als in der Öffentlichkeit oft eingestanden wird.

Update vom 29.09.2025: Nicht nur Begeisterung, sondern auch Gegenwind:
Laut Variety hat die Ankündigung von Tilly Norwood einen spürbaren Backlash ausgelöst - Kritiker äußerten Bedenken, KI-Schauspieler könnten menschlichen Darstellern die Bühne wegnehmen.

Eline Van der Velden reagierte auf diese Kritik mit einer ausführlichen Stellungnahme, in der sie betont (via variety.com): Tilly sei kein Ersatz für Menschen, sondern ein kreatives Werk und ein neues Werkzeug zur Erweiterung der Erzählkunst. Van der Velden argumentiert, KI-Charaktere sollten für sich selbst bewertet werden, nicht im direkten Vergleich zu menschlichen Schauspielern und Schauspielerinnen:

An diejenigen, die ihre Wut über die Erschaffung unseres KI-Charakters Tilly Norwood geäußert haben: Sie ist kein Ersatz für einen Menschen, sondern ein kreatives Werk - ein Stück Kunst. Wie viele Kunstformen vor ihr regt sie Gespräche an, und allein das zeigt die Kraft der Kreativität.

Ich sehe KI nicht als Ersatz für Menschen, sondern als neues Werkzeug - einen neuen Pinsel. So wie Animation, Puppenspiel oder CGI neue Möglichkeiten eröffneten, ohne dem Live-Schauspiel etwas wegzunehmen, bietet KI eine weitere Möglichkeit, sich Geschichten vorzustellen und sie zu erschaffen. Ich bin selbst Schauspielerin, und nichts - ganz sicher kein KI-Charakter - kann das Handwerk oder die Freude an menschlicher Darbietung nehmen.

Tilly zu erschaffen war für mich ein Akt der Vorstellungskraft und des handwerklichen Könnens, nicht unähnlich dem Zeichnen einer Figur, dem Schreiben einer Rolle oder dem Gestalten einer Darbietung. Es braucht Zeit, Geschick und Wiederholung, um eine solche Figur zum Leben zu erwecken. Sie steht für Experimentieren, nicht für Ersatz. Ein großer Teil meiner Arbeit bestand immer darin, der Gesellschaft durch Satire einen Spiegel vorzuhalten, und das ist hier nicht anders.

Ich glaube auch, dass KI-Charaktere als Teil ihres eigenen Genres und nach ihren eigenen Vorzügen beurteilt werden sollten, anstatt direkt mit menschlichen Schauspielern verglichen zu werden. Jede Kunstform hat ihren Platz, und jede kann für das, was sie einzigartig macht, geschätzt werden.

Ich hoffe, wir können KI als Teil der größeren künstlerischen Familie willkommen heißen: eine weitere Möglichkeit, uns auszudrücken, neben Theater, Film, Malerei, Musik und unzähligen anderen. Wenn wir alle Formen von Kreativität feiern, öffnen wir Türen für neue Stimmen, neue Geschichten und neue Wege, miteinander in Verbindung zu treten.

Eline

Das bestätigt auch Verena Puhm, die Chefin von Luma AI’s neuem Studio Dream Lab LA. Demnach sei Anfang 2025 plötzlich ein deutlich größeres Interesse von Studios und Produktionsfirmen entstanden.

Viele Projekte seien schon in Arbeit und sie rechne mit ein paar sehr großen Ankündigungen Anfang nächsten Jahres.

Möglicherweise wird der von OpenAI finanzierte Animationsfilm Critterz also nicht der einzige KI-generierte Film bleiben, der im kommenden Jahr ins Kino kommt. Wie solche Filme ankommen, bleibt aber abzuwarten.

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