Knappe Hardware: Wirkt sich das auf die Spieleentwicklung aus?

Bremsen Engpässe bei Grafikkarten wie RTX 3080 und RX 6800 XT die Spieleentwicklung aus? Der deutsche Entwickler Deck13 gibt Antworten darauf.

von Alexander Köpf,
08.03.2021 17:25 Uhr

Der Co-Gründer von Deck13 äußert sich dazu, was die aktuell oft leeren Hardware-Einkaufswagen für Spieleentwickler bedeuten. Der Co-Gründer von Deck13 äußert sich dazu, was die aktuell oft leeren Hardware-Einkaufswagen für Spieleentwickler bedeuten.

Die schlechte Lieferbarkeit von Hardware begleitet uns seit Monaten. Ob chaotische Grafikkarten-Launches, Ärger über Scalper oder mögliche Lösungsansätze in Form von speziellen Mining-Karten - wir haben das Thema aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet.

Eine gerade für uns Spieler spannende Sichtweise haben wir bislang allerdings noch nicht beleuchtet: Wie gehen Spieledesigner mit der Situation um? Wird die Entwicklung neuer Titel mit besserer Next-Gen-Grafik vielleicht sogar ausgebremst? Genau das beleuchten wir in diesem Artikel etwas genauer.

Welche Hardware ist das Ziel?

Entscheidend ist dabei die Frage, welche Hardware im Mittelpunkt der Entwicklung steht. In Bezug auf Multiplattform-Titel verdeutlicht das auch der Begriff »Lead-Plattform«. Während die Leistungsfähigkeit von Konsolen aber eine feste Größe ist, kann sie im PC-Umfeld deutlich schwanken.

Ein Extrembeispiel stellt Cyberpunk 2077 dar. Es wurde im vergangenen Jahr als einer der wichtigsten Next-Gen-Titel beworben. Das dystopische Action-Adventure sollte die Grafik in Spielen auf das nächste Level heben. Damit war vor allen Dingen Raytracing gemeint.

Die Echzeitstrahlenberechnung verschlingt Unmengen an Performance und setzt mindestens eine RTX-Grafikkarte mit entsprechenden Rechenkernen voraus. Um dennoch flüssig spielen zu können, braucht es dann auch noch Nvidias DLSS, das ebenfalls eine RTX 2000 oder RTX 3000 mit spezialisierten Recheneinheiten erfordert. Mehr zu DLSS erfahrt ihr im folgenden Video:

Was ist DLSS? - Nvidias Kantenglättung im Detail erklärt 9:05 Was ist DLSS? - Nvidias Kantenglättung im Detail erklärt

So kann schnell der Eindruck entstehen, dass Cyberpunk 2077 vielleicht von vornherein auf die neueste Hardware ausgelegt wurde. Verstärkt wird das durch den schlechten Zustand der Konsolenfassung.

Die Version für Xbox One X und PlayStation 4, also für die beiden schwächsten Plattformen, war so mangelhaft, dass Sony Cyberpunk aus dem eigenen Store kickte. Die Kollegen von GamePro sahen sich damals sogar zu einer massiven Abwertung in Höhe von 20 Punkten gezwungen.

Cyberpunk stellt damit in gewisser Hinsicht einen Ausnahmefall dar. Generell ist es für Studios und Publisher empfehlenswert, ihre Spiele auf einer großen Zahl von Systemen flüssig zum Laufen zu bringen, um so viele Exemplare wie möglich verkaufen zu können.

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Knappe Hardware ist ein »untergeordnetes Thema«

Der naheliegende Fokus auf Mainstream-Hardware zeigt sich auch am Beispiel des deutschen Spieleentwicklers Deck13, der hinter Titeln wie dem hochgelobten Science-Fiction-Actionspiel The Surge und dem Fantasy-Rollenspiel Lords of the Fallen steht.

Co-Gründer und Creative Director Jan Klose hat uns Einblicke in die Planung neuer Spiele gewährt. Da Deck13 sowohl für PC als auch für Xbox und PlayStation entwickelt, liege dort das Augenmerk in der Regel auf einer der Konsolen, da diese meist die schwächsten Plattformen darstellen.

"Daran orientieren wir uns bei der generellen Spielplanung. Wir planen also kein Spiel, das so groß oder hardwarehungrig ist, dass es auf der schwächsten Plattform schlicht nicht mehr super läuft."

Mit diesem Ansatz seien die Mindestanforderungen für den PC in der Regel ebenfalls gut abgedeckt. Davon ausgehend werde geschaut, welche Features am meisten von stärkerer PC-Hardware profitieren.

"Ein einfaches Beispiel wären höher aufgelöste Texturen aufgrund von mehr Grafikspeicher oder auch verbesserte Schatteneffekte/Details, schlicht wegen der Rechenpower."

Auf die aktuelle Grafikkartengeneration ziele man meist gar nicht ab. Gewisse Ausnahmen könne es dennoch geben. Zum Beispiel, wenn eine Grafikkarte noch vor ihrem Verkaufsstart zur Verfügung gestellt werde, um ein Spiel darauf zu optimieren oder um ein neues Feature direkt zum Verkaufsstart zu unterstützen.

"Die aktuelle Hardware-Knappheit dagegen ist eher ein untergeordnetes Thema, das sich ja auch meist nach ein paar Monaten wieder entspannt. Das hat zumindest bei uns keine großen Auswirkungen auf die Entwicklung."

Spieleentwicklung wird wohl kaum gebremst

Auch wenn in diesem Fall nicht davon auszugehen ist, dass sich die Lage auf dem Hardware-Markt in ein paar Monaten entspannt, ist das wichtige schwächste Glied in Form der aktuellen Konsolen-Generationen ja bereits bekannt.

Es mag also sein, dass sich das ein oder andere Spiel beziehungsweise ein Schritt in dessen Entwicklung durch die knappe Hardware verzögert. In Summe wird sich die schwierige Situation auf dem Hardware- und speziell dem Grafikkartenmarkt mit Blick auf die Technik jedoch vermutlich kaum auf die Spieleentwicklung auswirken.

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