Manche von euch erleben das vielleicht regelmäßig: Euer Lieblingsmensch sitzt neben euch auf dem Sofa. Jeder macht sein Ding. Ihr lest vielleicht gerade ein spannendes Buch, euer Liebster oder eure Liebste spielt mit Kopfhörern auf den Ohren etwas Feines auf der Konsole. Im Raum ist es still und ihr genießt sie, diese Stille nach einem heftigen und lauten Tag.
Doch je länger ihr so einträchtig zusammen sitzt, desto mehr springt es euch in die Ohren. Schnubbi atmet irgendwie sehr laut. Regelrecht angestrengt. Als säße Darth Vader neben euch.
Falls das schon einmal zur Sprache kam: Nein, ihr werdet nicht plötzlich überempfindlich. Die laute Atmung hängt mit den Kopfhörern zusammen und Schnubbi kann nichts dafür.
Die Atmung verändert sich wegen zwei Phänomenen, die ich euch jetzt beschreiben werde.
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Warum unsere Atmung mit Kopfhörern lauter wird
Der Umstand, dass wir mit Kopfhörern auf den Ohren lauter atmen, als uns bewusst ist, liegt an zwei Phänomenen:
1. Der Okklusionseffekt (Verschluss-Effekt)
Dieser Effekt greift, wenn wir unsere Ohren vollständig mit etwas bedecken oder verschließen. Er tritt bei Headsets, Kopfhörern, Ohrstöpseln, bestimmten Hörgeräten, In-Ears und selten sogar bei extrem schallundurchlässigen Kopfbedeckungen auf. Sprich: Je besser euer Ohr verschlossen wird, desto stärker ist der Okklusionseffekt.
Der Verschluss führt zu einer Veränderung in der Schallresonanz und des Schalldrucks im Gehörgang. Unser Schalldruck bei tieferen Tönen wird verstärkt. Körpereigene Geräusche wie unsere Stimme, wenn wir etwas essen und trinken oder Kaugummi kauen, unser Herzschlag und Atmung und so weiter wandern als Schallsignal an unsere Schädelknochen.
Wären die Ohren frei, würden diese Schallwellen einfach nach außen verpuffen. Ist es aber verschlossen, wird der Schall zurückgeworfen und trifft auf das Trommelfell. Dadurch nimmt unser Gehirn derartige Töne als lauter wahr, auch wenn sie das eigentlich gar nicht sind. Naja, dann schon, weil man tatsächlich lauter wird. Das wiederum führt uns nämlich zum nächsten Phänomen:
2. Der Lombard-Effekt
Mit verschlossenem Gehör klingen wir nicht nur für uns selbst lauter, wir sind es auch. Diesen Umstand beschreibt der Lombard-Effekt. Sobald unser Gehirn meint, sich in einer lauten Umgebung zu befinden, sprechen und atmen wir unbewusst lauter.
Mit Kopfhörern sind wir akustisch mehr oder weniger von unserer Umgebung abgeschirmt. Durch eine stets aktive tonale Feedbackschleife im Gehirn möchte dieses den vermeintlichen Lautstärkeverlust ausgleichen. Es möchte den gewohnten Widerstand und die akustische Rückmeldung der Luftströmung erzwingen. Dadurch atmen wir lauter und tiefer. Auch unsere Stimme wird lauter.
Okay, was nun? Das Walross akzeptieren?
Klar, könntet ihr. Die wenigsten Ehen werden aus solchen Gründen geschieden. Falls ihr es nicht darauf ankommen lassen möchtet, gibt es aber ein paar effektive technische Lösungen, damit ihr nicht länger wie ein Schwerstarbeiter klingt, sobald ihr ein Headset tragt.
Transparenzmodus/Sidetone: Benutzt Audiogeräte, die einen Transparenzmodus (lässt euch eure Umgebung hören, obwohl eure Ohren verschlossen sind) oder eine Sidetone-Funktion in Kombination mit einem Headsetmikrofon (Mithörfunktion) haben. Dadurch kann euer Gehirn eure Atmung wieder ganz normal hören und ihr atmet automatisch wieder leiser.
Active Noise Cancelling (ANC) ausschalten: ANC sorgt dafür, dass ihr möglichst nichts außerhalb eurer Kopfhörer mehr wahrnehmt. Das kann toll für die Immersion im Spiel oder die Ruhe im Zug sein, isoliert aber euren körpereigenen Knochenschall extrem stark. Einmal abgeschaltet, könnt ihr wieder ein wenig mehr von außen hören und atmet leiser.
Ohrpolster aus Stoff/Velours statt Kunstleder: Leder und Kunstleder dichten das Ohr hermetisch ab. Stoff- oder Velourspolster sind atmungsaktiv und lassen Schallwellen leichter entweichen. Das reduziert die dumpfen Geräusche der eigenen Atmung.
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Silikon-Aufsätze bei In-Ears oder Open-Ear-Kopfhörer: Je dichter In-Ears den Gehörgang verschließen, desto lauter wird der Schall, der auf euren Schädel trifft. Bei In-Ears soll es angeblich helfen (angeblich, weil ich es selbst nicht ausprobiert habe), eine Größe kleiner zu nehmen. Für den öffentlichen Nahverkehr bieten sich Open-Ear-Kopfhörer an, die vor dem Gehörgang sitzen.
Schiebt ein Ohrpolster vom Ohr oder nehmt einen Stöpsel raus: Ein Ohr ist an der Luft und verhindert dadurch den Okklusionseffekt ziemlich gut. Dazu funktioniert die Stereofunktion von Spielen natürlich nicht mehr, weil der Sound nur noch von einer Seite kommt.
Sitzhaltung: Es hat zwar eher einen geringen Einfluss, kann aber durchaus helfen. Je sackartiger man sitzt, desto mehr wird das Zwerchfell getaucht. Dadurch atmen wir tiefer, gepresster und häufiger durch den Mund, statt die Nase. Wer aufrecht sitzt, kann freier durch die Nase ein- und ausatmen.
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Betrifft mich eh nicht
Manche von euch leben sicher alleine, ihre Lieblingsmenschen tragen selbst Kopfhörer oder kümmern sich nicht um euer Geschnaufe oder euch ist es schlichtweg egal, wie ihr für andere klingt.
Und natürlich werden die wenigsten von euch ihre Audiogeräte nach derartigen sozialen Kriterien auswählen. Wer aber etwas gegen diese beiden Effekte machen möchte, hat nun ein paar Tipps an der Hand, die unter Umständen helfen und dennoch eine gute Kopfhörer- oder Headset-Wahl ermöglichen.
Nun seid ihr gefragt: Bei GameStar habe ich im Kollegium bereits eine Umfrage mit dem Ergebnis gemacht, dass von 20 Personen lediglich vier bewusst sind, dass es diese Effekte gibt. Wie sieht es bei euch aus? Oder gibt es in eurem Alltag einfach keine Situationen, in denen man euch beim Röcheln hören würde (es muss ja recht still sein im Raum)? Erzählt es mir gerne in den Kommentaren. Ich bin gespannt.




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