Man kann von Sonys Spider-Verse ohne Spider-Man halten, was man will. Doch eines muss man dem kleinen Marvel-Universum wirklich lassen: Es ist konsequent. Denn wirklich alle sechs Filme davon sind ein Reinfall - dabei stellt Kraven the Hunter keine Ausnahme dar.
Ich will euch mit meiner Kritik auch gar nicht zu lange aufhalten. Denn mit dem Film von Regisseur J.C. Vandor habe ich schon mehr Zeit verbracht, als mir eigentlich lieb ist. Wie schon bei Madame Web kann ich hier guten Gewissens das Fazit, nein, die Warnung aussprechen: Diese zwei Stunden und sieben Minuten bekommt ihr niemals wieder.
Worum geht es in Kraven the Hunter?
Kraven (Aaron Taylor-Johnson) ist der beste Jäger der Welt - daran besteht kein Zweifel!
Das muss so stimmen, immerhin behauptet das der Held der knapp zweistündigen Schlaftablette höchstpersönlich. Sympathisch, oder?
Besser wird’s im Verlauf von Kraven the Hunter nicht. Der Sohn des knallharten und herzlosen Gangster-Boss Nikolai Kravinoff (Russell Crowe) macht in seinem eigenen Film nämlich so gut wie keine Charakterentwicklung durch.
Dabei rollt Kraven zuerst die Kindheit der beiden Brüder Sergei und Dimitry Kravinoff (Fred Hechinger) auf. Beide haben wenig Lust, in die Fußstapfen ihres grausamen Vaters zu treten und würden lieber ihr eigenes Ding durchziehen.
Nachdem Sergei zuerst von einem wilden Löwen zerfleischt und von der jungen Calypso (Ariana DeBose) ins Leben zurückgeholt wird, traut sich das dann zumindest auch einer der Brüder. Durch Calypsos mysteriöses Heilmittel hat Sergei, der sich nun - warum auch immer - lieber Kraven
nennt, auch noch Superkräfte bekommen.
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Kraven: Der Marvel-Schurke darf im neuen Trailer zu seinem Solo-Film ordentlich zulangen
Mit irgendwelchen Erklärungen für all das mythologische Geschwurbel hält sich Kraven the Hunter übrigens nicht auf. Wer sich tatsächlich ins Kino wagt, sollte einfach hinnehmen, was ihm oder ihr aufgetischt wird und bloß nichts hinterfragen.
Kraven schlägt nun einen ganz anderen Karriere-Pfad als Papi ein und mordet sich fröhlich durch die weltweite … Unterwelt. Zumindest, bis Bruder Dimitry in den persönlichen Rachefeldzug von Kraven hineingezogen wird und er Nikolais Konkurrenten The Rhino (Alessandro Nivola) in die Quere kommt.
Für wen ist Kraven interessant?
Mit Kraven verschwindet ein von Anfang bis Ende missglücktes Superhelden-Universum in der Versenkung. Sony hat zumindest aktuell nämlich keine Pläne, weitere Spin-offs zu Spider-Man-Charakteren zu produzieren, die ohne Spider-Man auskommen müssen. Sollte euch gerade ein leises Endlich
entweichen, kann ich es euch nicht verübeln.
Es ist schlichtweg bizarr, was für Entscheidungen Sony teilweise für das eigene kleine Marvel-Universum getroffen hat. Kraven stellt in dieser Hinsicht alles andere als eine Ausnahme dar, denn der Film ist vor allem eins: Öde.
Die maximal zweckmäßige Story wird viel zu selten von soliden, aber eher unspektakulären Sequenzen aufgelockert. Zwischen all dem CGI blitzt zumindest zwar gelegentlich echtes Action-Handwerk durch, aber eigentlich hat man mit dem Stunt-Personal eher Mitleid, dass es sich für so einen Film treppauf und -ab stürzt.
Dazu kommen zähe und viel zu lange Dialogszenen, die geradezu vor Exposition und Möchtegern-coolen Sprüchen strotzen. Wenn zum Beispiel Alessandro Nivola als Rhino selbst seinen Gangster-Kollegen erklären muss, wie bitterböse und schrecklich er eigentlich ist, würde das selbst Susanne Daubner als cringe
bezeichnen.
Kraven scheitert aber vor allem an all seinen Figuren, denn sämtliche Helden und Schurken könnten mir während der knapp zweistündigen Laufzeit kaum egaler sein. Selbst der sonst recht charismatische Aaron Taylor-Johnson wirkt erschreckend lustlos und unmotiviert und in dieselbe Kerbe schlagen sämtliche Performances seiner Kolleginnen und Kollegen.
Zumindest Alessandro Nivola scheint an seinem großen Bösewicht so etwas wie Spaß zu haben. Seine Performance wirkt wie aus einem anderen Film. Im Kontext von Kraven wirkt sie aber schrecklich deplatziert und teilweise sogar peinlich, denn die Hintergrundgeschichte der Figur bleibt komplett banal.
Den einzigen Lichtblick stellt vielleicht noch Russell Crowe dar, wenn ihr denn miterleben wollt, wie sich der mittlerweile 60-jährige Kultschauspieler an einem russischen Akzent versucht. Kleiner Spoiler: Allzu viel verpasst ihr aber eigentlich nicht.
Stärken und Schwächen von Kraven the Hunter
Was uns Kraven the Hunter gefallen hat
- Keine Post-Credit-Szene: Mit Kraven gilt das SSU (Sonys Spider-Man Universe) als beendet. Aktuell sind keine weiteren Spin-offs mehr geplant, stattdessen konzentriert man sich auf Geschichten, in denen der Wandkrabbler tatsächlich vorkommt. Das wirkt beinahe schon wie eine Kapitulation, die ich als Marvel- und allgemein Comic-Fans mit offenen Armen begrüße.
Was uns an Kraven The Hunter nicht gefallen hat
- Der Rest
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