Laptop dauerhaft am Strom: Schadet das dem Akku oder ist es heutzutage unbedenklich?

Viele verwenden ihre Laptops stationär mit dauerhaft angeschlossenem Ladekabel – ist das 2025 noch ein Problem?

Viele haben ihr Ladekabel dauerhaft am Laptop angesteckt. Wir klären, ob das 2025 noch ein Problem ist. (Bildquelle: OleksandrAdobe Stock) Viele haben ihr Ladekabel dauerhaft am Laptop angesteckt. Wir klären, ob das 2025 noch ein Problem ist. (Bildquelle: Oleksandr/Adobe Stock)

Früher war es ein weitverbreiteter Ratschlag: Wer seinen Laptop immer am Strom lässt, ruiniert den Akku. Doch wie sieht das heute aus? Sollte man sein Ladekabel regelmäßig abziehen?

Die kurze Antwort: Nein, das müsst ihr in den meisten Fällen nicht mehr.

Moderne Akkus sind smart

In heutigen Laptops, egal ob MacBook, Lenovo ThinkPad oder Gaming-Boliden, wie etwa von Razer oder Asus, kommen Lithium-Ionen- oder Lithium-Polymer-Akkus zum Einsatz. Diese besitzen integrierte Schutzmechanismen (Battery Management System), die das Überladen verhindern.

Sobald der Akku voll ist, wird der Stromfluss reduziert oder gestoppt, der Laptop läuft dann direkt über das Netzteil (Bypass-Charging). Ferner verfügen viele moderne Geräte über ein automatisches Ladelimit für die dauerhafte Nutzung am Netzkabel.   

Gut zu wissen
Wie funktionieren Lithium-Ionen-Akkus?

Ein Lithium-Ionen-Akku besteht im Kern aus zwei Elektroden, einer positiven (Kathode) und einer negativen (Anode) sowie einem Elektrolyt, durch den sich Lithium-Ionen bewegen können.

Beim Laden wandern die Lithium-Ionen durch den Elektrolyt von der Kathode zur Anode und lagern sich dort ein.

Beim Entladen kehren sie diesen Weg um: Die Ionen fließen zurück zur Kathode, wodurch Elektronen im äußeren Stromkreis freigesetzt werden. Und genau dieser Elektronenfluss versorgt euren Laptop mit Energie.

Das Besondere an Lithium-Ionen-Akkus: Sie haben eine hohe Energiedichte, sind vergleichsweise leicht und haben keinen sogenannten »Memory-Effekt«. Das macht sie ideal für mobile Geräte wie Smartphones, Laptops und Handhelds.

Damit sie sicher funktionieren, enthalten moderne Akkus zusätzlich ein Batteriemanagementsystem (BMS), das Ladezustand, Temperatur und Stromfluss überwacht.

Wieso altern Akkus?

Jeder Lithium-Ionen-Akku altert, selbst wenn er kaum genutzt wird. Der Grund liegt in den chemischen Prozessen, die beim Laden und Entladen ablaufen.

Mit jeder Bewegung der Lithium-Ionen zwischen den Elektroden verändert sich die innere Struktur des Akkus minimal. Dabei bilden sich mit der Zeit Ablagerungen und Nebenreaktionen, die verhindern, dass der Akku seine volle Kapazität beibehält.

Besonders belastend für den Akku sind drei Faktoren:

  • Hohe Ladezustände (zum Beispiel dauerhaft 100 Prozent)
  • Tiefenentladungen (zum Beispiel regelmäßig auf 0  Prozent)
  • Hohe Temperaturen (zum Beispiel durch starke Belastung beim Laden oder Spielen)

Diese drei Faktoren beschleunigen den chemischen Verschleiß. Die Folge: Der Akku verliert an Kapazität, kann also weniger Energie speichern, und seine maximale Leistung sinkt.

Was sind Ladezyklen?

Ein Ladezyklus ist eine vollständige Entladung und Wiederaufladung – zum Beispiel zwei halbe Ladungen ergeben zusammen einen Zyklus. Je mehr Zyklen ein Akku durchläuft, desto mehr nimmt seine Kapazität ab.

Besonders Gaming-Laptops verbringen viel Zeit mit angestecktem Ladekabel. (Bildquelle: Sven ScharpeGameStar Tech) Besonders Gaming-Laptops verbringen viel Zeit mit angestecktem Ladekabel. (Bildquelle: Sven Scharpe/GameStar Tech)

Batteriemanagementsystem: Ein Batteriemanagementsystem (BMS) ist eine elektronische Steuerungseinheit, die Akkus überwacht, schützt und verwaltet.

Es sorgt dafür, dass der Akku weder überladen noch zu tief entladen wird, kontrolliert Temperatur, Spannung und Stromstärke und kann den Ladezustand sowie die Restlebensdauer berechnen. Das BMS ist bei modernen Laptop-Akkus ein Standard. 

Bypass-Charging: Bypass-Charging ist eine Technik, bei der der Strom vom Netzteil direkt zur Laptop-Hardware geleitet wird, ohne den Akku zu durchlaufen oder zu laden. Dadurch wird der Akku geschont, weil er weder aufgeladen noch beansprucht wird.

Das ist besonders nützlich bei intensiven Anwendungen wie Gaming. Bei Gaming-Laptops kommt Bypass-Charging zudem zum Einsatz, um die Hitzeentwicklung zu reduzieren. 

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Ladelimits: Apple setzt etwa beim MacBook auf sogenannte »Battery Health«-Funktionen, die den Akku automatisch bei 80 Prozent halten, wenn das Gerät erkennt, dass es dauerhaft am Netz hängt.

Auch andere Hersteller, wie Lenovo und Dell, bieten in ihren BIOS- oder Software-Einstellungen Optionen wie »Conservation Mode« oder »Battery Saver«, die genau dasselbe tun.

Der Grund: Akkus altern langsamer, wenn sie nicht ständig bis zu 100 Prozent geladen werden. Besonders der Bereich zwischen 80 und 100 Prozent belastet die Zellen stärker und fördert langfristig Kapazitätsverluste. Ein Ladelimit verlängert also effektiv die Lebensdauer des Laptop-Akkus.

Bei vielen Laptops ist eine Batterieschutz-Funktion automatisch aktiviert. Bei vielen Laptops ist eine Batterieschutz-Funktion automatisch aktiviert.

Dauerhaftes Laden kann trotzdem Nachteile haben

Obwohl moderne Geräte gut mit Dauerladung klarkommen, kann es in bestimmten Situationen trotzdem zu einer beschleunigten Alterung des Akkus kommen. Beispiele hierfür sind:

  • Wenn der Laptop sehr heiß wird, etwa beim Spielen oder Rendern und gleichzeitig geladen wird: Bei leistungsintensiven Prozessen wie diesen entsteht viel Hitze, die abgeführt werden muss. Wird dabei gleichzeitig der Akku geladen, erzeugt auch das zusätzliche Wärme und beides zusammen kann sich aufschaukeln. Das wirkt sich negativ auf die Leistung eures Laptops und langfristig auf die Lebensdauer des Akkus aus.
  • Wenn der Laptop-Akku selten entladen wird: Akkus brauchen Bewegung, um ihre Kapazität langfristig besser zu halten. Warum? Bei dauerhaft 100 Prozent entstehen im Inneren des Akkus chemische Veränderungen, die ihn schneller altern lassen. Wenn der Ladezustand öfter mal zwischen etwa 30 und 80 Prozent schwankt, bleiben diese Alterungsprozesse geringer.
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Das empfehlen wir

  • Nutzt, wenn möglich, einen Lademodus mit Begrenzung. Viele Hersteller bieten das inzwischen an.
  • Achtet auf gute Belüftung, besonders beim Laden unter hoher Last (beispielsweise bei Gaming oder Video-Rendering).
  • Nutzt Bypass-Charging, wenn euer Laptop das unterstützt, besonders bei langen Spielsitzungen.
  • Entladet euren Akku gelegentlich auf etwa 30 bis 70 Prozent, um die Zellchemie aktiv zu halten.
  • Verzichtet bei großer Hitze (etwa im Sommer oder bei schlechter Luftzirkulation) möglichst auf das gleichzeitige Laden und Arbeiten unter Volllast.

Fazit: Meist unproblematisch – mit ein paar Ausnahmen

Ihr müsst euer Ladekabel nicht aus Sorge ständig abziehen. Moderne Akkus sind auf den Dauerbetrieb ausgelegt und schützen sich selbst.

Dennoch gilt: Wer das Maximum an Lebensdauer herausholen will, sollte auf Temperatur und Ladeverhalten achten.

Bei vielen Laptops lässt sich die Akkuladung softwareseitig begrenzen. Nutzt das, wenn euer Gerät häufig stationär verwendet wird. Und wenn ihr ganz sichergehen wollt, entladet den Akku gelegentlich absichtlich. 

Aber keine Angst: Ein dauerhaft angeschlossenes Kabel ist heute längst kein Todesurteil mehr für euren Akku.

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