Vor 3 Monaten habe ich ein günstiges Notebook gekauft – und es auf dem Balkon sofort bereut

Wollt ihr draußen arbeiten? Dann solltet ihr wissen, warum die Helligkeit des Displays entscheidend ist und welche Werte ihr unbedingt beachten müsst!

Die Sonne ist der Endgegner für viele Laptop-Displays. (Quellen: Lenovo + Adobe Stock Thaut Images) Die Sonne ist der Endgegner für viele Laptop-Displays. (Quellen: Lenovo & Adobe Stock / Thaut Images)

Der Sommer ist endlich angekommen, was gibt es da Schöneres, als sich das Notebook zu schnappen und dem stickigen Büro zu entfliehen und stattdessen auf dem Balkon zu arbeiten. Also habe ich mir mein günstiges Zweitgerät und etwas Kühles zu trinken unter den Arm geklemmt und mich rausgesetzt. Wirklich Spaß hat mir das allerdings nicht gemacht, denn ich konnte auf dem Display einfach kaum etwas erkennen, selbst bei voll aufgedrehter Helligkeit nicht! 

Das hat mir dann noch einmal deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, auf eine ausreichende Helligkeit des Displays zu achten. Ein Umstand, den viele beim Kauf  oft sträflich vernachlässigen. Wenn ihr im Freien produktiv arbeiten wollt, müsst ihr beim Laptop-Kauf unbedingt berücksichtigen, wie hell das verbaute Panel maximal werden kann. Angeben wird der Wert in cd/m² (Candela pro Quadratmeter) oder Nits. Doch was genau bedeuten diese Angaben und warum scheitern die meisten Standard-Geräte grandios an der Sonne?

Das physikalische Duell: Bildschirm gegen Himmelskörper

Der Begriff Nit (abgeleitet vom lateinischen nitere = glänzen) ist die im Tech-Bereich gängige Maßeinheit für die Leuchtdichte. Physikalisch entspricht ein Nit exakt einem Candela pro Quadratmeter (1 Nit = 1 cd/m² ). Einfach gesagt: Je höher die Nit-Zahl, desto heller leuchtet der Bildschirm aus eigener Kraft.

Wenn ihr im Büro oder im abgedunkelten Wohnzimmer sitzt, kämpft das Display lediglich gegen moderate Lichtquellen an. Ein Wert von 250 bis 300 Nits, der absolute Standard bei den meisten Laptops der Einsteiger- und unteren Mittelklasse, reicht hier völlig aus, um ein knackiges, gut lesbares Bild zu erzeugen.

Sobald ihr jedoch den Fuß vor die Tür setzt, ändern sich die Spielregeln allerdings dramatisch. In der nachfolgenden Tabelle habe ich euch mal zusammengestellt, wie hoch die Helligkeit unter bestimmten Bedingungen ist: 

Lux-BereichHinweis
Direktes Sonnenlicht100.000 bis 130.000 LuxDas ist die maximale natürliche Helligkeit
Heller Sonnentag50.000 bis 100.000 LuxHelligkeit bei klarem und wolkenlosem Himmel
Stark bedeckter Himmel5.000 bis 10.000 LuxDichte und gleichmäßige Bewölkung
Schatten bei Sonnenschein10.000 bis 15.000 LuxSchatten unter Bäumen
Arbeitsplatz an einem großen Fenster500 bis 5.000 LuxAbhängig vom Wetter und der Ausrichtung des Fensters
Innenraum ohne direkte Sonneneinstrahlung100 bis 500 LuxEtwa 3 Meter vom Fenster entfernt

Gegen diese gigantische Lichtwand kommt ein 300-Nits-Display schlichtweg nicht an. Das Umgebungslicht überstrahlt die Hintergrundbeleuchtung des Laptops vollständig. Das Ergebnis ist ein kontrastarmes, flaues Bild, das die Augen extrem schnell ermüden lässt.

Nits vs. Lux – Wer sendet, wer empfängt?

In der Tech-Welt werden die Begriffe Nits und Lux oft im selben Atemzug genannt, wenn es um die Lesbarkeit von Displays geht. Das stiftet Verwirrung, dabei ist die Unterscheidung fundamental. Die beiden Einheiten beschreiben nämlich zwei völlig unterschiedliche Richtungen des Lichts und genau darin liegt der Schlüssel zum Verständnis unseres Sonnen-Problems.

  • Lux misst die sogenannte Beleuchtungsstärke. Dieser Wert gibt an, wie viel Licht von einer externen Quelle (wie der Sonne oder einer Lampe) auf einer bestimmten Fläche eintrifft. Ein Lux entspricht einem Lumen pro Quadratmeter. Lux ist in unserem Szenario also das Umgebungslicht.
  • Nits hingegen messen die Leuchtdichte. Hierbei geht es um das Licht, das eine Oberfläche (in diesem Fall das Panel des Laptops) selbst aktiv ausstrahlt und das schließlich im Auge des Betrachters ankommt. Ein Nit entspricht exakt einer Candela pro Quadratmeter.

Ein grober Vergleich der Helligkeit von 250 bis 700 Nits. (Quelle: Cevaton) Ein grober Vergleich der Helligkeit von 250 bis 700 Nits. (Quelle: Cevaton)

Die Faustregel für die Praxis: Lux ist das Licht, das auf den Bildschirm fällt. Nits sind das Licht, das aus dem Bildschirm herauskommt. Damit ihr unter freiem Himmel überhaupt etwas erkennen könnt, muss die aktive Leuchtkraft des Displays (Nits) hoch genug sein, um die enorme Menge an gestreutem Umgebungslicht (Lux) visuell zu überstimmen. Schlägt die Sonne mit 100.000 Lux ein, hat ein 300-Nits-Display nicht den Hauch eine Chance.

Wie viel Helligkeit braucht ihr für das Freiluft-Büro?

Um im Außenbereich ohne Kopfschmerzen arbeiten zu können, muss die Anzeige das Umgebungslicht überstrahlen. Hier gilt eine einfache Faustregel:

1. Der Schattenplatz (Mindestens 400 bis 500 Nits): Wer sich unter einem Sonnenschirm, auf einer überdachten Terrasse oder im tiefen Schatten von Bäumen aufhält, kommt mit 400 bis 500 Nits gut über die Runden. In diesem Bereich bieten gute Business-Laptops eine solide Lesbarkeit von Texten und Mails.

2. Das direkte Sonnenlicht (Mindestens 800 bis 1.000+ Nits): Soll der Laptop der prallen Sonne standhalten, wird die Luft extrem dünn. Hier sind Werte von 800 bis über 1.000 Nits absolut notwendig. Nur mit dieser enormen Leuchtkraft bleibt der Kontrast hoch genug, um auch feine Details, Tabellen oder Fotos sauber zu erkennen. Solche Werte findet man aktuell fast nur bei spezialisierten Outdoor-Geräten oder absoluten Premium-Notebooks.

Empfohlene HelligkeitLesbarkeit
Geschlossene Räume / Büro250 – 300 NitsSehr gut
Im Schatten (Draußen)400 – 500 NitsGut bis Befriedigend
Direktes Sonnenlicht800 – 1.000+ NitsErst ab hier wirklich nutzbar

Der heimliche Kompagnon: Matt vs. Glänzend

Die reine Nit-Zahl ist allerdings nur die halbe Miete. Ein oft unterschätzter Faktor im Alltag ist die Beschaffenheit der Display-Oberfläche. Ein mattes (entspiegeltes) Display bricht das einfallende Licht und streut es. Dadurch verträgt es deutlich weniger Nits, um im Freien noch lesbar zu sein.

Ein glänzendes Display (Glossy), wie es oft bei Touchscreens verbaut ist, wirkt im Freien wie ein echter Spiegel. Hier sind selbst 500 Nits oft zu wenig, weil die Reflexionen des eigenen T-Shirts oder des Himmels das Auge permanent ablenken.

Fazit: Augen auf beim Laptop-Kauf

Wer schon beim Kauf weiß, dass der Laptop regelmäßig auf Reisen, im Café oder im Garten genutzt werden soll, darf die Helligkeit nicht stiefmütterlich behandeln. Die herkömmlichen 300 Nits, die viele Laptops bieten, sind für den Außenbereich schlicht völlig ungeeignet. Sie reichen einfach nicht aus, um gegen die Sonne anzukommen. 

Wenn ihr im Freien arbeiten wollt, sollte die Spezifikationsliste eures neuen Begleiters mindestens 400 Nits (für den Schatten) oder idealerweise deutlich mehr aufweisen. Eure Augen werden es euch danken.


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