Ich habe meine Premium-Kopfhörer gegen die neuen Nothing Ear (3a) getauscht – und vermisse überraschend wenig

Die Nothing Ear (3a) bieten für knapp 100 Euro ein stimmiges Kopfhörer-Paket. Eine Sache stört mich allerdings.

Nothings neue Ear (3a) bieten gegenüber ihren Vorgängern einige Verbesserungen. (Bildquelle: GameStar Tech) Nothings neue Ear (3a) bieten gegenüber ihren Vorgängern einige Verbesserungen. (Bildquelle: GameStar Tech)

Bei Nothing stehen in diesem Jahr Einsteiger- und Mittelklassegeräte im Fokus. Der Hersteller hat seine Phone (a)-Serie mit neuen Modellen aufgefrischt und mit dem Headphone (a) einen zweiten Bluetooth-Over-Ear-Kopfhörer veröffentlicht, der eine günstigere Alternative zum Headphone (1) bildet.

Nun geht es an die In-Ears – mit den Nothing Ear (3a) gibt es jetzt einen Nachfolger für die 2024 erschienenen Nothing Ear (a). Die 100-Euro-Kopfhörer haben einige Upgrades erhalten, darunter größere Akkus, einen besseren Wasserschutz und eine neue Aufnahmefunktion für Telefonate, Podcasts und Co.

Seit rund einer Woche nutze ich die In-Ears im Alltag und bin überrascht, wie wenig Kompromisse ich mittlerweile gegenüber meinen teureren Sony WF-1000XM5 eingehen muss. Für 100 Euro gibt es ein starkes Paket, das ich aufgrund einer Schwäche jedoch nicht jedem empfehlen kann.

Design und Tragekomfort

Optisch sind die Ear (3a) ganz klar Nothing: transparentes Gehäuse, sichtbare Technik und knallbunte Farben wie Pink und Gelb neben klassischem Schwarz und Weiß. Das Ladecase ist im Vergleich zum Vorgänger etwas abgerundeter – bleibt durch die glänzenden Flächen leider recht anfällig für Fingerabdrücke.

Neu ist die Status-LED im Case, die über ein kleines Pixelmatrix-Design mit drei LEDs den Ladestand, Ladevorgang und Pairing-Status anzeigt. Ein kleines Extra, aber durchaus praktisch, wenn man schnell wissen will, wie voll die Batterie noch ist.

Auch den Wasserschutz hat der Hersteller etwas verbessert. Sowohl Case als auch Earbuds besitzen nun eine IP54-Zertifizierung, sind also geschützt gegen Staub und Spritzwasser.

Die Silikonaufsätze kommen in vier Größen (XS bis L) und sitzen bei mir mit dem passenden Tip sicher im Ohr, ohne zu drücken.

Wer Probleme hat, die passende Größe zu finden: In der Nothing-X-App gibt es einen Passformtest, der überprüft, ob der Gehörgang gut abgedichtet ist. Das bieten viele Hersteller und es ist hilfreich, um beim Klang und ANC das Beste herauszuholen.

Bedienung und App-Features

Bei der Bedienung erinnern mich die Ear (3a) an die AirPods Pro: Statt Touch-Fläche setzt Nothing auf Pinch-Gesten, also das »Quetschen« des Stiels.

Ein Druck startet oder pausiert die Wiedergabe, ein Doppeldruck springt zum nächsten Track, ein längerer Druck wechselt die ANC-Modi – das funktioniert im Alltag zuverlässig. Über die App lassen sich die Gesten bei Bedarf anpassen.

Es gibt außerdem eine Trageerkennung. Die Musik stoppt automatisch, wenn man einen Earbud herausnimmt und startet, sobald man ihn einsetzt. Das ist im unteren Preisbereich bei Kopfhörern noch immer kein Standard. Auf Wunsch lässt sich das in der App auch deaktivieren.

In der Nothing X-App stehen diverse Einstellungsmöglichkeiten und Features bereit. (Bildquelle: GameStar Tech) In der Nothing X-App stehen diverse Einstellungsmöglichkeiten und Features bereit. (Bildquelle: GameStar Tech)

Über die Nothing-X-App lassen sich noch zahlreiche andere Features steuern. Der Low-Latency-Modus kann aktiviert werden, wenn ihr eine möglichst geringe Latenz braucht – beispielsweise beim Spielen oder für Videos. Bei den Codecs unterstützt Nothing neben dem Standard SBC auch AAC sowie LDAC für höherwertige Bluetooth-Übertragung.

Wer mag, kann überdies »räumliches Audio« einschalten, um einen räumlicheren Klangeindruck zu erzeugen. Ich selbst bin kein Fan von solchen Klangmodi und bleibe bei Stereo – das ist Geschmackssache. Head-Tracking bieten die Ear (3a) im Übrigen nicht, das dürfte dem Preis geschuldet sein.

ANC und Transparenz

Die aktive Geräuschunterdrückung funktioniert richtig gut. In der Praxis filtert das ANC gleichbleibende Geräusche wie Klimaanlagen, Motorbrummen im Auto oder Hintergrundmusik am Schreibtisch sehr gut heraus und liegt aus meiner Sicht nicht weit hinter deutlich teureren Modellen.

Tastaturanschläge und Stimmen kommen weiterhin durch, aber das ist bei vielen und auch deutlich teureren ANC-Kopfhörern der Fall.

Die In-Ears bieten vier verschiedene ANC-Profile: Niedrig, Mittel, Hoch und Adaptive. Letzterer Modus passt die Noise-Cancelling-Stärke automatisch an die Umgebung an. Das funktioniert ordentlich, allerdings nicht in jeder Situation zuverlässig. Bei Hintergrundgesprächen anderer Personen schaltet das ANC immer mal um, teilweise mit schlechterem Ergebnis. Ich nutze ohnehin meist einfach die höchste ANC-Stufe, ohne Adaptive.

Was mir direkt aufgefallen ist: Bei aktiviertem ANC ohne Musik gibt es mitunter ein deutlich wahrnehmbares Grundrauschen, das je nach ANC-Stufe etwas lauter oder leiser ausfällt. Bei der Verwendung des »Adaptive«-Modus verschwindet es je nach Umgebung teilweise, jedoch nicht immer, und mitunter kommt es bei der automatischen ANC-Anpassung auch wieder zurück.

Die dreiteilige Status-LED gibt Auskunft über Batteriestand und Pairing. (Bildquelle: GameStar Tech) Die dreiteilige Status-LED gibt Auskunft über Batteriestand und Pairing. (Bildquelle: GameStar Tech)

Ein solches Grundrauschen kenne ich von hochwertigen In-Ear-Modellen eigentlich nicht mehr: Sowohl meine AirPods Pro (1. Generation) als auch meine Sony WF-1000XM5 sind flüsterleise. Bei günstigeren Modellen wie den CMF Buds 2 Plus ist mir das Rauschen dagegen ebenfalls schon aufgefallen – die Ear (3a) bewegen sich also eher auf diesem Niveau als auf dem der Premium-Konkurrenz.

Nutzt man die Ear (3a) jedoch wie ich überwiegend mit Musik oder Podcasts, geht das Rauschen im Signal unter und stört nicht. Wer ANC-Kopfhörer jedoch oft stumm im Büro oder Zug trägt, um nur die Umgebung zu dämpfen, könnte sich an diesem Dauerrauschen stören. Für diesen Einsatzzweck würde ich die Ear (3a) nicht unbedingt empfehlen.

Der Transparenzmodus arbeitet ordentlich, wirkt jedoch etwas gedämpfter und weniger natürlich als beispielsweise bei AirPods. Für kurze Gespräche, Ansagen am Bahnsteig oder den Gang zur Supermarktkasse genügt er aus meiner Sicht vollkommen.

Klang und EQ

Klanglich sind die Ear (3a) für mich die klare Stärke des Pakets: Der überarbeitete 12-mm-Treiber liefert einen tiefen, druckvollen Bass, der gleichzeitig recht sauber bleibt. Stimmen und Instrumente klingen klar, Höhen haben genug Glanz, ohne ins Schrille zu kippen – gerade Rap-, Pop- und Elektro-Tracks profitieren von der bassbetonten Abstimmung.

Durch die klaren Mitten und Höhen eignen sich die Ear (3a) auch für andere Genres und selbst klassische Musik klingt richtig gut auf den Earbuds.

Über LDAC lassen sich hochaufgelöste Titel mit bis zu 24 Bit / 96 kHz streamen, sofern euer Smartphone das unterstützt. Beim iPhone funktioniert das nicht – hier ist beim weniger hochaufgelösten AAC-Codec Schluss. Wer jedoch ein modernes Android-Gerät verwendet, sollte keine Probleme haben, LDAC nutzen zu können.

Die Nothing X-App hält diverse Klanganpassungen bereit. (Bildquelle: GameStar Tech) Die Nothing X-App hält diverse Klanganpassungen bereit. (Bildquelle: GameStar Tech)

Was mir gut gefällt: Nothing bietet in seiner App umfassende Equalizer-Optionen. Einerseits gibt es einfache Presets wie »Mehr Bass« oder »Stimme«. Praktisch für Nutzer, die keine Lust haben, sich näher damit zu beschäftigen. Zusätzlich gibt es auch einen erweiterten Equalizer mit acht Bändern, frei wählbaren Frequenzen und einstellbarem Q-Faktor.

Q-Faktor? Der bestimmt, wie breit oder schmal der Frequenzbereich rund um die eingestellte Mittenfrequenz beeinflusst wird. Ein hoher Q-Wert greift sehr gezielt in einen engen Frequenzbereich ein, ein niedriger Q-Wert verändert einen breiteren Bereich sanfter.

Neu hinzugefügt hat der Hersteller zudem einen Bereich mit vorgefertigten EQ-Presets, die von Experten abgestimmt sein sollen. Hier kann man etwas stöbern und die Profile auf Wunsch ausprobieren.

Dieser Bereich ist für mich der spannendste, aus zwei Gründen:

  1. Hören ist extrem subjektiv und jeder empfindet guten Klang anders.
  2. Nicht jeder wird die Bassbetonung der Ear (3a) mögen. Über den Equalizer lässt sie sich problemlos abmildern.

Audio Snapshot und Call Recording: praktische Spielerei?

Ein Alleinstellungsmerkmal der Ear (3a) ist die integrierte Aufnahmefunktion direkt über die Earbuds. Drückt man beide Stiele gleichzeitig, startet eine Audioaufzeichnung. Dabei nehmen Earbuds das gerade laufende Audio – etwa einen Podcast – für bis zu 60 Sekunden auf und speichern es in der Nothing-X-App.

Zusätzlich lässt sich eine Vorabaufzeichnung aktivieren, bei der bis zu 30 Sekunden vor dem Drücken mitgeschnitten werden; praktisch, wenn man eine Stelle knapp verpasst hat, allerdings ist das mit einem erhöhten Akkuverbrauch verbunden. Diese Vorabfunktion steht bei LDAC-Verbindung übrigens nicht zur Verfügung.

Die Audioaufnahme-Funktion klappt gut. Vor allem bei Podcasts mit klarer Sprache arbeitet die Standard-Transkribierung zuverlässig. (Bildquelle: GameStar Tech) Die Audioaufnahme-Funktion klappt gut. Vor allem bei Podcasts mit klarer Sprache arbeitet die Standard-Transkribierung zuverlässig. (Bildquelle: GameStar Tech)

Die zweite Funktion ist die Gesprächsaufzeichnung in Telefonaten: Befindet man sich in einem Telefonat und aktiviert die Aufnahme, erhalten alle Teilnehmer einen Hinweis, dass der Call aufgezeichnet wird, und nach einem kurzen Countdown geht es los.

Maximal lassen sich hierbei zwei Stunden Audiomaterial speichern, das lokal im 32 Megabyte großen Speicher und in der Nothing-X-App abgelegt wird – also auch auf einem iPhone verfügbar ist. Die reinen Audiodateien bleiben laut Nothing lokal und werden nicht automatisch an Server übertragen.

Wenn ihr jedoch die Transkribierungsfunktion verwendet, läuft das Ganze mitunter über Server. Es stehen drei unterschiedliche Transkribierungsmodelle bereit. Die beiden Standard-Modi funktionieren auch offline, der Pro-Modus läuft über einen europäischen Server. Er ist laut Hersteller für die ersten drei Monate kostenlos mit maximal 120 Minuten je Monat – zu den anschließenden Kosten hat Nothing bislang keine Angaben gemacht.


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Ich habe das Feature natürlich ausprobiert und technisch funktioniert es gut, auch wenn die Standard-Transkribierung bei Telefonaten mitunter einige Fehler produzierte. Bei Podcasts mit sehr deutlicher Sprache funktionierte es zuverlässiger.

Allerdings habe ich persönlich keinen wirklichen Use-Case für das Feature. Zudem hat man nur Zugriff auf die Audiodateien, wenn die Kopfhörer mit dem Handy verbunden sind.

Für andere Nutzer kann das natürlich interessant sein, etwa für Telefonprotokolle, Online-Vorlesungen oder Sprachnachrichten.

Akku und Schnellladen

In den Earbuds stecken jeweils Akkus mit 55 Milliamperestunden, im Case 500 mAh. Damit sind bis zu zehn Stunden Wiedergabe ohne ANC drin, mit Noise Cancelling immer noch bis zu sechs Stunden. Über das Ladecase landet man bei bis zu 42 Stunden.

Ein kurzes Schnellladen von fünf Minuten im Case soll für rund eine Stunde zusätzliche Wiedergabe reichen.

Fazit

Für knapp 100 Euro bieten die Ear (3a) ein rundes Paket mit vielen Features. Der Sound ist stark, das ANC arbeitet auf einem hohen Niveau, die App bietet viele Einstellungsmöglichkeiten und das Design gefällt mir richtig gut. Akku, Schnellladen und eine ordentliche Codec-Ausstattung machen die Ohrhörer zu einer guten Wahl.

Der größte Kritikpunkt ist für mich das oft deutlich hörbare Grundrauschen des ANC bei stiller Umgebung. Wer seine In-Ears häufig ohne Musik nutzt, sollte sich bewusst sein, dass das Rauschen stören kann. Womöglich bessert der Hersteller hier mit einem Update nach, denn im Adaptive-Modus verschwindet das Rauschen ja teilweise.

Wer primär Musik, Podcasts und Videos hört und Lust auf einen In-Ear mit kräftigem Bass hat, bekommt mit den Nothing Ear (3a) viel Kopfhörer fürs Geld. Und vielleicht habt ihr ja auch einen Einsatzzweck für die neue Aufnahmefunktion.


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