Was bei einem Desktop-PC Normalität ist, wäre ein Traum für viele Laptop-Benutzer: eine austauschbare Grafikkarte. Mitte der 2000er Jahre hatte Nvidia zusammen mit Branchengrößen wie Dell und HP den Mobile PCI Express Module (MXM) Standard ins Leben gerufen.
Damit sollte es endlich möglich werden, dass die Grafikkarte eines Notebooks so einfach austauschbar wird wie der Arbeitsspeicher oder die Festplatte. Werfen wir mal einen Blick in die Vergangenheit, warum sich dieser praktische und sinnvolle Standard leider nie durchgesetzt hat.
Die Technik hinter dem MXM-Standard
Das grundlegende technische Konzept hinter MXM war eigentlich simpel: Anstatt den Grafikchip direkt auf die Hauptplatine zu löten, wurde er auf einer standardisierten Steckkarte platziert. Diese Module nutzten die PCI-Express-Schnittstelle, also quasi wie eine normale Desktop-Grafikkarte im Kleinformat.
Es existierten verschiedene Baugrößen, angefangen von den kompakten MXM-A-Varianten für Business-Geräte bis hin zu den wuchtigen MXM-3.0-Typ-B-Karten, die in High-End-Gaming-Laptops zum Einsatz kamen.
In der Theorie eröffnete dies eine völlig neue Welt für Anwender. Wer ein teures Notebook kaufte, musste nicht mehr das gesamte Gerät entsorgen, nur weil die Grafikleistung nach zwei Jahren nicht mehr für aktuelle Blockbuster-Spiele ausreichte.
Ein einfaches Upgrade der Karte sollte den Lebenszyklus des Rechners drastisch verlängern, genügend Leistung des Netzteils und ausreichende Kühlmöglichkeiten vorausgesetzt.
Vorteile für Nutzer und Industrie
Die Vorteile für die Endnutzer lagen auf der Hand: Flexibilität, Nachhaltigkeit und auch eine gewisse Investitionssicherheit.
Doch auch für die Hersteller bot der Standard zumindest zunächst reizvolle Möglichkeiten. Notebook-Produzenten konnten ein einziges Gehäuse- und Mainboard-Design entwerfen und dieses je nach Kundenwunsch oder Budget mit unterschiedlichen Grafikmodulen bestücken.
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Das reduzierte die Komplexität in der Fertigung und ermöglichte eine schnellere Reaktion auf neue Chip-Generationen von Nvidia oder ATI (später AMD). In der Blütezeit des Standards zwischen 2005 und 2015 fanden sich MXM-Slots in zahlreichen Barebones von Alienware, MSI oder Clevo.
Der Schlankheitswahn greift um sich
Doch trotz dieser offensichtlichen Stärken und Vorteile blieb MXM der große Durchbruch im Massenmarkt verwehrt. Heute ist der Standard fast vollständig aus dem Konsumentenbereich verschwunden.
Die Gründe für das Scheitern sind vielschichtig, hängen aber primär mit der Vorliebe der Laptop-Hersteller zusammen, immer dünnere Geräte bauen zu wollen.
Ein standardisierter Steckplatz benötigt aber zwangsläufig Platz im Gehäuse und erzwingt zudem eine bestimmte Anordnung der Komponenten. Als Apple dann mit dem MacBook Air den Trend zum Ultrabook einläutete, war das der Anfang vom Ende des klobigen MXM-Slots.
Die Hersteller begannen, Komponenten direkt zu verlöten, um so Millimeter bei der Bauhöhe einzusparen und das Gewicht zu drücken.
Hitzestau und Kompatibilitätsprobleme
Allerdings gab es mit der thermischen Komplexität noch ein weiteres relevantes Problem. Zwar war der elektrische Anschluss durch MXM standardisiert, doch die Kühllösungen waren es nicht. Jedes Notebook-Modell besaß ein individuell angepasstes System aus Heatpipes und Lüftern.
Wenn ein Nutzer eine stärkere Karte nachrüsten wollte, scheiterte dies oft daran, dass der vorhandene Kühlkörper nicht auf das Layout der neuen Karte passte oder die Hitzeentwicklung schlichtweg die Kapazitäten des Gehäuses überstieg.
Zudem gab es immer wieder proprietäre Abweichungen der Hersteller beim BIOS oder der Spannungsversorgung, was das Plug-and-Play-Versprechen in der Praxis oft zu einem Glücksspiel für Bastler machte.
Das neue Asus Zenbook Duo hat zwar keine MXM-Grafikkarte, kommt dafür aber als eines der ersten Geräte mit Intels neuer Panther Laker CPU. Deren iGPU macht viele dedizierte Einsteigergrafikkarten überflüssig. Werft gerne mal einen Blick auf den Test: Das Zenbook Duo hat mich im Test überzeugt, aber der eigentliche Star sind nicht die beiden Displays
Das Erbe von MXM
Letztlich besiegelten möglicherweise aber auch ökonomische Interessen das Schicksal des Formfaktors. Schließlich ist es für die Umsätze der Hersteller potenziell nicht so vorteilhaft, wenn Kunden ihre Geräte über viele Jahre hinweg modular aktuell halten können.
Der Verkauf eines komplett neuen Notebooks ist schlicht profitabler als der Verlauf einzelner Upgrade-Kits, deren Lagerhaltung und Support zudem kostspielig sind.
Heute existiert MXM fast nur noch in Nischenmärkten, etwa in industriellen Embedded-Systemen oder bei spezialisierten Workstations, während der durchschnittliche Gaming-Laptop wieder zu einem geschlossenen System geworden ist – von den Framework-Notebooks einmal abgesehen.
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