Apple hat bei allen seinen Laptops den Umstieg von der x86-Architektur auf ARM erfolgreich vollzogen. Der selbst entwickelte M4 Prozessor zeigt anschaulich, dass ARM-basierte Prozessoren nicht nur extrem effizient und energiesparsam arbeiten, sondern auch bei der Leistung gut mithalten können.
Doch wie sieht es bei Windows-Notebooks aus?
Aktuell gibt es mit dem Snapdragon X Elite nur einen ernstzunehmenden ARM-Prozessor für Windows. Diesen dafür in verschiedenen Ausbaustufen. Im Yoga Slim 7x G9 von Lenovo steckt ein Snapdragon X Elite X1E-78-100
-Prozessor. Dabei handelt es sich um das kleinste der vier Elite-Modelle, welches als einziges ohne Turbo-Boost auskommen muss.
Schauen wir doch mal, wie sich das kompakte Notebook mit OLED-Touchscreen so schlägt und ob es bei der Ausdauer mit dem MacBook Pro M4 mithalten kann.
Transparenzhinweis: Lenovo hat mir das Yoga Slim 7x G9 für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor dem Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Technische Daten
- CPU: Snapdragon X Elite X1E-78-100
- Grafik: Adreno X1
- RAM: 32-GB-LPDDR5 (verlötet)
- Display: 14,5-Zoll-OLED-Touchscreen mit einer Auflösung von 2944 x 1840 Pixeln bei 90 Hertz
- SSD: 1x 1 TByte PCIe 4.0 NVMe
- Konnektivität: WiFi 7, Bluetooth 5.4
- Audio: 4x Lautsprecher, 4x Mikrofone
- Akku: 70 Wh
- Abmessungen: 32.5 x 22,51 x 1,29 Zentimeter
- Gewicht: 1,29 kg , 0,33 kg Netzteil
So testen wir Laptops
Zum hier angewendeten Testverfahren gibt es einen eigenen Artikel: Testverfahren ausführlich erklärt: So testen wir die Notebooks auf GameStar Tech
. Eventuelle Abweichungen wie etwa bei einem Gerät mit integrierter Grafik (IGP) oder Apple Laptops werden im Artikel erklärt.
Preis und Verfügbarkeit
Das Lenovo Yoga Slim 7x G9 ist in der getesteten Konfiguration für 1.499 Euro im Handel erhältlich.
Design
Das Slim 7x besitzt ein hochwertiges Gehäuse aus Alu, das sehr gut verarbeitet ist. Weil es lediglich 1,29 Zentimeter dick ist, wirkt es schon fast schon zerbrechlich. Der Eindruck täuscht aber zum Glück.
Das Gehäuse ist stabil gebaut und gibt an empfindlichen Punkten wie der Handballenauflage auch bei starkem Druck nur minimal nach. Da das Chassis sehr dünn ist, lässt es sich mit etwas Kraft leicht verwinden. Problematisch ist das allerdings nicht.
Sehr schön finde ich, dass das Chassis an der Front und an den Seiten abgerundet ist. Durch diesen Designkniff wirkt die Base-Unit noch ein wenig dünner. Ausgesprochen gut gefällt mir die Farbe Cosmic Blue
, die sich von den meist silbernen und schwarzen Laptop-Gehäusen abhebt.
Leider sieht man auf dem matten Blau sehr schnell Fingerabdrücke. Besitzer eines Lenovo Slim 7x sollten daher immer ein weiches Reinigungstuch mitführen, ansonsten sieht das schicke Notebook schnell unansehnlich aus.
Die Base-Unit des Gehäuses ist so dünn, dass kein USB-Typ-A-Port Platz gefunden hat, stattdessen verbaut Lenovo drei USB-C-Anschlüsse, die über USB4 angebunden sind. Geladen wird der Laptop ebenfalls über USB-C – es bleiben also noch zwei USB-Ports verfügbar, wenn ihr den Laptop am Stromnetz hängen habt.
Das war es auch schon hinsichtlich der Anschlussausstattung. Ebenfalls an der Seite befinden sich die Power-Taste und ein Schiebeschalter, mit dem ihr die Webcam ein- und ausschalten könnt.
Eingabegeräte
Die Tastatur des Slim 7x ist äußerst angenehm. Sie besitzt für ein so dünnes Gerät einen erstaunlich langen Hubweg. Dazu kommt ein klar definierter Druckpunkt. Selbst längere Schreib-Sitzungen gehen angenehm von der Hand.
Das Keyboard ist damit uneingeschränkt auch für professionelle Anwender zu empfehlen. Schön ist auch, dass die Tastatur selbst bei starkem Druck nur minimal nachgibt. Das sorgt in Kombination mit dem Alu-Gehäuse für einen wertigen Eindruck.
Das Touchpad ist mit 13,5 x 8,0 Zentimetern ausreichend groß, die Gleiteigenschaften sind in Ordnung. Eine etwas gleitfreundlicheren Oberfläche würde das Navigieren mit dem Pad allerdings noch geschmeidiger machen.
Auch der OLED-Touchscreen funktioniert einwandfrei. Alle Eingaben werden schnell und verzögerungsfrei umgesetzt.
Display
Lenovo verbaut im Slim 7x G9 einen OLED-Touchscreen (LEN145WQ+) aus eigener Fertigung. Das 90-Hertz-Panel hat eine Auflösung von 2944 x 1840 Pixeln, was in einer hohen Pixeldichte von 239 ppi resultiert.
Display-Helligkeit
Lenovo Yoga Slim 7x G9
- Bewertung
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Die Helligkeit wird vom Hersteller mit 500 cd/m² (1.000 cd/m² im Peak bei HDR) angegeben. Gemessen habe ich 424 cd/m², damit bleibt das Display 18 Prozent dunkler als in den technischen Daten versprochen wird.
Die Displayoberfläche spiegelt stark.
Im Freien oder in hellen Umgebungen reicht die ermittelte Helligkeit des OLED-Panels nicht mehr ganz aus, um die Reflexionen zu überstrahlen. Vor das Panel setzt Lenovo zum Schutz noch eine Scheibe aus Glas, die zu den relativ starken Spiegelungen beiträgt. Subjektiv betrachtet gefällt der OLED-Touchscreen mit einer ausreichenden Helligkeit und einer lebhaften Farbdarstellung. Der Kontrast ist OLED-typisch perfekt.
Innenraum
Im Inneren des Lenovo Yoga Slim 7x G9 sieht es ein wenig anders aus als in den meisten anderen Laptops. Links oben befinden sich zwei Lüfter direkt nebeneinander, während der Prozessor mehr nach rechts verschoben wurde.
Zwei Heatpipes führen die Abwärme von der CPU zum Kühlkörper. Abgesehen von der SSD kann nichts ausgetauscht oder aufgerüstet werden – der RAM ist auf der Hauptplatine verlötet. Bei so flachen Geräten ist verlöteter Arbeitsspeicher nichts ungewöhnliches, es ist aber natürlich schade, dass ein späteres Aufrüsten nicht möglich ist.
Performance
Leider laufen nicht alle Benchmarks wie gewohnt unter Windows on ARM
. Beim PC Mark 10 läuft etwa nur ein Einzeltest, die anderen werden als inkompatibel gekennzeichnet.
Der Geekbench funktioniert dagegen einwandfrei. Hier positioniert sich der Snapdragon X1E-78-100 mit 12 Kernen zwischen dem älteren AMD Ryzen 7 6800H (8 Kerne) und dem aktuellen Intel Core Ultra 288V (8 Kerne)
Geekbench CPU
- Geekbench Punkte
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- 2200
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- 6600
- 8800
- 11000
Auch der 3DMark-Time-Spy-Test läuft problemlos durch, die meisten Einzeltests werden jedoch emuliert. Dennoch rückt der X1 dem Ultra 288V zumindest im CPU-Benchmark sehr dicht auf die Pelle, der Gesamt-Score bleibt aufgrund des Grafikwerts mit 1.889 Punkten allerdings überschaubar.
Einer der wenigen Benchmarks der 3DMark-Suite, die vollständig ARM kompatibel ist, ist der Solar-Bay-Test. Hier erreicht das Yoga Slim 7x G9 10.465 Punkte. Ein Vergleich ist an dieser Stelle leider nicht möglich, da wir in unseren Tests ansonsten nur auf den beliebten Time-Spy-Test zurückgreifen.
Cinebench 2024
- Cinebench 2024 Punkte
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- 308
- 462
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Der Cinebench 2024 ist dagegen auch in einer für ARM optimierten Version erhältlich. Hier schlägt sich die ARM-CPU und liegt im Single-Core zwischen AMD Ryzen 7 6800H und Intel Core Ultra 288V. Im Multi-Core-Benchmark werden die beiden Vergleichs-CPUs dagegen zum Teil deutlich geschlagen.
Spiele-Benchmarks
Native ARM-Spiele muss man für Windows mit der Lupe suchen, in der Regel werden die Spiele vom Windows eigenen Emulator Prism
ausgeführt. Das kostet natürlich im Vergleich zu einem nativ ausgeführten Spiel einiges an Leistung.
Apple hat das beim M4 wirklich ziemlich gut hinbekommen. Schauen wir uns nun an, wie das so unter Windows funktioniert.
Im emulierten Cyberpunk 2077 erreicht der Lenovo-Laptop lediglich in HD-Auflösung und mit mittleren Details halbwegs spielbare 29 FPS. Assassins Creed Valhalla stürzt beim Start ständig ab und konnte daher nicht getestet werden.
Cyberpunk 2077 (emuliert)
Lenovo Yoga Slim 7x G9
- Bewertung
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- 6,00
- 12,00
- 18,00
- 24,00
- 30,00
Dafür habe ich mal The Witcher 3 wieder ausgegraben. Es gehört zu den Spielen, die Windows Auto SR unterstützen. Dabei handelt es sich um Microsofts Upscaling-Technologie, die quasi ein Äquivalent zu Nvidias DLSS, Intels XeSS oder AMDs FSR darstellt. Aktuell ist Auto SR noch exklusiv auf Windows on ARM zu finden.
Auto SR wird von Windows bei kompatiblen Spielen automatisch aktiviert. Die Auflösung betrug 1280 x 768 Pixel und konnte im Spiel nicht verändert werden. Die Details wurden auf Maximum gestellt.
Mit diesen Einstellungen lief das Spiel mit 33 bis 40 FPS. Damit ist The Witcher 3 zwar spielbar, es sieht in dieser Auflösung allerdings einfach gruselig verwaschen und pixelig aus. Zum Spielen ist das Lenovo Yoga Slim 7x G9 meiner Meinung nicht geeignet, daran ändert Microsofts Auto SR nichts.
Temperatur & Lautstärke
An den Temperaturen gibt es nichts auszusetzen, die CPU bleibt unter Volllast mit maximal 73,5 °C sehr kühl. Da bin ich aus dem x86-Lager eher Werte von über 90 °C gewohnt. Auch die Werte der SSD bewegen sich unter Last im absolut unkritischen Bereich. Hier kann die ARM-Architektur wirklich punkten.
Temperaturen
- Temperatur in °C
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- 16,0
- 32,0
- 48,0
- 64,0
- 80,0
Unkritisch sind auch die Oberflächentemperaturen, auch wenn die Tastatur links und in der Mitte deutlich wärmer wird als auf der linken Seite. Insgesamt sind die Oberflächentemperaturen gut, allerdings auch nicht besser als beim Asus S14 mit Intel-Prozessor.
Besonders gespannt war ich auf die Lautstärke. Hier hatte ich fest damit gerechnet, dass das Gerät nur unter Last den Lüfter anwirft. Dem ist leider nicht so.
Zwar bleibt der Lüfter beim Lenovo Slim 7x G9 im Idle erst einmal aus, hat man das Notebook aber mal auf Hochtouren gebracht, dreht der Ventilator noch sehr lange nach. Heißt: Er fährt zwar merklich runter, geht aber nicht mehr aus.
Lautstärke
Lenovo Yoga Slim 7x G9
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- 10,0
- 20,0
- 30,0
- 40,0
- 50,0
Der Vergleich des Lenovo-Laptops mit dem S14 von Asus zeigt: Das Gerät mit ARM-CPU ist tatsächlich lauter als das Modell mit dem alten x86-Prozessor. Das hat mich überrascht.
Akkulaufzeit
Der große Vorteil der ARM-Architektur ist die Effizienz, dementsprechend darf man bei einem Laptop, der mit einer entsprechenden CPU ausgestattet ist, auch von einer langen Laufzeit ausgehen.
Akkulaufzeit
Lenovo Yoga Slim 7x G9
- Bewertung
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- 480
- 720
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- 1200
Das ist auch beim Yoga Slim 7x G9 der Fall. Leider laufen unter Windows on ARM die Akku-Tests des PC Mark nicht; ich konnte die Laufzeit daher lediglich mit dem Battery-Eater-Test messen. Hier erreicht der kleine Laptop mit seinem 70-Wh-Akku gute 18 Stunden.
Allerdings kommt das nahezu gleich große Asus S14 mit x86-Prozessor und 72-Wh-Akku auf eine um 30 Minuten höhere Laufzeit. Auch wenn ich jetzt klinge wie eine Schallplatte – auch das hätte ich nicht erwartet.
Solltet ihr euch das Lenovo Yoga Slim 7x G9 kaufen?
Das Lenovo Yoga Slim 7x G9 ist das richtige Notebook für euch, wenn ihr …
- ... einen hochwertig verarbeiteten Laptop mit schönem Design sucht.
- ... eine Schwäche für kontrastreiche OLED-Bildschirme habt.
- ... ihr unbedingt mal einen Laptop mit Windows on ARM ausprobieren wollt.
Mögliche Alternativen
Apple MacBook Air: Kompakt, super flach und mit einer starken Ausdauer, ist das MacBook Air eine ideale Alternative zu Windows on ARM Laptops. Während bei den Windows-Geräten softwareseitig vieles noch unausgereift ist, ist man in Cupertino schon zwei Schritte weiter.
Hier greifen Software und Hardware perfekt ineinander. Die günstigste Version mit älterem M3-Prozessor gibt es bereits für rund 950 Euro, für die aktuelle M4-Version müsst ihr dagegen mindestens 1.099 Euro bezahlen.
Asus Vivo Book S15: Das Vivo Book von Asus kommt mit einem großen 15,6-Zoll-OLED-Screen und hat unter der Haube die gleiche ARM-CPU wie das Lenovo Yoga Slim 7x G9. Allerdings ist es bereits ab 899 Euro erhältlich, bietet aber auch nur 16-GB-RAM.
Asus ZenBook S14: Das S14 hatte ich bereits im Test, es kommt mit klassischer x86-CPU, bietet aber trotzdem eine gute Akkulaufzeit. Ebenfalls mit dabei sind ein hochwertiger OLED-Touchscreen und 32-GB-RAM. Das Asus S14 ist ab 1.499 Euro zu haben.
Fazit zum Lenovo Yoga Slim 7x G9
Ich hatte mich sehr auf das Lenovo Yoga Slim 7x G9 gefreut. Jetzt, nach dem Test, macht sich bei mir Ernüchterung breit. Das liegt nicht mal daran, dass das Slim 7x G9 ein schlechtes Gerät wäre.
Die Verarbeitung ist super, das Display und die Eingabegeräte ebenfalls, viel besser kann man das fast nicht machen.
Was mich aber wirklich umtreibt: Das Gerät kann so gut wie nichts von dem liefern, was ich von einem ARM-Notebook erwarte.
Eigentlich hatte ich mit einer ewig langen Akkulaufzeit und einem meist geräuschlosen Betrieb gerechnet. Die Laufzeit ist zwar gut, aber eben auch kein Stück besser als bei einem Asus S14, das noch eine alte
x86-CPU hat. Bei der Lautstärke ist das Asus-Gerät sogar leiser.
3:19
Lenovo zeigt Laptop-Prototyp, der von der Sonne angetrieben wird
Irgendwie scheint das Zusammenspiel zwischen Hard- und Software noch nicht zu harmonieren. Windows on ARM überzeugt mich zum aktuellen Zeitpunkt jedenfalls nicht.
Im Allgemeinen läuft das OS stabil und unauffällig, es gibt aber dann doch immer mal wieder Programme, die einfach abstürzen.
Das war etwa während des Tests bei Assassin's Creed Valhalla der Fall. Oder Anwendungen, die nicht nativ laufen, sondern emuliert werden müssen, was natürlich Leistung kostet. Auch hier scheint mir Apple ein gutes Stück voraus zu sein.
Im Test habe ich das Lenovo Notebook mit dem Asus ZenBook S14 verglichen. Beide Geräte sind von Größe und Ausstattung ähnlich. Das trifft selbst auf den Preis zu, beide sind ab 1.499 Euro erhältlich.
Zum aktuellen Zeitpunkt sehe ich eigentlich keinen Grund zu einem Windows-Laptop mit ARM-CPU zu greifen, da es zumindest auf dem Lenovo Yoga Slim 7x G9 keine Vorteile, aber dafür einige Nachteile gibt. Schade, ich hatte eigentlich mehr erwartet.


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