Was taucht vor eurem inneren Auge auf, wenn ihr »90er« hört? Bei mir sind es Röhrenfernseher, Latzhosen, Plastikspielzeug in schmerzhaft grellen Farben und der Geschmack von künstlichem Bananenaroma. Alles halb verschüttete Kindheitserinnerungen, die gerade wieder aufploppen, weil ich Lost Records: Bloom & Rage anspielen konnte.
Das neue Spiel der Life-is-Strange-Macher soll aber noch viel mehr werden als ein wohliger Nostalgie-Ausflug. Wie auch im indirekten Vorgänger geht hier nicht alles mit rechten Dingen zu – und ich fürchte, mein ganz persönlicher Alptraum könnte wahr werden.
Was ist Lost Records: Bloom & Rage?
Dass es seine DNA mit Life is Strange teilt, versteckt das Spiel gar nicht groß: Die Grafik ist zwar deutlich moderner – Lippen bewegen sich jetzt wie bei echten Menschen! -, aber immer noch malerisch und mit zum Weinen schöner Beleuchtung. Statt Teenagerin Max steuert man diesmal Teenagerin Swann, statt dem Fotoapparat hat sie eine Videokamera zur Hand.
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Lost Records: Bloom & Rage - Neues Spiel der Life-is-Strange-Macher mit viel 90er-Nostalgie
Swann trifft sehr bald eine Gruppe gleichaltriger Mädchen und freundet sich mit ihnen an. Zu viert gründen sie eine Band (ja, das hat man früher wirklich einfach so gemacht) und nennen sie … Bloom & Rage.
Beim Anspielen fühlt sich das Gameplay sehr vertraut an, wenn auch aufpoliert. Immer noch besteht das Spiel vor allem aus Erkundung, bei der man zum Beispiel alle möglichen Gegenstände in Swanns wunderbar chaotischen Schlafzimmer inspiziert. Die Items lassen sich nun in alle Richtungen drehen und geben passende Geräusche von sich – Papier raschelt, Lampen summen, Plastik klackert. Klasse, solche Details saugen mich direkt komplett in die Szene!
Wann immer ich will, kann ich die Kamera zücken und filmen, was gerade passiert. Die Abschnitte kann ich dann selber neu anordnen und editieren. Eins der zentralen Features des Spiels, das ich bisher ganz interessant finde. Allerdings kann ich nicht einschätzen, ob es irgendwann nervig wird, bestimmte Dinge aufnehmen zu müssen.
Gute Gespräche und verpasste Momente
Natürlich gehören zu einem Don't-Nod-Spiel auch viele, viele Dialoge, mit denen ich bestimme, wie meine Beziehungen verlaufen. Tut Swann ganz cool oder antwortet sie schüchtern? Mit welchem der Mädels verbringt sie am liebsten Zeit? Diesmal läuft gelegentlich ein Timer ab, ich kann also auch einfach schweigen. Ab und zu muss ich mich erst umsehen, um bestimmte Antworten freizuschalten.
Was nicht überall auf Liebe stoßen wird: Die Dialoge geraten teils absichtlich durcheinander, mehrere Personen reden zeitgleich, wir unterbrechen mit unserer Antwort vielleicht jemanden. Das fühlt sich sehr realistisch an, könnte aber durchaus auch stressen, wenn man dadurch etwas überhört.
Bisher blieb Swann recht blass im Gegensatz zu den drei anderen Hauptcharakteren. Das könnte daran liegen, dass sie als sehr schüchtern beschrieben wird, vielleicht taut sie später noch mehr auf. Aber momentan kommt es mir noch so vor, als würde ich ausgerechnet in die Haut der uninteressantesten Figur gesteckt werden. Mal schauen, ob das im fertigen Spiel anders ist.
In der Demo waren nur dreieinhalb kleine Abschnitte enthalten: besagtes Schlafzimmer, eine Bandprobe in einer Garage und ein Ausflug in den sommerlichen Wald. Dazu kamen ganz kurze Szenen in der Gegenwart, denn die Story wechselt zwischen den Jahren 1995 und 2022. Viele Sequenzen waren gekürzt, wohl damit noch nichts von der eigentlichen Geschichte durchsickert. Die macht mir aber jetzt schon Angst.
Irgendwas lauert auf mich
Was genau in diesem Sommer 1995 passiert ist, warum sich die Band aufgelöst hat und die vier Freundinnen jahrzehntelang keinen Kontakt mehr zueinander hatten, ist bisher unbekannt. Wer Life is Strange oder auch Tell Me Why gespielt hat weiß: Entwickler Don't Nod schreckt nicht vor wirklich dunklen und verstörenden Geschichten zurück.
Bisher waren in Lost Records: Bloom & Rage keine übernatürlichen Kräfte zu sehen, aber ich vermute ganz stark, dass es hier nicht komplett mit rechten Dingen zugeht. Meine persönliche Theorie habe ich euch hinter einer Spoilerwarnung versteckt, falls ihr völlig unvoreingenommen herangehen wollt.
Warnung: der folgende Absatz enthält (vielleicht) Spoiler
Spoiler anzeigen
In der kurzen Demo wurde gleich zweimal der Wendigo erwähnt, ein Monster aus den Sagen nordamerikanischer Ureinwohner. Er wird oft als Humanoid mit Hirschgeweih und langen Klauen dargestellt. Wendigos waren früher Menschen, wurden durch Kannibalismus aber zu bösartigen Geistern. Ich kann mir vorstellen, dass Lost Records irgendeine Interpretation davon enthält – sonst wäre zumindest seltsam, dass die Kreatur direkt am Anfang prominent erscheint.
Wendigos sind für mich die gruseligsten Monster überhaupt. Egal in welchem Medium – mich bringt schon die uralte Supernatural-Folge ins Schwitzen. Geschweige denn Until Dawn! Deshalb hofft ein Teil von mir, dass ich komplett daneben liege … wir werden sehen.
Lost Records: Bloom & Rage kommt in zwei Teilen raus – ich hoffe, dass jeder davon dann länger ist als ein Kapitel aus Life is Strange, sonst würde das Spiel arg kurz geraten. Teil 1 erscheint am 18. Februar 2025, Teil 2 am 18. März 2025 für PC, PS5 und Xbox X/S.
Wer sich für das passende Ambiente noch eine Lava-Lampe oder blinkende Quietsch-Turnschuhe anschaffen will – ihr habt noch ein bisschen Zeit, um in den Kisten im Keller zu wühlen! Haltet euch dabei nur fern von den Russ-Trollen mit ihren Neon-Haaren. Die werden nachts lebendig und streuen euch das ganze Zimmer mit Glitzer voll.
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