Mit der Wahl des Mainboards treffen wir schon vor dem Zusammenbau des neuen PCs einige wichtige Entscheidungen für das spätere Ergebnis: Das Board bestimmt die Plattform und Prozessorhersteller, aber auch weitere Upgrade-Möglichkeiten, Stabilität und Flexibilität.
Entsprechend gibt es unzählige Ausstattungsvarianten auf dem Markt, die sich preislich in einer großen Bandbreite von unter 100 Euro bis über 600 Euro äußern. FOMO
(Fear Of Missing Out) kann da heftig zuschlagen und den Kauf eines vielleicht überdimensionierten Mainboards auslösen.
Auf der anderen Seite kann übergroße Sparsamkeit dafür sorgen, dass spätere Upgrades kaum noch möglich sind oder unter hoher Last seltsame Leistungsprobleme auftreten.
Doch wo liegt der perfekte Mittelweg und gibt es den überhaupt? Wir klären auf.
Was macht das Mainboard eigentlich genau?
In eine Hauptplatine werden Prozessor, RAM, SSD und Erweiterungskarten eingesteckt. Allerdings muss das Mainboard noch deutlich mehr leisten, als nur Chips aufzunehmen und anschließend im PC-Case vor sich hinzublinken.
Auf dem Mainboard laufen all diese genannten Komponenten zusammen, als Zentrale dient aber der Prozessor. Außerdem sorgt das Board dafür, dass der PC überhaupt erst booten kann, im BIOS/UEFI finden sich auch viele wichtige Einstellungen für die integrierten Komponenten.
Eine weitere Komponente ist der Chipsatz, der auch die Anschlussvielfalt bestimmt. Wobei es nur ein Chip ist, weitere Bestandteile, die einst den Begriff Chipsatz sinnvoll machten, sind in die CPU gewandert.
Bei besonders günstigen Mainboards gibt es nicht einmal mehr den Mainboard-Steuerchip, da wird gleich auf die begrenzten CPU-Möglichkeiten gesetzt.
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Wofür ihr bei teuren Mainboards wirklich bezahlt
Auch wenn die Basisfunktionen immer identisch sind, gibt es darüber hinaus teils große Unterschiede, beispielsweise bei:
- Qualität
- Ausstattung
- Komfortfunktionen
Dazu bieten AMD und Intel als Chipsatzhersteller unterschiedliche Variationen ihrer Mainboardkontrollchips an, die in verschiedenen Typen von Hauptplatinen münden.
AMD-Chipsätze für den aktuellen Sockel AM5:
- A620 für sehr einfache Office-Systeme
- B650(E) und B850 für die Mittelklasse
- X670(E) sowie X870(E) für Highend-Platinen mit besserer Ausstattung bei USB und PCIe-Schnittstellen sowie mehr OC-Möglichkeiten
Intel-Chipsätze für den aktuellen Sockel 1700:
- B660 und B760 für einfachere Systeme
- B670 und B770 für gehobene Ausstattung
- Z690 und Z790 für Highend-Systeme
Hier gilt wie bei AMD: Die erste Ziffer gibt die Generation des Chipsatzes an, die zweite steht für die Leistungsklasse, die dritte ist nur da, weil dreistellige Bezeichnungen besser aussehen.
Mainboard-Unterschiede #1: Qualität der Komponenten
Einfache Boards aus der Preisklasse bis ca. 150 Euro bieten oft nur eine für CPUs mit eher geringer Leistungsaufnahme ausgelegte Spannungsversorgung. Davon merkt ihr nicht zwingend sofort etwas, wenn der Prozessor beispielsweise ebenfalls eher zur Einstiegsklasse gehört.
Steckt ihr später einen Highend-Prozessor als Upgrade in den Sockel, kann das die Spannungsversorgung überfordern. Das Resultat kann von geringerer Leistung bis hin zu Abstürzen reichen.
Besser ausgestattete Platinen bieten hochwertigere Spannungswandler, mehr Phasen für die Spannungsversorgung und auch eine bessere Kühlung für diese hitzköpfigen Bauteile.
Hier liegt auch einer der primären Gründe für teure Luxus-Mainboards: Diese kommen meist mit sehr hochwertigen und langlebigen Spannungswandlern, die auch mit extremem Overclocking klarkommen. Doch für die Alltags-Performance ist dieses Overclocking nicht wirklich wichtig.
Mainboard-Unterschiede #2: Ausstattung
Bei der Ausstattung solltet ihr vor dem Kauf schauen, was ihr an Onboard-Komponenten benötigt. Nicht jeder braucht WLAN auf der Hauptplatine, gleiches gilt für 10 Gigabit-LAN oder besonders hochwertigen Onboard-Sound. Nutzt ihr eh ein USB-Headset, sitzt der Soundchip im Kopfhörer.
Vor allem bei den verfügbaren Steckplätzen gibt es Unterschiede: Günstige Platinen haben oft nur zwei Slots für Arbeitsspeicher, was späteres Aufrüsten erschwert.
Auch die PCIe-Steckplätze sind bei teureren Platinen weniger knapp. Neben dem obligatorischen 16x-Steckplatz für Grafikkarten gibt es dann oft noch einen zweiten 16x-Slot, auch wenn der meist nur mit 8 PCIe-Datenbahnen angebunden ist.
Dazu kommt eine gewisse Menge PCIe 1x und 4x für Erweiterungs- und Capture-Karten. Benötigt ihr nicht? Dann könnt ihr sparen.
Auch bei den USB-Anschlüssen sind die Unterschiede reichlich. Einstiegs-Platinen sind da eher zweckmäßig ausgestattet und bieten oft nicht einmal USB-C. Die Typ-A-Anschlüsse sind nicht selten eher langsam angebunden, 10 Gigabit pro Sekunde sind schon die Ausnahme. Ab der preislichen Mittelklasse wird USB reichhaltiger und schneller.
Die flotteste Ausbaustufe in Form von USB 4 erfordert aufwändigere Platinendesigns und robustere Leitungswege, ein wenig eurer Mainboardinvestition landet also unter Umständen dort.
Und auch die Audioqualität kann einen Unterschied machen. Günstigere Boards setzen öfter auf ältere Soundchips, weniger gut geschirmte Audiokomponenten, mitunter nur Stereosound. Bei teureren kommen hochwertige Audiochips, gelegentlich auch mit Kopfhörerverstärker, zum Einsatz. Nutzt ihr eh eine USB-Soundlösung, muss euch das aber weniger interessieren.
Wichtiger für euch ist eher die Gesamtmenge an PCIe-Lanes, was sich auch auf die Bestückung mit M.2-SSDs auswirkt. PCIe Gen5 für eine oder mehrere SSDs findet sich meist erst ab der Mittelklasse. Mehr als zwei M.2-Steckplätze finden sich eher in der preislichen Oberklasse.
Mainboard-Unterschiede #3: Komfortfunktionen
Was für euch Komfort oder gar Luxus ist, bleibt weiterhin subjektiv.
Und auf den Einsatzzweck kommt es ebenfalls an: Nutzt ihr den PC nur für Office, braucht ihr keine OC-Fähigkeiten, keinen Highend-Soundchip und wohl auch nur selten eine große Menge an SSD-Steckplätzen für extrem schnelle Gen5-Laufwerke.
Für Spieler sind hingegen Einstellungen für hohe RAM-Geschwindigkeiten, viele Steckplatzoptionen und hochwertige Spannungswandler oft kein Luxus, sondern Basis-Features.
Es gibt aber Funktionen, die sich eher in teureren Boards finden, von denen alle profitieren können. Mehrere BIOS-Chips beispielsweise, um bei Fehleinstellungen problemlos umschalten zu können. Displays oder wenigstens LED-Anzeigen für die Fehlersuche sind ebenfalls praktisch.
Fazit: Wie so oft liegt das subjektiv beste Mainboard in der Mitte
Beim Kauf eines Mainboards als Basis für euren neuen Gaming-PC kommt es darauf, dass ihr mit den gebotenen Features glücklich seid.
Wenn es für euch ein spezielles Killerfeature gibt, dann kann sich in diesem Fall sogar der Kauf eines teuren Luxus-Mainboards lohnen.
Das kommt aber eher selten vor, wenn ihr nicht umfangreiche Overclocking-Studien plant oder sehr seltene Sonderwünsche habt.
Bei der Menge der verfügbaren SSD-Anschlüsse beispielsweise heben sich viele teurere Boards von der Masse ab - aber vielleicht ist es ja alternativ möglich, mit zwei großen statt vier kleineren SSDs auszukommen.
Zu weit nach unten würden wir den idealen Preispunkt für die Masse der Mainboardkäufer aber auch nicht ansetzen. Einsteiger-Boards verfügen meistens über eine deutlich schlechtere Ausstattung mit nur zwei RAM-Slots, nur einem M.2-Slot für eine SSD (der dann oft auch nur langsam angebunden ist) und weniger sowie langsamere und ältere USB-Anschlüsse.
Auf die Größe des Boards kommt es dabei nur sekundär an, es gibt Mini-ITX-Platinen für winzige PCs, die hochwertigere und modernere Komponenten bieten als extragünstige, aber im vollen ATX-Format gebaute Office-Mainboards.
Wie viel ihr für euer Mainboard zahlen solltet, kommt also auf euch an. Zu den Platinen mit preislichen Spitzen nach oben oder unten raten wir pauschal aber eher nicht, eine solide Mittelklasse im Preisbereich zwischen 150 und 250 Euro reicht in den meisten Fällen vollkommen aus.
Macht euch vor dem Kauf eine List mit Wunschfeatures und welchen, auf die ihr nicht verzichten könnt und schon setzt ihr viel Sparpotential frei, ohne Verzicht üben zu müssen.
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