Auszug aus dem Redaktions-Chat zur Wertungsfindung von Mario Kart World:
Ist eine knifflige Nummer ehrlich gesagt.
Verstehe die Kritikpunkte, aber für mich gibt's auch Fortschritte.
Bin wesentlich positiver gestimmt.
Für mich als Langzeit-Fan in vielerlei Hinsicht ein Rückschritt.
Ihr merkt: Mario Kart World spaltet die Gemüter! Die einen loben die Neuerungen auf der Strecke, die anderen stören sich an den vielen Ecken und Kanten, die Nintendo (noch) nicht abgeschliffen hat. Am Ende haben wir im Team einen Kompromiss gefunden, den wir euch jetzt im Detail aufdröseln.
Schau an, die Open World taugt ja doch was!
In unserer letzten Preview waren wir noch skeptisch, bezeichneten die neue Open World als Sorgenkind
. Jetzt geben wir Entwarnung: Die weitläufige Spielwelt belohnt unsere Erkundung mit teils atemberaubenden Panoramen, freischaltbaren Charakter-Skins und sorgt dank haufenweiser Missionen mit tollen Ideen für feinste Unterhaltung.
9:24
Mario Kart World fährt im Test-Video im Windschatten von Teil 8
Zwar lautet die Kernaufgabe der Missionen fast immer Sammle acht blaue Münzen
und Erreiche Punkt X in Zeitlimit Y
, das Wie?
bringt aber Würze rein. Mal müsst ihr riesigen Gumbas ausweichen, mal waghalsige Stunts über einem Wasserfall ausführen oder eine Ski-Piste mit Karacho runterbrettern. Schnell schaltet euer Hirn auf Entspannung um und ihr grast Missionen ab, während ihr die wunderhübsch in Szene gesetzte Spielwelt genießt.
Hier mal ein paar Beispiele in Videoform:
3:20
Mario Kart World: Die spaßigen Missionen im Gameplay-Video
Die jederzeit aufrufbare Weltkarte geizt allerdings mit Informationen darüber, wie viele Missionen ihr bereits entdeckt habt und wie viele noch fehlen. Auch eigene Markierungen lassen sich nicht platzieren. Das sind verschenkte Punkte beim Komfort und Nintendo sollte diese Features unbedingt noch nachliefern.
Trotz der spaßigen Missionen bleibt es dabei: Die Open World dient primär dazu, die unterschiedlichen Rennstrecken miteinander zu verbinden. Das wir sie auf Wunsch frei befahren können, ist ein unterhaltsamer Bonus, mehr aber auch nicht. In Anbetracht dessen sind wir vom Ergebnis durchaus angetan.
Der Grand-Prix wird zum Gähn-Prix
Weniger angetan sind wir vom Herzstück eines jeden Mario Kart: dem Grand-Prix-Modus. Denn eine seltsame Design-Entscheidung seitens Nintendo lässt den Klassiker in Mario Kart World straucheln.
Im ersten von vier Rennen fahrt ihr noch wie gewohnt drei Runden lang im Kreis über die Rennstrecke. Im Anschluss startet dann schon sofort das nächste Rennen über eine abgegrenzte Route durch die Open World bis zur nächsten Strecke. Die Hinfahrt stellt bereits zwei von drei Runden des Rennens dar, oft fahrt ihr auf breiten Straßen nur geradeaus.
Auf der eigentlichen Strecke angekommen, erwartet euch dann nur noch ein einziger Umlauf, ehe bereits wieder abgewunken wird. Dadurch gestaltet es sich deutlich schwieriger, das Layout der neuen und oft bildhübschen Kurse zu verinnerlichen und zu genießen. Wir hätten es besser gefunden, wenn auf jeder Strecke die vollen drei Runden gefahren werden und die Etappen dazwischen bloß der Auflockerung dienen.
Einerseits sollte es für Nintendo ein Leichtes sein, hier noch nachzubessern. Andererseits wirkt es umso unverständlicher, dass ihr bis auf die serientypische Wahl der CCM-Klasse keinerlei Einfluss auf den Grand-Prix-Verlauf nehmen könnt. Die neue Open World bietet in der Theorie so viele Freiheiten, weshalb sich Nintendos Options-Einschränkungen umso unnötiger anfühlen.
Das Aufgebot an neuen und wiederkehrenden Strecken ist übrigens das Beste, mit dem ein Mario Kart jemals an den Start gegangen ist. Umso bedauerlicher, dass wir sie nicht nach Lust und Laune aneinanderreihen und ausgiebig befahren könnten.
Stichwort Fahren
: Das Fahrgefühl und -verhalten gleicht dem von Mario Kart 8 wie ein Yoshi-Ei dem anderen. Kein Wunder, schließlich hat Nintendo diesen Aspekt im achten Teil bereits perfektioniert. Leichte und schwere Karts oder Motorräder wirken sich demnach auch im neuen Spiel spürbar auf Dinge wie Kurvenlage, Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit aus.
Die Fahrzeuge kleben allerdings etwas weniger auf der Strecke, was insbesondere die Gewichtsverlagerung in Kurven etwas dynamischer wirken lässt.
Unterm Strich müssen wir dennoch festhalten: Der Grand-Prix-Modus als bisheriges Herzstück der Reihe hat sehr an Glanz eingebüßt. Glücklicherweise gibt es einen anderen Modus, der den freigewordenen Thron besteigt.
Der coolste Modus seit Double Dash
Die Rede ist von der Knockout-Tour, kurz K.O.-Tour. Der Name ist Programm: Ihr liefert euch ein rund zehn Minuten langes Rennen quer durch die Open World, aufgeteilt in sechs Etappen. Am Ende jeder Etappe wartet ein Checkpoint, der die zu diesem Zeitpunkt letzten vier Fahrer im Feld aus dem Rennen nimmt. Wer am Ende übrig bleibt, gewinnt - das aus Shootern bekannte Battle-Royale-Prinzip.
Durch das drohende vorzeitige Ausscheiden pulsiert von Sekunde eins an das Adrenalin in euren Adern. Vor allem im Multiplayer gegen echte Fahrer aus der ganzen Welt ist das Spektakel eine zum Schreien komische (oder frustrierende), chaotische Gaudi, die ihresgleichen sucht. Seit dem Koop-Modus von Mario Kart: Double Dash! hatten wir nicht mehr so viel Spaß mit Nintendos Spaßraser.
Hier fährt Sören gemeinsam mit seiner Frau eine K.O.-Tour, das Ende hat es in sich!
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Mario Kart World: Sören fährt mit seiner Frau eine Runde Knockout-Tour und das Finale hat es in sich
Die KI wird zur Spaßbremse
Ein echter Stimmungskiller hingegen ist die KI, genauer gesagt das aggressive Rubberbanding. Dieser Begriff bezeichnet das konstante Beschleunigen oder Verlangsamen der KI-Fahrer, um für künstliche Spannung in den Rennen zu sorgen. Rubberbanding gehört bereits seit dem ersten Teil auf dem SNES zu Mario Kart, daran stören wir uns nicht.
Das Problem ist das Ausmaß in Mario Kart World. Nie zuvor hatten wir so sehr das Gefühl, dass unsere Platzierung am Ende reine Glücksache ist. Skill bringt kaum noch etwas, ganz im Gegenteil: Wer absichtlich schlecht fährt, bekommt in der letzten Runde das pure Item-Glück in den Allerwertesten geblasen und gelangt so oft noch zum Sieg.
Vor allem Offline-Rennen gegen die KI sind durch das Rubberbanding eine oft frustrierende Angelegenheit. Ständig klebt uns ein KI-Kontrahent am Hintern, egal wie gut und fehlerfrei wir fahren. Andersherum haben wir oft keine Chance, den vor uns liegenden Boliden einzuholen, da er immer einen Ticken schneller zu sein scheint als wir.
Im Online-Mehrspieler machen die Rennen viel mehr Spaß, da hier keine KI-Autos mitfahren. Stattdessen können wir mit unserem Fahrkönnen wieder mehr ausrichten und nur noch das berühmt-berüchtigte Item-Glück von Mario Kart kann uns einen Strich durch die Rechnung machen. Auch das auf 24 Charaktere verdoppelte Fahrerfeld kommt hier viel besser zur Geltung, weil ihr euch im Solomodus eigentlich immer nur um die Spitzenpositionen prügelt.
Licht und Schatten beim Online-Modus
Der Multiplayer ist eine prima Gelegenheit für uns, das neue GameChat-Feature der Nintendo Switch 2 auszuprobieren. Und wir sind hin und weg! Ein Knopfdruck reicht und schon quatschen wir mit unseren Kumpels, das Spiel läuft reibungslos weiter und sogar aus vier Metern Entfernung zur Konsole sind wir noch prima zu hören.
Wer mit seinen Freunden online in einer Lobby zusammenspielen möchte, muss sich aber zunächst umständlich durch die Menüs im Hauptmenü wühlen, die Profilkarte eines Freundes anwählen, auf Mitspielen
drücken und dann … Geduld aufbringen. Wenn noch kein Platz in der Lobby ist, seid ihr nämlich zum Zuschauen verdammt.
Seid ihr endlich mal im Online-Spiel drin, begeistert Mario Kart World aber wie kaum einer seiner Vorgänger. Stunde um Stunde heizt ihr über Asphalt, Sand, Gras, Matsch und Schnee, schmeißt euch gegenseitig die Items um die Ohren und wollt nur noch ein Rennen
fahren, bis es plötzlich draußen bereits dunkel (oder schon wieder hell) ist.
Zurück ins letzte Jahrtausend
Nintendo setzt bei der Server-Verbindung weiterhin auf die veraltete Peer-to-Peer-Technologie (P2P). Alle Spieler tauschen Daten direkt untereinander aus, eine Konsole fungiert als Host. Das Problem an dieser Methode: Hat auch nur ein Spieler eine schlechte Internetverbindung, leiden alle darunter. Plötzlich teleportieren sich Fahrzeuge hin und her, die Kollisionsabfrage funktioniert nicht und klare Treffer mit Panzern oder anderen Items werden nicht als solche erkannt.
Schade, dass sich Nintendo wieder einmal nicht für dedizierte Server entschieden hat. Die Einnahmen des kostenpflichtigen Online-Abos sollten das hergeben.
Ein gutes Fundament mit reichlich Luft nach oben
Mario Kart World bringt viel frischen Wind in die zuletzt etwas stagnierende Reihe. Nintendo liefert nicht einfach nur ein Mario Kart 9
von der Stange ab, um den sicheren Profit einzufahren, sondern beweist Mut, das kommerzielle Zugpferd mit Innovationen voranzutreiben.
Noch ist aber Sand im Getriebe. Die leblose Open World könnte weitere Aktivitäten vertragen. Die Karte ist zwar hübsch anzuschauen, mangels Symbolen aber keine große Hilfe. Der Grand-Prix-Modus verwirrt mit der Struktur der Rennen und es ist schade, dass wir die Strecken nicht nach Belieben aneinanderreihen können, sondern uns zwanghaft an deren Platzierung in der Open World halten müssen.
Die Menüs sind niedlich-verspielt, aber auch unnötig verschachtelt und nicht benutzerfreundlich. Das Rubberbanding der Schummel-KI war nie nervtötender. Zu kritisieren gibt es einiges!
Wusstet ihr, dass …
- … das heimliche Spicken im Splitscreen-Modus, was euer Couchkumpel gerade treibt, einen Fachbegriff hat? Er nennt sich
Screenshitting
. - … ihr in Mario Kart 64 einen geheimen Song finden könnt? Wartet am Ende eines Turniers auf dem Ergebnisbildschirm einfach so lange, bis die Hintergrundmusik 64 Mal abgespielt wurde.
- … Donkey Kong Jr. bis heute nur im SNES-Erstling Super Mario Kart spielbar ist?
Auf der Haben-Seite: die Knockout-Tour als das neue Aushängeschild der Mario-Kart-Reihe. Das Erkunden der Spielwelt lohnt sich alleine schon wegen der liebevollen Gestaltung an jeder Ecke. In Sachen Musik und Optik gibt sich Mario Kart World ebenfalls keine Blöße. Und spätestens im Online-Modus gegen echte Mitspieler fesselt das Spielprinzip noch genauso wie beim SNES-Auftakt vor 32 Jahren.
Was uns zurück an den Anfang dieses Tests führt: Dieses Spiel spaltet die Gemüter! Auf der nächsten Seite findet ihr deshalb gleich mehrere Meinungskästen unserer redaktionellen Mario-Kart-Fans. Wir wissen, dass Nintendo hier mitliest, deshalb eine klare Bitte: Bleibt am Ball und baut Marios neue Rennspielwelt weiter aus. Das Spiel hat es verdient!
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