An General Dreykov (Ray Winstone) werden sich vor allem eingefleischte Marvel-Fans ziemlich gut erinnern können. Der russische Offizier ist der Leiter des Roten Raums, einer Organisation, die junge Mädchen zu Attentäterinnen ausbildet.
In Black Widow ist er der große Oberschurke und Hauptgegner von Natasha Romanoff. Winstones Rolle sollte aber eigentlich weitaus düsterer und verstörender ausfallen, doch ein kompletter Nachdreh hat seine Figur stark verändert.
»Ich hatte einen Vertrag, also musste ich es machen.«
Zu Gast beim Sarajevo Film Festival 2025 in Bosnien und Herzegowina gibt der 68-jährige Schauspieler einige Details über seine Enttäuschung mit Marvel preis. Obwohl er Regisseurin Cate Shortland (Lore, Berlin Syndrom) in den höchsten Tönen lobt, stößt ihm vor allem der Umgang mit seiner Rolle sauer auf (via Variety).
Denn eigentlich war er mit seiner Figur zufrieden und sogar von seiner eigenen Performance mehr als überzeugt. Doch dann wurde alles wieder über den Haufen geworfen und sein Bösewicht startete bei null:
Ich habe mit dieser großartigen Regisseurin, Cate Shortland, zusammengearbeitet, und wir haben daran gefeilt, wie meine Figur [General Dreykov] sein sollte. Er war wie ein Pädophiler, der sich um all diese Mädchen herumtrieb, und sie wurden zu schwarzen Witwen. Wir wurden am Set oft beklatscht. Das war wahrscheinlich das Beste, was ich seit langer Zeit gemacht habe.
Dann kam ich nach Feierabend nach Hause und erhielt einen Anruf, dass wir einige Szenen neu drehen müssten. Ich fragte: »Wie viele Szenen?« [Cate] sagte: »Alle.« Also sagte ich, sie sollten die Rolle neu besetzen, aber ich hatte einen Vertrag, also musste ich es machen.
Ich ging zurück, sie machten mir eine schöne Frisur, zogen mir den Anzug an. [...] Ich dachte: »Ich mache das jetzt nicht. Ich habe es gemacht. So soll es bleiben.« ]...] Es gibt nichts Schlimmeres, als etwas zu tun, es auf dem Boden liegen zu lassen und dann zu hören, dass es nicht richtig ist.
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Warum wurden die Szenen neu gedreht? Bereits im März 2024 gab Winstone gegenüber der Radio Times an, dass seine Darbietung als General Dreykov einigen Produzenten »zu viel des Guten und zu stark war.« Die Originalquelle der Radio Times ist online nicht mehr zu finden, weshalb wir euch hier einfach die Berichterstattung von Deadline verlinken.
Ein allgemeines Problem
Winstone gibt aber nicht nur Marvel die Schuld, sondern schaut ganz Hollywood an. Laut dem Schauspieler geht es nur noch um das Geld und man nimmt Darstellern häufig die Möglichkeit, herausfordernde Rollen zu spielen. Konkret sagt er:
Es geht nur darum, Tickets zu verkaufen. Wir sehen, was in Hollywood mit Marvel und all diesen Projekten passiert ... Es gibt Platz dafür, und es macht Spaß, aber es geht zu Lasten der Produktion von Kulturfilmen, die für Schauspieler am besten sind und wirklich gute Rollen bieten. Das wird immer schwieriger.
Wenn man heute nicht in den sozialen Medien präsent ist, wird man vielleicht gar nicht mehr für einen Film in Betracht gezogen, weil die Produzenten wollen, dass man eine Fanbase mitbringt.
Marvel hat in den letzten Jahren immer wieder zu kämpfen. Die aktuellen Filme erreichen die Zuschauer nicht mehr so, wie sie es sollten. Kurz nach dem Release von Thunderbolts Ende April 2025 sprach Chef Kevin Feige genau das aus, was viele Fans mittlerweile denken: Die Filme und Serien fühlen sich mehr nach Hausaufgabe als Unterhaltung an.
Da trifft es sich ja gut, dass der Konzern nach Avengers: Secret Wars einen kompletten Neustart des Marvel Cinematic Universe – in Form eines Reboots – plant. Mehr dazu lest ihr in den oben verlinkten Artikeln.
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