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Seite 2: Max Payne 3 im Test - Alter Hund, neue Tricks

Die Inszenierung: Mal cool, mal Kopfschmerzen

Third-Person-Shooter tun sich leicht damit, Spiel und Zwischensequenzen zu verbinden, denn man sieht sein Alter Ego ja ohnehin ständig aus der Außenperspektive. Max Payne 3 perfektioniert das Ganze: Die Übergänge zwischen selber steuern und Video gucken sind absolut fließend. Die Cutscenes hat Rockstar darüber hinaus cool inszeniert, oft mit Bild-in-Bild-Schnitten wie aus der TV-Serie 24, hier und da aufgepeppt mit eingeblendeten Schlagwörtern, wie man das etwa aus dem Film Crank kennt. Hübsch anzuschauen, auch wenn die Einbettung der Textfetzen längst nicht so gut gelungen ist wie in Splinter Cell: Conviction.

Die ständigen Unschärfe- und Farbeffekte in den Zwischensequenzen können gewaltig nerven. Die ständigen Unschärfe- und Farbeffekte in den Zwischensequenzen können gewaltig nerven.

In einem Punkt übertreibt es Rockstar jedoch: Mit ständigen Unschärfe- und Fehlfarbeffekten wollen die Entwickler in den Zwischensequenzen visualisieren, wie schlecht sich Max, das alte Drogenwrack, ständig fühlt. Mit Erfolg, denn das nervt tatsächlich unglaublich schnell, wird dem einen oder anderen sicherlich Kopfschmerzen bereiten und lässt sich auch nicht abstellen.

Die wohl größte Schwäche von Max Payne 3 ist aber, dass Rockstar dann doch nicht komplett auf Charakterstudie und erwachsene Story gesetzt hat, sondern sich Genre-Standards wie Sammelobjekt-Sucherei und dem Achievement-Hype unterwirft, denn diese Mischung beißt sich beizeiten. Wenn uns die Story ständig vorantreibt, gleichzeitig das Gameplay uns aber dazu zwingt, zeitraubend alle Ecken des Levels nach Pillendosen oder versteckten Hinweisen zu durchsuchen, stört das die Atmosphäre und den Spielfluss. Wenn Max dann auch noch anfängt, in seiner typischen Monolog-Manier über unsere Trödelei zu motzen, wird’s absurd.

Max Payne 3 - Die ersten 10 Minuten 13:09 Max Payne 3 - Die ersten 10 Minuten

Das Gameplay: Alt und doch neu

Aber wir wollen uns nicht verkünsteln, letztlich ist und bleibt Max Payne 3 nun mal ein Actionspiel. Und zwar treu der Serientradition ein linearer 3rd-Person-Shooter, dessen primäres Herausstellungsmerkmal die Zeitlupenfunktion namens Bullet Time ist. Je mehr Treffer wir landen, desto mehr Bullet Time sammeln wir, und desto häufiger/länger kann Max seinen Widersachern die Kugeln in Zeitlupe um die Gangsterohren jagen. Neu in der Serie ist indes die Deckungsfunktion, aber die gehört ja mittlerweile zum Genrestandard.

Und dann gibt's da noch das Shoot Dodging, diese schicken Hechtsprünge, bei denen wir automatisch in die Zeitlupe schalten, ohne dabei Bullet-Time-Energie zu verbrauchen. Anders als in den Vorgängern darf Max jetzt nur noch zwei Handfeuerwaffen und ein Gewehr mitnehmen. Wir finden’s gut, das macht das Spiel glaubwürdiger. Im krassen Gegensatz zu diesem Konzept stehen die goldenen Waffen, die man sich im Spiel zusammensammeln kann und die dann bessere Werte haben. Die Bling-Bling-Kniften wirken fehl am Platz, zum Glück kann man sie ausstellen.

Die Bullet Time hat kein bisschen ihres Spaßes verloren. Die Bullet Time hat kein bisschen ihres Spaßes verloren.

Ab und zu gibt's spezielle Skript-Momente, in denen wir automatisch in die Zeitlupe schalten, um dann besonders spektakuläre Aktionen abzuziehen. Der alte Trick aus den Vorgängern, einfach blindlings irgendwo rein zu rennen, Bullet Time anzuwerfen und locker ein Dutzend Gegner auszuknipsen, funktioniert in Max Payne 3 nur noch selten, meistens hangelt man sich vorsichtig von Deckung zu Deckung. Und auch das Shoot Dodging ist nun riskanter. Max bleibt nämlich nach jedem Hechtsprung liegen und gibt derweil ein gutes Ziel ab. Beim Aufstehen ist er dann ganz kurz wehrlos.

Max Payne 3 spielt sich nach alledem einen Hauch taktischer als seine Vorgänger. Entsprechend stellen die spielbaren Skript-Sequenzen sicher, dass auch genug Max-Payne-Allmachts-Momente gibt. Dafür taugen auch die gelegentlichen Rail-Shooter-Passagen, in denen Max mit unendliche viel Munition schier unendlich viele Gegner umpustet. Für Max-Fans der ersten Stunde ist das sicherlich ein wenig zu modern. Um nicht zu sagen: fad.

Boxenstopp-Video zu Max Payne 3 (PC) 12:46 Boxenstopp-Video zu Max Payne 3 (PC)

Die Animationen: Das tut beim Zuschauen wohlig weh

Beim jeweils letzten Gegner einer Gruppe schaltet Max Payne 3 in eine besonders cineastische Perspektive, in der unser Opfer wiederum in Zeitlupe von Kugeln durchsiebt wird. Das sieht oft ganz schön spektakulär (und schmerzhaft!) aus, für glaubwürdige Körperanimationen und Ragdoll-Verhalten sorgt die Euphoria-Engine. Die kennt man schon aus GTA 4. Wir hätten uns allerdings gewünscht, dass Rockstar in Max Payne 3 auch das Gesichts-Motion-Capturing aus L.A. Noirebenutzt hätte. Die Nebencharaktere wirken nämlich doch ein wenig roboterhaft.

Den letzten Gegner einer Welle streckt Max in einer drastischen Zeitlupen-Sequenz nieder. Den letzten Gegner einer Welle streckt Max in einer drastischen Zeitlupen-Sequenz nieder.

So fragwürdig das auch klingen mag: Nach besonders schweren Passagen stellen die Zeitlupen-Sterbeszenen eine nicht unerhebliche Befriedigung dar, denn Max Payne 3 kann beizeiten ganz schön fordernd werden. Die KI stellt sich relativ clever an, die Burschen fallen uns in die Flanke und heben nicht alle zwei Sekunden brav die Köpfe aus der Deckung, um sich artig erschießen zu lassen.

Automatische Selbstheilung gibt’s nicht, wie früher muss Max mit Schmerztabletten haushalten. Hier und da liegen die Speicherpunkte zudem so unfair, dass wir uns auch mal durch zwei Dutzend Elitesoldaten kauen müssen, bis wir in Sicherheit sind – freies Speichern gibt’s nicht. Wenn dann der letzte Spitzbube in theatralischer Zeitlupe endlich den Löffel abgibt, entgleitet uns schon mal ein »Hab ich Dich endlich, Du… böser Mann!«.

Vermeidbare Fehler

Erschwerend kommt hinzu, dass die stilistisch coolen regelmäßigen Mini-Zwischensequenzen gerne mal unter dem handwerklichen Fehler leiden, uns die Bewaffnung durcheinander zu bringen. In den Clips huscht Max nämlich bevorzugt mit einer Pistole in der Hand umher, etwaige Gewehre trägt er dann am langen Arm. Wenn wir also mit einer großen Wumme in der Hand eine solche Zwischensequenz auslösen, tauscht das Spiel unsere Waffen entsprechend und schickt uns anschließend mit der Pistole in der Hand ins nächste Level – wo dann schon mal Gegner auf uns warten.

Gelegentlich verschwindet dabei sogar unsere Hauptknarre! So marschieren wir einmal mit einem G36-Sturmgewehr durch eine Tür, im Schulterholster ruht unsere Pistole, in der nur noch zwei Patronen stecken. Nun startet eine Zwischensequenz, in der Max eine Tür mit dem Revolver aufschießt. Dahinter begrüßen uns vier feindselige Soldaten. Als wir wieder die Steuerung übernehmen, ist die Flinte weg, in der Pistole steckt jetzt nur noch eine Kugel. Na Mahlzeit.

Genreüblich darf Max seine Gegner im Nahkampf mit nur einem Mausklick fertig machen. Ist er dabei bewaffnet, beendet er die kurze Prügeleinlage mit einer regelrechten Exekution seines Widersachers. Um es deutlich zu sagen: Max Payne 3 ist unheimlich brutal. Aus der deutschen Fassung wurde trotzdem nur ein Spielelement entfernt – Zivilisten sind hier unsterblich. Aber erstens gibt’s von denen nur recht wenige im Spiel, und zweitens will man auf die doch sowieso nicht schießen, oder? Oder?!

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