Medieval Dynasty: Warum es noch mehr mit Kingdom Come gemein hat als bisher gedacht

Medieval Dynasty ist ein neues Mittelalter-Spiel, in dem wir unsere eigene Dynastie gründen. Dabei erinnert es uns immer wieder an Kingdom Come. Im Guten wie im Schlechten.

von Fabiano Uslenghi,
20.06.2020 13:00 Uhr

Genre: Rollenspiel | Entwickler: Render Cube | Plattform: PC | Release: 2021

Wenn wir ans Mittelalter denken, dann kommen uns dabei oft als erstes edle Ritter, mächtige Burgen und epische Massenschlachten in den Sinn. Zumindest in Büchern, Filmen und auch Spielen sind diese Dinge auch zuhauf vertreten. Aber das Mittelalter war an vielen Orten eben oft einfach nur ... anstregend. Dieses andere Mittelalter sehen wir aber nie, denn ein Mittelalter ohne Ritter, Burgen und Krieg macht eben keinen Spaß. Oder vielleicht doch?

Medieval Dynasty vom polnischen Entwickler Render Cube soll zeigen, dass in dem Setting noch mehr spielerisches Potenzial steckt. Dabei weckt allein die Optik bereits Erinnerungen an Kingdom Come: Deliverance, obwohl Medieval Dynasty eigentlich andere Schwerpunkte setzt. Nachdem wir eine sehr frühe Version nun aber lange spielen konnten wurde klar: Es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten, als wir zunächst gedacht hatten.

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Was macht Medieval Dynasty besonders?

Medieval Dynasty lässt sich nur ganz schwer einem einzigen Genre zuordnen. Es greift nämlich im Grunde sehr viele Elemente auf und wirft die zusammen in einen großen gusseisernen Genre-Topf. Wir versuchen es aber vordergründig als Rollenspiel zu bezeichnen. Womit die erste Verbindung zu Kingdom Come Deliverance auch schon gezogen wäre.

Es ist vor allem deshalb ein Rollenspiel, da ihr in einer großen offenen Welt entscheidet, wie ihr eure Zeit vertreiben und euer Überleben sichern wollt. Wie in einem der Elder-Scrolls-Spiele sammelt ihr mit allem, was ihr so macht, Erfahrungspunkte. Irgendwann bekommt ihr einen Skillpunkt, mit dem ihr einen von sieben Skillbäumen immer weiter ausbaut.

Der Knackpunkt ist jedoch, dass es in Medieval Dynasty nicht darum geht, ein mächtiger Ritter zu werden. Ihr seid ein einfacher Mann in einer harten Welt und wollt in erster Linie euch und eure Familie am Leben halten. Deshalb verbessern eure Talente auch keine typischen Rollenspielfähigkeiten, sondern wie schnell ihr Bäume fällt, wie lang euer Werkzeug hält, wie große eure Ernte ausfällt und – okay, doch ein typischer Rollenspiel-Skill – wie gut ihr mit einem Bogen schießt. Es kann nämlich zwar zu Kämpfen mit Räubern oder Tieren kommen, solche Auseinandersetzungen bleiben aber eine seltene Ausnahme.

Vier Genres in einem Spiel

  • Rollenspiel: Ihr levelt euren Charakter auf, verteilt Skillpunkte und nehmt ganz unterschiedliche Quests an.
  • Aufbaustrategie: Ihr baut ein eigenes Dorf, weist den Bewohnern Aufgaben zu und verbessert die Reputation eurer Dynastie.
  • Survival: Ihr müsst am Leben bleiben. Sammelt also täglich Nahrung, geht auf die Jagd und trinkt genug Wasser.
  • Lebenssimulation: Euer Charakter, die Leute in eurer Nähe und die Tiere werden älter und sterben. Wenn ihr selbst sterbt, übernehmt ihr danach die Kontrolle über euren Erben. Habt ihr keinen, ist das Spiel vorbei.

Bereits vor ein paar Monaten konnten wir in Medieval Dynasty reinschnuppern und haben euch Eindrücke dieser frühen Version in einem Video präsentiert. PLUS 8:09 Bereits vor ein paar Monaten konnten wir in Medieval Dynasty reinschnuppern und haben euch Eindrücke dieser frühen Version in einem Video präsentiert.

Für wen ist Medieval Dynasty interessant?

Es ist schon sehr kurios: Obwohl Medieval Dynasty so viele Genres abdeckt, wird es trotzdem nicht jedem dieser Genre-Fans automatisch Spaß machen. Denn selbst wenn es Teilaspekte davon vereint, fallen dadurch bei allen Genres andere Inhalte hinten runter.

Rollenspieler werden beispielsweise fulminante Kämpfe und erzählerisch hochwertige Quests vermissen. Aufbaustrategen werden sicherlich kein Dörfchen in eine riesige Metropole verwandeln und Überlebenskünstler müssen gar nicht allzu sehr um ihr Überleben bangen. Trotzdem gelingt es Medieval Dynasty, einen ganz eigenen Reiz zu entwickeln. Und das liegt vor allem an seinem Setting.

Denn hier spannt sich wieder der Bogen zu Kingdom Come: Beide Spiele zeigen, wie schwerfällig das Mittelalter ist, denn beide Spiele verlangen eine gewisse Geduld von uns ab. Geduld dafür, wie lange es dauert von einem Dorf ins nächste zu kommen. Wie lange es dauert, bevor man eine Sache wirklich gut kann. Und auch wie lange es dauert, bis man sich an diese archaische Welt gewöhnt hat. Das gefällt nicht jedem, aber es vermittelt eben ein faszinierend nachvollziehbares Gefühl vom Mittelalter.

Doch selbst wenn ihr spielerisch Probleme mit Medieval Dynasty habt, lässt sich eine Sache nicht abstreiten. Und zwar, dass es wirklich hübsch aussieht:

Medieval Dynasty - Screenshots ansehen

Was gefällt uns bisher? Was gefällt uns nicht?

Wir haben Medieval Dynasty bereits recht ausführlich gespielt. Aber eben eine Version, die noch weit von ihrem finalen Release entfernt und entsprechend unfertig ist. Einige der hier genannten Schwächen könnten im fertigen Spiel also noch entfallen, zumal dem Spiel auch noch seine Early-Access-Phase bevorsteht.

Stärken von Medieval Dynasty

  • Eine grafisch äußerst hochwertige Darstellung eines mittelalterlichen Landstrichs.
  • Eine spannende Genre-Mischung in der wir uns ganz verschiedenen Aktivitäten widmen können.
  • Ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn nach einem langen Tag der Arbeit unser eigenes Haus oder Dorf steht.
  • Eine große Auswahl an möglichen Gebäuden, Ressourcen und damit einhergehenden Warenketten.

Schwächen von Medieval Dynasty

  • Der Spielwelt fehlt es noch an Wiedererkennungswert.
  • NPCs und Tiere verhalten sich oft hölzernen und haben keine wirklich nachvollziehbaren Tagesabläufe.
  • Viele Mechaniken wie das Suchen nach einer Frau und dem Anwerben von neuen Bewohnern sind noch sehr rudimentär.
  • Wir wissen noch nicht, wie spannend die eigentliche Hauptquest wird und ob sie langfristig zum Weiterspielen motiviert. Die Nebenquests sind bislang noch recht unspektakulär.

Medieval Dynasty hat noch einen weiten Weg vor sich. Und auch wenn es uns oft an Kingdom Come erinnert, wird es letztlich eine deutlich andere Spielerfahrung bieten und damit wahrscheinlich auch andere Spielertypen ansprechen. Wer sich aber schon in KCD gern Zeit für die einfachen Dinge genommen hat, sollte dieses Mittelalter-Spiel auf jeden Fall im Auge behalten.

Potenzial | Gut

Fabiano Uslenghi
@StillAdrony

Medieval Dynasty deckt viele Genres ab, aber richtet sich gleichzeitig an einen bestimmten Spielertypen. Die wundervolle Optik macht es dafür aber auch möglich, sich wirklich in dieser Welt mit ihren beschaulichen Wäldern und mittelalterlichen Dörfern zu verlieren. Damit lädt es fast schon ein wenig zum Entspannen ein. Es ist ein Aufbauspiel aus der Ego-Perspektive, das wir wahlweise auch wie ein Rollenspiel erleben können. Doch man muss sich reinfuchsen und eine Menge Geduld mitbringen. Wem das gelingt, der kann in Medieval Dynasty allerdings Dutzende Stunden verbringen.

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