Ich mache einen einfachen Check bei jedem Laptop-Neukauf – und sortiere 80 Prozent der Trendgeräte sofort aus

Die Sehnsucht nach funktionellen Laptops wächst. Warum minimalistische Designs oft auf Kosten unserer Flexibilität gehen.

Fällt euch bei den abgebildeten Laptops etwas auf? (Quelle: Reddit) Fällt euch bei den abgebildeten Laptops etwas auf? (Quelle: Reddit)

Ein populärer Beitrag im Reddit-Forum r/laptops bringt aktuell auf den Punkt, was viele Nutzer mehr und mehr spüren: Die Wehmut nach Laptops, die als verlässliche, vielseitige Werkzeuge gebaut wurden. 

Der Vorwurf der Community wiegt schwer, moderne Geräte opfern Ecken und Kanten, Flexibilität und Anschlüsse für den puren Minimalismus. Blickt man auf aktuelle Modelle, die oft nur noch mit zwei Mager-USB-C-Buchsen ausgeliefert werden, lässt sich nur feststellen: Die Nutzer haben recht. Wir haben im Alltag ein Stück Unabhängigkeit verloren.

Dass mittlerweile bei vielen Laptops klassische Schnittstellen wie USB-A, HDMI, SD-Kartenleser oder der Netzwerkanschluss ersatzlos gestrichen werden, ist kein Zufall. Ich habe mir daher angwöhnt bei absolut jedem Laptop, den ich privat nutzen möchte, als erstes zu prüfen, welche Anschlüsse überhaupt vorhanden sind. Mir ist es wichtig, dass ich einen mobilen Rechner unterwegs auch ohne zusätzliche Dongles vollumfänglich verwenden kann. Für die Hersteller stecken hinter dieser Strategie allerdings klare strategische und ökonomische Überlegungen.

Die Strategie hinter dem Minimalismus

Wer die Gehäuse moderner Laptops zerlegt, versteht schnell, warum die Industrie diesen Weg einschlägt. Ich habe insgesamt drei Faktoren ausgemacht, die das Handeln der Entwickler bestimmen:

  • Das Diktat der Ästhetik: Ultraflache Gehäuse sehen auf Produktfotos beeindruckend aus und lassen sich hervorragend vermarkten. Ein klassischer USB-A-Port oder gar eine Ethernet-Buchse setzen der Dünne eines Gehäuses jedoch physikalische Grenzen. Wer die flachste Silhouette im Regal haben will, muss Schnittstellen opfern.
  • Effizienz in der Fertigung: Jede Aussparung im Aluminium- oder Magnesium-Gehäuse kostet Geld, Zeit und Präzision im Fräsprozess. Ein reduziertes Mainboard mit nur zwei gleichen USB-C-Anschlüssen vereinfacht das Platinendesign drastisch, senkt die Fehlerquote in der Produktion und spart am Ende schlicht Herstellkosten.
  • Der Push in die Cloud: Indem eingebaute Anschlüsse reduziert werden, drängen Hersteller die Kunden subtil in Richtung drahtloser Infrastrukturen. Daten sollen nicht mehr lokal per USB-Stick oder SD-Karte übertragen werden, sondern über Cloud-Dienste, WLAN und Bluetooth. Wir sprechen also von Technologie-Ökosystemen, an denen viele (nicht alle) Hersteller wiederum mitverdienen.

Die Anschlüsse des kompakten Lenovo ThinkPad T14 (Gen 6) bieten alles, um auch unterwegs vernünftig arbeiten zu können. (Quelle: Lenovo) Die Anschlüsse des kompakten Lenovo ThinkPad T14 (Gen 6) bieten alles, um auch unterwegs vernünftig arbeiten zu können. (Quelle: Lenovo)

Der Zielkonflikt für Konsumenten: Kompakt gegen Komplett

Für uns als Nutzer ist diese Entwicklung Fluch und Segen zugleich. Es wäre falsch, den Wandel pauschal als rein negativ abzutun, doch die Schattenseiten sind im Arbeitsalltag unübersehbar.

Die Vorteile der neuen Leichtigkeit: Man muss der modernen Technik zugestehen, dass USB-C als universelle Schnittstelle ein technologischer Meilenstein ist. Ein einziger Anschluss kann Strom liefern, Bildsignale in 4K übertragen und hohe Datenraten verarbeiten. Für den festen Arbeitsplatz ist das genial: Ein Kabel verbindet das Notebook mit dem Monitor, der Tastatur und dem Stromnetz. Zudem sind viele der heutigen Laptops fantastisch leicht, kompakt und passen in jede Tasche, ohne die Schulter unnötig zu belasten.

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Die Nachteile der beschnittenen Funktionalität: Der Preis für dieses schicke Äußere ist der Verlust an spontaner Einsatzfähigkeit. Wer zum Beispiel auf einer Geschäftsreise den Rechner für eine Präsentation an einen älteren Beamer anschließen, Fotos direkt aus der Kamera einlesen oder in einem Funkloch ein LAN-Kabel nutzen möchte, steht mit einem auf zwei Ports reduzierten Laptop schlichtweg vor einer Wand.

Das Gerät ist ohne externe Peripherie in vielen Fällen nicht mehr eigenständig handlungsfähig. Zudem blockiert das Ladekabel bei vielen Einstiegs- und Mittelklassegeräten bereits einen der beiden verbliebenen Anschlüsse. Was als kabellose Freiheit verkauft wird, entpuppt sich im Alltag oft als Abhängigkeit von einer perfekt funktionierenden Umgebung.

Meine Meinung

Sven Scharpe


Ein Laptop ist für die meisten Menschen kein Schmuckstück für die Vitrine, sondern ein Werkzeug zum Arbeiten. Der Trend, eingebaute Schnittstellen drastisch zu streichen, hat die Grenze zwischen schlichtem Design und Einschränkung im Alltag an vielen Stellen für mich bereits überschritten.

Bei einem Profi-Laptop gehören neben einer ausreichenden Anzahl an USB-A-Ports in jedem Fall auch HDMI- und LAN-Anschlüsse zur obligatorischen Ausstattung. Hier spielt das Design keine Rolle, es geht ausschließlich um Funktion. Ich habe es schon erlebt, dass ich beruflich unterwegs war und mich bei einem Termin geschmeidig ins WLAN einloggen wollte. Leider war die Verbindung völlig instabil und unbrauchbar. 

Hätte ich einen RJ45-Port für ein LAN-Kabel gehabt, wäre das kein Problem gewesen, die Schnittstelle glänzte am damaligen Laptop allerdings durch Abwesenheit. Ein Glück, dass es die passenden USB-Dongles gibt. Die mangelhafte Anschlussausstattung zwingt einen ja schon dazu, ständig einen kleinen Hub mit sich zu schleppen, mit dem sich die am Gerät fehlenden Anschlüsse quasi nachrüsten lassen. 

Da lobe ich mir mein aktuelles Arbeitsgerät, dabei handelt es sich um ein Thinkpad T14 das trotz kleinem 14-Zoll-Display und entsprechend kompakten Abmessungen alle relevanten Anschlüsse bietet. 

Das Thinkpad mag jetzt vielleicht kein Designobjekt sein, da gibt es auf dem Markt sicher Notebooks, die optisch mehr hermachen. Aber darauf kommt es mir absolut nicht an, ich muss auch unterwegs damit arbeiten können, ohne irgendwelche zusätzlichen Dongles mitschleppen zu müssen. Für mich sind Laptops mit lediglich zwei USB-C-Anschlüssen jedenfalls nicht praxistauglich.


Kommentare(1)
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