Eine obskure Foto-App landet dieser Tage auf Platz Eins der App-Charts – und zwar nicht nur in Deutschland.
Aber was hat es mit Meitu - Foto und Video-Editor auf sich? Wir haben uns die chinesische Foto-App angeschaut und einen alten Bekannten gefunden, der vor acht Jahren massiv in der Kritik stand.
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Meitu – Photo & Video Editor: Eine Foto-App mit Fokus auf KI
Meitu – Photo & Video Editor
findet ihr sowohl im App Store, als auch im Google Play Store. Meitu ist zuerst einmal eine Foto-Retuschier-App. Hier könnt ihr eure Fotos zuschneiden, aus diversen Filtern wählen, euer Gesicht verschlanken oder euch Makeup verpassen.
Vor allem aber fällt die App durch ihre KI-Funktionen auf:
- Das AI Kunststudio macht euch etwa zum Sticker.
- Mit Animal Gathering könnt ihr wilde Tiere wie Pumas und Pandas in euer Bild zaubern.
- Ladet ihr Fotos von zwei Personen hoch, generiert euch das Photobooth-Labor ein gemeinsames Ergebnis.
Auf Instagram zeigt Meitu, wie die Photobooth funktioniert:
Solche und ähnliche Fotos sind der aktuell das Verkaufsargument von Meitu: Ihr ladet ein Bild von euch und einer anderen Person hoch und Meitu zaubert euch daraus ein Gruppenfoto. So findet sich auf TikTok etwa der Trend »Elevator AI«, wo Menschen sich gemeinsam mit Freunden oder auch Prominenten im Aufzug zeigen – KI-generiert mit Meitu.
Allerdings: Einige der normalen Retuschier-Funktionen und praktisch alle der KI-Funktionen sind hinter einer Bezahlschranke versteckt. Nach einer dreitägigen kostenlosen Probezeit kostet euch das VIP
-Abo bei Meitu im Monat zehn Euro bzw. 43 Euro, wenn ihr gleich für das ganze Jahr abonniert.
Ein KI-Feature wird zum Köder:
Der Meitu-Nutzer dürfte beim Blick auf so viele beworbene Funktionen hinter der Bezahlschranke enttäuscht sein. Die allererste Funktion oben links ist jedoch mit »Hot« markiert:
Ihr könnt euch ohne ein Abo zweimal ein KI-Gruppenfoto
generieren lassen.
Das Gruppenfoto funktioniert im Grunde genauso wie die Fotos im Aufzug: Ladet Fotos von mehreren Personen hoch, auf denen explizit deren Gesicht zu erkennen ist und lasst euch damit ein Gruppenfoto generieren.
Wir haben uns hierfür von Gemini fotorealistische Bilder von Personen generieren lassen, um die Funktion zu testen:
Sobald die Bilder hochgeladen sind, zeigt ein Ladebildschirm an, dass die Generierung des Bildes nun fünf bis sieben Minuten dauert. In unserem Test erscheint jedoch in weniger als einer Minute das Ergebnis:
Für ein KI-Gruppenfoto könnt ihr bei Meitu Bilder von bis zu 5 Personen hochladen.
Meitu: Schon lange in der Kritik von Datenschützern
Meitu ist nicht neu, schon 2017 sorgte die App für großes Aufsehen. Damals noch als Anime-Umstyling-App bekannt, machte Meitu vor allem durch eine massive Datensammelpraxis die Runde:
Link zum Twitter-Inhalt
Unter anderem sammelte die App damals:
- Geräte-IDs (wie IMEI und IMSI): Eindeutige Seriennummern, die eine individuelle Nachverfolgung jedes Geräts ermöglichten.
- Standortdaten: Sowohl die ungefähre (netzwerkbasierte) als auch die genaue (GPS-basierte) Position des Nutzers.
- App-Verlauf: Eine Liste aller auf dem Gerät installierten Apps.
- Telefoninformationen: Die Rufnummer, den Gerätestatus und Informationen zum Anrufverlauf.
Autor Dominik Bärlocher resümierte damals auf Galaxus gar:
Installiert die App nicht. Oder deinstalliert sie.
Wie sieht das heute aus?
In der aktuellen Datenschutzrichtlinie räumt sich Meitu allerdings weiterhin das Recht ein, folgende Daten zu verwenden und weiterzugeben:
- Geräte-Identifikatoren: Darunter befinden sich die IMEI, die UDID, die GUUID, die IDFA, die IDFV, die OAID und die ICCID.
- Geräteinformationen: Einschließlich der Seriennummer des Geräts, der MAC-Adresse und der Netzwerkverbindungsinformationen.
- Standortdaten: Sowohl die genaue als auch die ungefähre Position, die es ermöglicht, detaillierte Bewegungsprofile zu erstellen.
Außerdem räumt sich das Unternehmen in seinen Nutzungsbedingungen auch weitreichende Nutzungsrechte für eure Bilder ein – heute auch im Speziellen für das KI-Training:
- Vollständige Kontrolle über eure Bilder: Meitu erhält eine
nicht-exklusive, unwiderrufliche, zeitlich unbegrenzte, übertragbare, weltweite, gebührenfreie Lizenz
für eure Fotos und Inhalte. Das bedeutet, das Unternehmen darf eure Bilder dauerhaft und weltweit für nahezu jeden Zweck verwenden. - Verwendung für KI-Training: Das Unternehmen räumt sich ausdrücklich das Recht ein, eure hochgeladenen Fotos zu speichern und zu verwenden, um die eigenen KI-Funktionen und -Modelle zu optimieren und zu verbessern.
- Verlust der Datenhoheit: Selbst wenn ihr die Fotos später löscht, gibt es keine Garantie, dass Kopien von den Servern des Unternehmens oder aus den Backups entfernt werden.
Seit 2016 hat China Gesetze verabschiedet, die den Datenschutz der Bürger durchaus verbessern. Allerdings können die laut der Analyse des amerikanischen Think Tanks CNA von den Behörden weit ausgelegt werden, um auf Daten von Unternehmen zuzugreifen und diese in nachrichtendienstlichen Aktivitäten zu verwenden.
Fazit: Bei der Benutzung von Meitu ist Vorsicht geboten
Die Erfahrung mit Meitu ist für die Popularität der App erstaunlich unbefriedigend: Die kostenlose Version dient in erster Linie dazu, euch in ein Bezahl-Abo zu locken.
Gleichzeitig räumt ihr Meitu weitreichende Berechtigungen über die Nutzung eurer Daten ein, das betrifft auch das KI-Training mit euren Daten.
Allerdings äußern sich Stimmen im App-Store durchaus angetan von den Retusche-Funktionen. Wenn ihr also überhaupt nicht auf die App verzichten wollt, dann überprüft in euren Einstellungen allerdings die Berechtigungen, die ihr Meitu einräumt unter:
Einstellungen > Apps > Meitu > Berechtigungen
Hier könnt ihr die Berechtigungen für »Geräte in der Nähe« getrost abschalten, die trägt nicht zur Funktionalität bei.
Angesichts der umfassenden Datenerfassung und der rechtlichen Lage in China bleibt Meitu aber eine App, bei der Vorsicht geboten ist.
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