Exklusiver Content & monatliche Vollversionen

Exklusiver Content & monatliche Vollversionen

Als ich mit Grippe im Bett lag, wollte ich eigentlich nur Trash-Horrorspiele auf Youtube gucken und habe dabei eine echte Perle entdeckt

Metel ist ein kleines Grusel-Escape-Room-Spiel mit einem ziemlich cleveren Story-Kniff.

In Metel müsst ihr mit einfachen Werkzeugen eurem blutrünstigen Entführer entkommen. In Metel müsst ihr mit einfachen Werkzeugen eurem blutrünstigen Entführer entkommen.

Irgendwann erwischt es uns alle mal und bei mir war es diesen Sommer soweit. Die Grippe legte mich lang und zwar so heftig, dass ich mich nicht mal mit halbwegs anspruchsvoller Bewegtbildunterhaltung von hämmernden Kopfschmerzen und meinem wundgehusteten Hals ablenken konnte. An Zocken war gar nicht zu denken.

Aber für die Zeit zwischen den Schlafphasen braucht ich irgendeine Berieselung und so griff ich zu einem altbekannten Wundermittel: Trash-Horrorspiele auf YouTube. Da muss man nicht groß aufpassen, kann die miese Qualität belächeln und schmunzelt hin und wieder über denjenigen, der da spielt und sich vor billigen Jumpscares erschreckt.

Bei einem Spiel wurde ich aber hellhörig. Es heißt Metel und man löst darin mehrere Horror-Escape-Rooms. Auf den ersten Blick scheint die etwas platte Story nur Beiwerk zu sein, doch sie ist erstaunlich clever ins Gameplay eingewoben.

Marie-Lena Höftmann
Marie-Lena Höftmann

Miffy hat ein Herz für Trash, denn für sie hat es etwas heimeliges, vor Low-Poly-Monstern wegzurennen oder Geschichten zu entblättern, die völlig Banane sind. Hin und wieder mischt sich aber doch ein wirklich guter Titel unter die Schmunzel-Spiele, die durchaus ein paar Blicke mehr Wert sind. Wer sich übrigens fragt, bei welchem Youtube-Channel Miffy auf Metel gestoßen ist: Es ist der VoD-Kanal des Streamers Schwabbeltown.

Die schrammelige Fassade verbirgt einen fast schon brillanten Story-Kniff

Metel ist bei weitem kein Augenschmaus, denn es läuft auch auf Mobilgeräten. Meine Faszination betrifft eher die Art und Weise, wie das Spiel funktioniert.

Die Prämisse ist denkbar einfach: Ein »Wahnsinniger« [aus der Spielbeschreibung: »Maniac«] hat euch und drei andere entführt und in seiner abgelegenen Hütte in Käfigen oder anderen Kammern eingesperrt. Statt auf euer nahes Ende zu warten, sucht ihr in eurem Gefängnis nach Hilfsmitteln, um euch einen Ausweg zu bahnen. Trash-Kennern kommt dieses Prinzip vielleicht von Granny bekannt vor, einem Indiespiel, bei dem euch eure Oma gefangen hält – Horrorfans sind so einfach zu begeistern.

Wie man es von klassischen Escape-Rooms kennt, durchlauft ihr dabei mehrere Etappen. Ihr sucht eine Zahlenkombination, um eine verschlossene Schublade zu öffnen, in der sich ein Schraubenzieher befindet, mit dem ihr ein Ölfass anzapft, und so weiter.

Video starten 1:09 Metel: Hinter der schrammeligen Fassade steckt ein cleveres Escape-Room-Spiel

Dabei müsst ihr ständig um die Ecke denken und die richtigen Werkzeuge an den richtigen Stellen zum Einsatz bringen. Der Clou ist, dass ihr dabei möglichst leise sein solltet. Denn bei Geräuschen trampelt euer Peiniger zu euch in die Baracke und ihr habt nur wenige Sekunden Zeit, den Raum wieder so herzurichten, wie er ihn zurückgelassen hat. Seid ihr dann auch noch rechtzeitig wieder in eurem Käfig, stapft der Herr wieder nach draußen und ihr könnt weiter an eurer Fluchtroute arbeiten. Wenn nicht, geht's nochmal von vorne los.

Metel ist dabei in verschiedene Kapitel untergliedert, in denen ihr unterschiedliche Protagonistinnen und Protagonisten spielt. Zunächst scheint bis auf den Maniac und sein Versteck keine große Verbindung zwischen den Geschichten zu bestehen. Doch jedes Kapitel hat noch ein verstecktes Ende und hier scheppert's richtig in der Storytelling-Kiste.

Euch stehen nämlich in jeder Episode zwei Möglichkeiten offen, zu entkommen, wobei die zweite etwas mehr Grips erfordert. Um diese zu finden, müsst ihr euch daran erinnern, wie genau ihr in der vorigen Episode eigentlich entkommen seid. Und dann stellt ihr fest, dass zwischen den Kapiteln doch ein gewisser Zusammenhang besteht.

Ihr spult also nicht nur eine Rätselroutine ab, bei der ihr über erzählerische Logiklücken hinwegsehen müsst, sondern werdet dafür belohnt, wenn ihr die vermeintlichen Logiklücken hinterfragt. Etwa, warum ihr da überhaupt eine Kurbel für einen manuellen Aufzug hinter einer eingemauerten Wand liegt. Aus Spoilergründen gehe ich da mal nicht näher drauf ein.

Ich war ehrlich beeindruckt, wie clever dieser narrative Kniff in die Spielmechaniken eingearbeitet wurde. Gerade bei der plumpen Prämisse hätte ich das einfach nicht erwartet.

Metel ist vielleicht kein Horror-Meisterwerk à la Silent Hill, doch es ist seine Zeit allemal wert; vor allem in Anbetracht des günstigen Preises von 3 Euro auf Steam. Der Fairness halber sei erwähnt, dass ihr nicht auf einen Sale warten braucht. Den letzten Rabatt gab's vor knapp zwei Jahren.

Und euch wird auch auffallen, dass das Spiel wohl im Early Access vergessen wurde und seit mehr als drei Jahren kein Update erhalten hat. In meinen Augen wirkte es allerdings bereits wie ein fertiges Produkt und auch die 93 Prozent positiven Reviews sprechen dafür. Ihr bekommt hier für ein paar Stunden richtig gute Grusel-Unterhaltung, vor allem wenn ihr Rätselspiele mögt und euch in gammeligen Bunkern wohlfühlt.


Kommentare(1)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.