MMOs am Scheideweg? Entwicklerchefin von Black Desert sagt Spaltung des Genres voraus

Die Zukunft der MMORPGs hält möglicherweise einige spannende Veränderungen bereit. Wie diese aussehen könnten, erklärt die Entwicklerchefin von Black Desert Online.

von Géraldine Hohmann,
25.02.2020 17:54 Uhr

Black Desert Online setzte bei seinem Release 2016 auf spektakuläre Grafik und Effekte, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Black Desert Online setzte bei seinem Release 2016 auf spektakuläre Grafik und Effekte, um sich von der Konkurrenz abzuheben.

Wie sieht die Zukunft des stark umkämpften MMO-Marktes aus? Jeonghee Jin, CEO von Pearl Abyss America, findet darauf eine ganz eigene Antwort. Das Studio ist vor allem bekannt für Black Desert Online. Im Interview mit Gamesindustry.biz spricht sie über Konkurrenzdruck, 90er-Jahre-Nostalgie und Abo-Modelle.

Zwei Wege für MMOs

"Ich denke, dass der MMO-Markt gespalten ist", sagt Jeonghee Jin. Auf der einen Seite stünden die Spieler, die das Online-Rollenspiel-Erlebnis der 90er und 2000er vermissen.

Auf der anderen Seite sei der Markt des Genres so umkämpft und Spieler hätten schon so vieles gesehen, dass man außergewöhnliche Innovationen in den Bereichen Grafik, Technologie und Spielerlebnis bieten müsse.

Daraus würden sich immer deutlicher zwei unterschiedliche Richtungen heutiger MMOs herauskristallisieren:

"Die Konkurrenz wird immer stärker, aber gleichzeitig laufen Spiele wie WoW Classic und das Oldschool Runescape so gut. Ich denke, dass Trends und Dinge, nach denen Spieler suchen, sich auseinanderentwickeln."

Entwickler müssten sich demnach genau überlegen, welche Seite sie bedienen wollen. Der Mittelweg zwischen den Extremen aus Nostalgie und Innovation scheint in eine Sackgasse zu führen.

Oldschool-MMOs: WoW Classic WoW Classic schwingt die Nostalgiekeule für Spieler der ersten Stunde. Ein Erfolgskonzept für Blizzard, wie sich herausstellte.

Newschool-MMOs: ESO Elder Scrolls Online setzt auf ständigen Content-Nachschub in Form von Addons und legt viel Wert auf eine Story - auch für Einzelspieler.

Wer zahlt noch für MMOs?

Online-Rollenspiele bedienen sich heutzutage einer von drei Bezahlmethoden: Einmaliger Kauf, wie im Beispiel Guild Wars, ein monatliches Abo, wie bei World of Warcraft oder Free2Play, wie im Falle von Star Wars: The Old Republic.

Gerade monatliche Abos und Free2Play-Angebote setzen dabei auf langfristige Spielerbindung und Live-Service. Jeonghee Jin sieht jedoch die Nachfrage für Abos schwinden, da sie in direkter Konkurrenz zu Free2Play-Titel stehen, die ebenfalls kontinuierliche Erweiterungen für ihre Spiele zu bieten haben.

"Ich glaube, es gibt andere Dinge, die einfach mehr Wert bieten als ein laufendes Abonnement und es wird immer mehr Herausforderungen für Abo-Spiele geben."

Und tatsächlich scheint in Zeiten von Game Passes und Co. ein Abonnement für ein einziges Spiel fast überholt, um die breite Masse zu erreichen. Jeonghee Jin schätzt, dass Abos für MMORPGs sich künftig in eine Nische zurückziehen könnten.

»Abos werden überleben«

"Wenn Abonnenten aber an den Wert glauben, den sie für ihr Geld bekommen, werden sie natürlich auch weiter zahlen. Das Abo-Modell wird überleben, aber auf eine andere Art. […]
Ich glaube aber nicht, dass es ein Kampf Free2Play vs. Abo-Modell wird. Ich denke nicht, dass eines überlebt und das andere stirbt."

Demnach müssten MMORPGs künftig sehr viel bewusster entscheiden, auf welches Pferd sie setzen wollen, um zu überleben. In der Frage um Nostalgie gegenüber Innovation, ebenso wie bei der Wahl ihres Bezahlmodells.

Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, wie die Entwicklung für 2020 aussehen wird, dann schaut euch unser Video über die 20 spannendsten MMO-Neuerscheinungen an und entscheidet, ob ihr lieber eine Rückbesinnung auf alte Werte oder ein Innovationsfeuerwerk erleben wollt.

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