Nach fünf Jahren kehrt Regisseur Simon McQuoid mit einer Fortsetzung zu Mortal Kombat zurück. Von der Community wurde der Film damals durchaus gemischt aufgenommen. Die brutalen Fatalities, die Kampfszenen und die Darstellung vieler Videospiel-Lieblinge wurden geliebt und das Drehbuch, das fehlende Todes-Turnier und die neue Figur Cole Young scharf kritisiert.
Ich hatte mit Teil 1 meinen Spaß und konnte es kaum erwarten zu sehen, wie sich die Kämpfer des Earthrealms im alles entscheidenden Todeskampf ab dem 7. Mai 2026 im Kino schlagen.
Meine Aufregung ließ jedoch schnell nach, denn obwohl die Kritik offenbar umgesetzt wurde, wirkt vieles jetzt inkonsequent und vorhersehbar. Ja, Mortal Kombat 2 hat mich enttäuscht. Er ist keineswegs komplett schlecht gemacht, aber er erschafft neue, grundlegende Probleme für die Filmreihe.
Nach meinem Kinobesuch habe ich intensiv auf der Frage herumgekaut, ob eine perfekte Adaption der Videospiele überhaupt möglich ist.
Worum geht’s in Mortal Kombat 2?
Lord Raiden (Tadanobu Asano) fehlt weiterhin ein Kämpfer für das legendäre Mortal Kombat. Die Gruppe rund um Cole (Lewis Tan), Sonya (Jessica McNamee), Jax (Mehcad Brooks) und Liu Kang (Ludi Lin) soll mit Johnny Cage (Karl Urban) endlich komplettiert werden.
Und ja: Diesmal steht das Mortal Kombat wirklich an und es gibt ordentlich auf die Schnauze. Die Kämpfer stellen sich dem ikonischen Oberschurken Shao Kahn (Martyn Ford) entgegen, der als Herrscher über die Outworld regiert und ebenfalls die Heimat von Prinzessin Kitana (Adeline Rudolph), Edenia, erobert hat.
Jetzt fehlt natürlich noch die Erde, denn Shao sammelt Reiche wie Thanos die Infinity-Steine im Marvel-Universum. Da hat er die Rechnung allerdings ohne die Earthrealm-Kämpfer gemacht!
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»So macht man einen Trailer« – Jetzt gibt's neue Szenen aus Mortal Kombat 2, für Euphorie sorgen vor allem die Musik und ein besonderer Cameo-Auftritt
Genug geredet! Das Mortal Kombat geht los: Ab dem 7. Mai 2026 könnt ihr euch Teil 2 in den deutschen Kinos anschauen.
Kritik umsetzen kann eine Schwäche sein
Die Kritikpunkte der Fans an Teil 1 wurden zwar erkannt, wirklich sinnvolle Lösungen sehen allerdings anders aus. Da wäre zum Beispiel die Sache mit dem Drachen-Mal. Im Vorgänger brauchten die Figuren dieses Tattoo, um ihre speziellen Arcana-Kräfte »freizuschalten.«
Jetzt spricht niemand mehr davon und keiner fragt Johnny Cage, ob er mal kurz seinen Ärmel hochkrempeln kann, um einen Tattoo-Vergleich zu machen. Es wird schlichtweg einfach über Bord geworfen.
Was den ursprünglichen Hauptcharakter Cole Young (Lewis Tan) betrifft: Er hat im Film herzlich wenig zu melden und wurde zum schweigsamen Sidekick degradiert. Fans jubeln jetzt bestimmt, da Cole als frei erfundene Figur nicht sonderlich beliebt war.
Ich bin jedoch davon überzeugt, dass man das Potenzial von Tan verschwendet hat. Der 39-Jährige ist ein vielversprechender Schauspieler und ein guter Kampfkünstler, dessen Fähigkeiten in Mortal Kombat 2 sträflich unterschätzt werden. Vielleicht hätte man ihn wirklich von Anfang an als Figur aus dem Videospiel-Universum (Kenshi!) casten sollen.
Statt Cole haben wir jetzt Johnny Cage im Hauptfokus der Geschichte. Spätestens seit The Boys bin ich ein großer Fan von Karl Urban und er spielt die arrogante Art des Filmstars wirklich gut. Dabei soll er mit seinen lockeren Sprüchen regelmäßig für einen Comic-Relief sorgen, doch die zünden nicht immer so, wie sie es sollten.
Als Figur wirkt er demnach wie der freche und vorlaute Kano (Josh Lawson) aus Teil 1. Der ist übrigens auch wieder mit dabei. Wie genau er nach den damaligen Ereignissen zurückkehrt, müsst ihr euch selbst anschauen. In jedem Fall wären Johnny und Kano ein absolutes Dream-Team.
Endlich ist der Mortal Kombat da – mit einem Haken
Die Kampfszenen sind energisch, gut choreografiert und so brutal, dass ich zwischendurch zusammengezuckt bin. Wie es sich für große Krieger gehört, sind die Charaktere selten zimperlich und schrecken nicht davor zurück, die scharfen Klingen da anzusetzen, wo es richtig wehtut. Ups, da rollt jetzt ein Kopf. Na ja, Punkt für Earthrealm! Juhu!
Lore-Kenner werden sich hier über die Finisher am Ende der Kämpfe freuen. Die können – anders als in den Videospielen – auch den ausführenden Figuren zum Verhängnis werden, was ein bisschen Abwechslung und Würze in die Duelle bringt.
Innerhalb des Mortal Kombats bewegt sich die Handlung lediglich zwischen vier bis fünf festen Schauplätzen hin und her, was natürlich an die verschiedenen Stages eines Kampfspiels erinnert. Durch die Portale sind die Figuren schnell in der Arena und kehren dann zu ihrem Rückzugsort zurück, was wirklich genial gemacht ist.
Was den Prügel-Brei allerdings versalzt, sind die Computereffekte. Das Blut sieht etwa sehr künstlich aus. Statt dickflüssig und so wie wir es von der Blutentnahme beim Arzt kennen, ist es glänzend, klumpig und bewegt sich sehr unnatürlich durch die Szenerie. So als hätte man es nachträglich wie einen Aufkleber in das Bild eingefügt.
Das Gleiche gilt übrigens für die abgetrennten Körperteile und Überbleibsel der Gegner, die wie Wachspuppen am Boden liegen. Ihre Oberflächen wirken unnatürlich glatt und sie sind nicht vernünftig in die Beleuchtung der Szenen eingebaut. Normalerweise kann ich über kleinere CGI-Fehler hinwegsehen, aber bei Mortal Kombat 2 brechen diese Probleme mit der Immersion.
Doch das ist noch nicht einmal das Schlimmste, denn eine Sache piekst mich ganz besonders, seit ich den Kinosaal verlassen habe: Noch nie war die Wiederbelebung von Charakteren so einfach. Immer wieder ist ein »I am reborn« zu hören und mir stellt sich die Frage, ob es überhaupt Grenzen innerhalb des Universums gibt.
Natürlich ist in einem Kampfspiel eine Figur selten richtig tot, denn bei einem Game Over starte ich einfach neu oder sie wird innerhalb der Story durch verschiedene Mechanismen wie Magie, Zeitlinien oder Reboots zurückgeholt.
Aber das ist doch gerade der Aspekt, den Fans zum Beispiel am Marvel Cinematic Universe oft kritisieren: Taten haben offenbar keine Konsequenzen. Die Kämpfer sterben für die Erde und riskieren scheinbar alles, nur um dann einfach wieder da zu sein? Irgendwann bringt das Ableben dann kaum noch Emotionen hervor, weil ich ohnehin weiß, dass der Charakter nach kurzer Zeit wieder quicklebendig auf der Matte steht.
Daraus ergibt sich ein weiteres Problem: Es macht Mortal Kombat 2 noch vorhersehbarer als der Film es ohnehin schon ist. Für meinen Geschmack muss es Grenzen geben, damit mich nicht jede Reanimation laut aufstöhnen lässt.
Für wen ist Mortal Kombat 2 also interessant?
Wie immer gilt bei einer Videospielverfilmung mit enormem Fanservice: Lore-Kenner und Nostalgiker werden auf der Suche nach Easter Eggs und Anspielungen, mit den originalgetreuen Kampftechniken und dem ikonischen »Stage-Hopping« ihren Spaß haben.
Vorausgesetzt, ihr könnt schlechtes CGI verschmerzen und seid nicht nebenbei noch geschulte Cineasten, die Wert auf eine dichte Handlung legen. Denn so wirklich komplex und vielschichtig wird es in Mortal Kombat 2 nicht.
Der Film ist in Deutschland übrigens ab 16 Jahren freigegeben, was ironisch ist. Sein Vorgänger war nämlich ab 18, obwohl es dort längst nicht so blutig zuging wie hier. So oder so solltet ihr einen starken Magen haben und Brutalität in Filmen gut abkönnen.
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