Selbstexperiment: Ich habe mein Musik-Streaming-Abo gekündigt und kaufe jetzt wieder CDs und Kassetten

Viele Jahre habe ich Musik nur noch gestreamt. Doch ich habe meine Liebe für physische Medien wiederentdeckt.

CDs und Kassetten – für mich sind sie cooler als Musik-Streaming. CDs und Kassetten – für mich sind sie cooler als Musik-Streaming.

Als Kind der 1980er Jahre bin ich mit verschiedenen physischen Musikmedien aufgewachsen. Mitte der 90er Jahre bekam ich meinen ersten Kassettenspieler. Der wurde dann durch einen CD-Spieler ersetzt, der wiederum durch einen Minidisc-Player ersetzt wurde.

Zwischendurch hatte ich auch mal einen Plattenspieler, aber in den Bereich habe ich nie wirklich hineingefunden, zumal mir persönlich die Schallplatten auch immer zu teuer waren – zumindest Neuerscheinungen.

Irgendwann übernahm schließlich mein Smartphone die Audiowiedergabe. Es vergingen noch einige Jahre, bis auch ich einen Streaming-Dienst abonniert habe. Ich nutzte viele Jahre Apple Music und schließlich auch Qobuz.

Musik wurde zum »Nebenbeimedium«

Musik wurde für mich durch das Streaming dann lange Zeit zum »Nebenbeimedium«. Sie plätscherte so dahin, ich habe sie aber nicht mehr bewusst gehört. Sie hatte damit auch nicht mehr den Wert, den der Künstler eigentlich verdient hätte.

Ich habe es unter anderem auch daran gemerkt, dass ich mir keine Songnamen mehr gemerkt habe, teilweise auch nicht die von Alben oder Künstlern. Nicht selten habe ich Alben, die ich eigentlich gut fand, sogar vergessen, weil ich sie nicht in meiner Bibliothek gespeichert oder als Favoriten markiert habe.

Mein DAP brachte den Fokus zurück aufs Wesentliche

So richtig in den Fokus geriet die Musik bei mir erst wieder, als ich im Frühjahr 2023 meinen ersten DAP kaufte – einen Digital Audio Player, zu denen ich bereits meine Erfahrungen mit euch geteilt habe.

Zeitgleich mit dem Wechsel auf einen eigenständigen Musikplayer habe ich zunächst meine Liebe für Kassetten wiederentdeckt. Seit einigen Jahren werden wieder vermehrt Alben auf Tape veröffentlicht, und einige Hersteller bringen wieder entsprechende Abspielgeräte in den Handel.

Ich habe also meinen alten Walkman sowie mein Kassettendeck wiederbelebt und mir einige Neuerscheinungen auf Kassette gekauft. Dabei blieb es natürlich nicht. Auch CD-Player und Discman wurden vom Dachboden geholt, zusammen mit einigen Stapeln CDs.

Ich habe mein Streaming-Abo gekündigt

Für dieses Jahr hatte ich dann ein Vorhaben: Ich kündige Apple Music und Qobuz und kaufe meine Musik wieder, anstatt sie zu streamen.

Ob Vinyl, CD oder Kassette – lasst uns hier nicht über die Audioqualität sprechen. Gerade die Kassette bekommt dahingehend viel Kritik ab, auch wenn sie aus meiner Sicht häufig ungerechtfertigt ist. Zudem gibt es mittlerweile hochaufgelöstes Hi-Res-Audio, und das gibt es weder auf Platte, Kassette noch auf einer klassischen Audio-CD.

Meine 5 Vorteile von physischen Medien

  1. Die Musik gehört mir
    Ich muss keine Sorge haben, dass Streaming-Dienste Lizenzen verlieren und Songs oder ganze Alben aus dem Katalog nehmen. Das war zeitweise als Beispiel mit Alben der Künstlerin Aaliyah geschehen.
  2. Mehr als nur das Cover
    Ich kann in den Booklets blättern. Bei vielen digitalen Versionen sehe ich nur das Front-Cover. Physische Formate bieten Musikfans aber mitunter deutlich mehr – zumindest wenn dem Künstler dies wichtig ist.
  3. Verborgene Schätze finden
    Einige Künstler oder Alben finde ich bis heute nicht bei Streaming-Anbietern, kann sie allerdings auf CD kaufen. Ein Beispiel wäre da das letzte Album der Rap-Gruppe »Black Star« oder auch das 2014er Album »The Infamous Mobb Deep« von Mobb Deep.
  4. Alben bewusster hören
    Ich höre Alben wieder bewusster, weil ich nicht mal eben zu einem anderen Album wechseln kann. Ich oute mich als »Skipper« und überspringe häufig Titel oder wechsle schnell zwischen Alben. Das ist bei CDs ein wenig anders, vor allem bei der Kassette, weil man eben spulen muss.
  5. Günstige Gebrauchtkäufe
    Der Markt für gebrauchte CDs ist riesig und oft sind sie richtig günstig. Ich habe mir in den letzten Monaten einige meiner persönlichen Klassiker aus den 1990er- und 2000er-Jahren gekauft und habe teilweise nur zwei Euro für ein ganzes Album bezahlt.

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Meine 5 Nachteile von physischen Medien

  1. Platzbedarf für physische Medien
    CDs, Kassetten oder auch Schallplatten nehmen Platz weg. Vielleicht könntet ihr euch selbst noch an große Kassetten- oder CD-Regale erinnern, die ihr früher im Zimmer stehen hattet. Und vor allem auch unterwegs möchte kaum noch jemand einen ganzen Stapel CDs und Co. mitnehmen. Da ist ein Smartphone oder DAP schon praktischer.
  2. Empfindlichkeit der Medien
    Physische Medien sind empfindlicher. Sie können Kratzer bekommen oder aufgrund der falschen Lagerung Schaden nehmen. Kassetten können irgendwann leiern, CDs oder Schallplatten springen.
  3. Kosten für neue Releases
    Die Taktung neuer Releases ist eng. Wer einen breiten Musikgeschmack hat, findet jede Woche neue Alben. Wer diese neu kauft, kann dafür im Monat viel Geld ausgeben. Im Vergleich dazu ist ein Musik-Streaming-Dienst ein Schnäppchen. Man muss sich also gegebenenfalls etwas einschränken.
  4. Fehlende Möglichkeit zum Hineinhören
    Streaming-Dienste erlauben mir das Hineinhören in neue Alben. Ich kann so schauen, ob sie mir gefallen. In meiner näheren Umgebung gibt es jedoch keine Ladengeschäfte mehr, in denen man CDs oder Platten anspielen kann. Bevor ich mir ein Album physisch kaufe, muss ich also trotzdem den digitalen Weg nutzen, um das zu entscheiden.
  5. Nicht die höchste Audioqualität, keine Dolby Atmos-Mixe
    Bei vielen Streaming-Diensten gibt es inzwischen eine Vielzahl an Alben in Hi-Res-Audioqualität. Diese geht über die einer klassischen Audio-CD hinaus. Hinzukommt, dass viele Alben auch in Dolby Atmos-Abmischung verfügbar sind – also in Surround-Sound. Auch das gibt es bei den klassischen Medien Kassette, Platte und Audio-CD nicht. Hier müsste man zu spezielleren physischen Audio-Formaten wie beispielsweise der SACD (Super Audio Compact Disc) greifen.

Die Frage nach der Zukunft

Das Ganze hat also zwei Seiten, und ich kann verstehen, wenn ihr der Meinung seid, dass physische Medien tot sind und die digitale Musik einfach komfortabler und besser ist. Ich selbst vermisse aktuell das fehlende Musik-Streaming jedoch bislang nicht.

Ich habe viel Spaß an meinen CDs und vor allem an der Kassette – ich nehme sogar selbst wieder Tapes auf, bastele dazu ein Cover und erfreue mich daran. Ob ich dem Musik-Streaming aber deshalb dauerhaft verwehre? Aktuell ist es eher eine persönliche Herausforderung, ein Selbstexperiment.

Langfristig gesehen ist es aber wohl wahrscheinlich, dass ich irgendwann wieder zu einem Streaming-Dienst zurückkehre. Die Vorteile wie bequemer Zugriff auf unzählige Alben, zusätzliche Inhalte und der Komfort, jederzeit neue Musik zu entdecken, sind einfach sehr verlockend. Aber momentan genieße ich das Bewusste und Nostalgische der physischen Medien – und das fühlt sich richtig an.

Wie steht ihr zum Thema Musik-Streaming? Ist es für euch das Nonplusultra oder habt ihr selbst vielleicht schon überlegt, wieder zurück zur CD oder Schallplatte zu wechseln – oder habt ihr das womöglich längst getan? Teilt mir eure Meinung gerne in den Kommentaren mit.

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