Alles auf einem Blick:
- Vertikale Mäuse sollen durch ihre ergonomische Form Beschwerden und Schmerzen von Menschen lindern, die viel am Bildschirm arbeiten.
- In meinen ersten zwei Wochen habe ich mich über geringere Präzision und Genauigkeit im Vergleich zu herkömmlichen Mäusen geärgert.
- Und sind solche Mäuse wirklich gut, um körperliche Beschwerden wie den »Mausarm« anzugehen?
Die Vorteile einer Vertikalen Maus im Gegensatz zur konventionellen Computermaus sind zahlreich. Wenn ihr Suchmaschinen wie Google oder euren Freundeskreis befragt, werden Argumente wie »reduziert Beschwerden und Schmerzen« oder »mehr Präzision bei der Arbeit« angeführt.
Mitmenschen mit vertikaler Maus unterm Handteller predigten mir immerzu die Vorteile der ergonomisch geformten Nager. Als Begründung wurde eine der häufigsten Beschwerden aufgeführt: Der »Mausarm«, im Fachjargon auch »Repetitive Stress Injury« genannt. Durch immer wieder sich wiederholende, gleichartige Bewegungen mit Händen, Armen und Schultern entstehen Schäden an eurem Bewegungsapparat.
Unannehmlichkeiten, von denen ich bisher weitestgehend verschont blieb.
Persönlich nutze ich schon seit geschätzt dem siebten Lebensjahr Computermäuse - zuerst die Kugelmaus, ab dem Jahr 2001 hatte ich meine erste optische Maus von Logitech im Griff. Daran erinnere ich mich punktgenau, weil ich diese damals zeitgleich zum damals neuen Shooter »Red Faction« zum Geburtstag geschenkt bekam.
Seither schubse ich optische Mäuse über Tischplatten. Mal kabellos, mal kabelgebunden, aber immer in der konventionellen Bauform. Aktuell nutze ich, eher auf Zweckmäßigkeit bedacht, die kabelgebundene Logitech G203 Gaming-Maus.
Deswegen war ich Feuer und Flamme, als mit HP freundlicherweise das Testmuster zu einer Vertikalen Maus angeboten hat. Ich habe zugeschlagen.
Jetzt, nach den ersten zwei Wochen mit meiner ersten vertikalen Maus, bin ich angenehm überrascht über das mir bislang fremde Eingabegerät. Zugleich bin ich dezent enttäuscht.
Warum das so ist, erfahrt ihr in meinem nachfolgendem Erfahrungsbericht.
Mein Gerät: Die Vertikale Maus 920 Ergonimic Vertical Mouse von HP
Bei dem mir zur Verfügung gestelltem Testgerät handelt es sich um eine »920 Ergonomic Vertical Mouse«. Die Verpackung verspricht »12 Prozent weniger Muskelaktivität«. Ebenfalls erfreulich: Die Maus besteht zu 65 Prozent aus recyceltem Kunststoff.
Mit der Maus könnt ihr bis zu drei Endgeräte parallel koppeln, also etwa Desktop-PC, Tablet-PC und Laptop. Aufgeladen wird der fest verbaute Akku der Maus via USB-C. Ein passendes Kabel ist im Lieferumfang enthalten.
Schön: Unter den beiden Maustasten befindet sich eine leicht abnehmbare Platte, wo sich der Dongle für die kabellose Verbindung zum PC in einer Halterung befindet. So hat der USB-Stick immer seinen ihm angestammten Stauraum, geht weniger schnell verloren.
Neben der handelsüblichen, mit dem Daumen erreichbare Vor- und Zurücktaste, ist an der »920 Ergonomic Vertical Mouse« übrigens eine weitere Taste angebracht. Diese ist ebenfalls mit dem Daumen zu erreichen. In der Standardeinstellung erfüllt sie die Funktion dieses Shortcuts für Windows:
Windows-Taste + [Tab]
Ihr ruft also via Maus-Tastendruck die Anzeige für alle geöffneten Desktops und Fenster auf. Eine nette Komfortfunktion.
Langer Vorrede, kurzer Sinn: Womit konnte mich nun der senkrecht ausgerichtete Nager überzeugen - und inwiefern wurde ich enttäuscht?
Welche Vor- und Nachteile bietet die Vertikale Maus von HP?
Nach meinen ersten zwei Wochen mit der Vertikalen Maus gab es für mich jeweils einen eindeutigen Vor- und Nachteil. Und bei einem entscheidenden Punkt bin ich noch unentschlossen.
✅ Allgemein waren Haptik und Navigation überaus angenehm. Nur die abnehmbare Handgelenkstütze habe ich anfangs als unnötige Dreingabe empfunden (seht hierzu das Vergleichsbild mit den beiden Mäusen ganz oben).
Nachdem ich jedoch einige Minuten ohne Stützte mit Maus und Cursor über dem Desktop navigiert habe, fällt auf: Ich stützte meinen Unterarmarm ungemütlich auf der Tischkante ab. Also habe ich die magnetische Handgelenkstütze wieder an der Maus befestigt - und siehe da: Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit von maximal einer Stunde belastete ich vorrangig die Stütze, und die Navigation ging auch viel geschmeidiger von der Hand.
Bevor ich selbst eine solche Maus in Händen hatte, bin ich immer - Naivität meiner Außenperspektive - von einer andersartigen Navigation ausgegangen. Aber eine vertikale Maus ist letztlich auch nur eine, nun, optische Maus, die sich halt anders greift.
Daher Entwarnung: Der Wechsel von handelsüblicher Maus zu einer Vertikalen sollte in aller Regel problemlos funktionieren.
⛔ In puncto Präzision, bin ich mit der vertikalen Maus eindeutig langsamer und ungenauer unterwegs. Bei der Navigation auf dem Desktop oder dem Schreiben von Texten bin ich noch recht gut zurechtgekommen. Hier ist der Unterschied zur optischen Maus nur marginal, verschwindet womöglich sogar nach einer bestimmten Eingewöhnungszeit.
Wenn es aber um das exakte Ausschneiden von Bildelementen mit Photoshop ging, habe ich regelmäßig vor mich hin geflucht. Ständig flutsche ich über den gewünschten Bildbereich hinaus, muss meine Auswahl wieder rückgängig machen. Einige Male habe ich hier auf meine optische Maus zurückgegriffen, nur, um schneller arbeiten zu können.
Nach meinem Erleben kann ich mir für professionelle Grafiker, 3D-Artists oder kompetitiver E-Sportler ehrlich gesagt keine Vertikale Maus als favorisiertes Eingabegerät vorstellen - auch, wenn es da draußen sicherlich welche gibt.
Was Gaming angeht, habe ich während meiner zwei Wochen nur einige Stunden mit dem Adventure-Game »Twin Mirror« von Dontnod Entertainment verbracht. Für das gemächliche Gameplay des narrativen Spiels war die Vertikale Maus aber völlig in Ordnung - auch, wenn ich die Mausempfindlichkeit im Spiel auf Anschlag gestellt hatte.
❓ Aber wie ist es um das K.-o.-Kriterium für Vertikale Mäuse bestellt? Die Linderung körperlicher Beschwerden. Vorab: Schmerzen in der Hand habe ich zum Glück, trotz vieler Jahre Bildschirmarbeit, eigentlich keine.
Nach der ersten Woche mit der Vertikalen Maus hätte ich allerdings tatsächlich leichte Schmerzen in meiner rechten Hand. Diese waren nicht unerträglich, hielten auch nur wenige Stunden an, aber dass mir die Maus dort neue Schmerzen aufbürdet, wo vorher keine waren, ist erstmal unangenehm.
Ich schätze, entweder muss sich meine Hand A) an die neue Bauform unter der Handfläche gewöhnen, oder B) es besteht kein Zusammenhang zwischen vertikaler Maus und Wehwehchen. Seither jedenfalls ist der Schmerz zu Glück nicht zurückgekehrt, obwohl ich die vertikale Maus weiterhin nutze.
Werde ich die Vertikale Maus weiter nutzen?
Fürs Erste werde ich im Home-Office weiterhin die »920 Ergonomic Vertical Mouse« verwenden, vor allem auch deshalb, um eine längerfristige Perspektive auf den Fall vertikale Maus zu bekommen. Auch, wenn ich eigentlich zu meiner alten Maus zurück möchte.
Was den Gesundheitsfaktor einer Vertikalen-Maus angeht, kann vermutlich auch die noch so clever geformte Maus nicht die beiden hauptsächlichen Defizite von Bildschirmmenschen ausgleichen: schlechte Körperhaltung vor dem Bildschirm und Bewegungsmangel.
Nachdem mein Zwischenfazit also eher unentschieden, mit einer leichten Neigung zugunsten der konventionellen Maus ausfällt, wäre ich neugierig zu erfahren, ob eine Vertikale Mensch tatsächliche Hand-Beschwerden wie ein »Repetitive Stress Injury« hat lindern können.
Zum Abschluss noch zwei allgemeingültige Binsenweisheiten zu Computermäusen: Ob ihr eine Maus als komfortabel oder ungemütlich empfindet, hängt auch immer von A) der Größe eurer eigenen Hand ab und B) welche Computermaus hier bisher gewohnt seid. Es gilt also: Nicht jede Gerätegröße eignet sich für jede Hand, je nachdem, ob ihr ein filigranes Händchen habt, oder eine grobschlächtige Bärentatze, ums übertrieben zu sagen.
Übrigens: Kaufberatung: Wir stellen euch die besten vertikalen und ergonomischen Mäuse vor
Empfandet ihr meinen ersten Erfahrungsbericht zu der vertikalen Maus als hilfreich, oder seid ist ein solches Gerät in der Vertikalen längst das Mausschubser-Gerät eurer Wahl - und ihr möchtet niemals wieder zu einer anderen Bauform zurück? Oder nutzt ihr vielleicht sogar vollauf zufrieden eine Trackball-Maus? Schreibt uns eure Erfahrungen hierzu gerne in die Kommentare.

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