Neil deGrasse Tyson mag Matrix offenbar sehr.
Einen wissenschaftlichen Einwand verbindet der berühmte Astrophysiker aber bis heute besonders klar mit der Filmreihe: die Idee, Menschen könnten Maschinen als Batterien dienen.
Tysons Punkt ist schnell erklärt
Ein menschlicher Körper gibt Energie ab – und zwar in Form von Wärme, Bewegung und in einem geringen Maße auch bioelektrisch (Letztere gehen irgendwann ebenfalls in Wärme auf). Doch genau an dieser Stelle beginnt das Problem: Energie kommt nicht aus dem Nichts.
Der Mensch muss essen und trinken, damit der Körper überhaupt arbeitet. Wer also erst Energie in einen Menschen hineinsteckt, um sie anschließend wieder aus ihm herauszuziehen, baut im Grunde ein Minikraftwerk mit eingebautem Verlustgeschäft.
Vielleicht ein noch treffenderes Beispiel: Das wäre ungefähr so, als würde man ein Elektroauto nicht direkt an der Wallbox betanken
, sondern mit dem Strom zunächst einen Wasserkocher betreiben und aus dem Wasserdampf wiederum Strom für das Auto erzeugen.
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Wenn die Physik zuschlägt
Hier schlägt die Physik unerbittlich zu.
Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik besagt vereinfacht, dass Energieumwandlungen in natürlichen Prozessen nicht vollständig umkehrbar sind und dass mechanische Arbeit stets mit Verlusten behaftet ist.
Es geht also immer etwas in Form von Wärme verloren. Und genau das macht die Idee aus Matrix so problematisch. Die Maschinen versuchen, nicht den Menschen als Ganzes, sondern vor allem dessen abgestrahlte Wärme als Energiequelle zu nutzen.
Physikalisch wäre das doppelt unsinnig: erst Energie in ein biologisches System zu stecken und anschließend ausgerechnet die Verlustleistung zum eigentlichen Rohstoff zu erklären.
Der Mensch als Batterie wäre also eine denkbar schlechte Lösung. Und Tysons Kritik daran ist mehr als bloßes Nörgeln am Rande, weil sie auf eine der grundlegenden Ideen des Matrix-Universums abzielt.
Die eigentliche Schwäche der Matrix
Im ersten Teil erklärt Morpheus, der menschliche Körper erzeuge mehr Bioelektrizität als eine 120-Volt-Batterie und dazu noch erhebliche Mengen Körperwärme. Tyson zufolge kommen so rund 80 Watt Leistung zusammen.
Zwar erwähnt der Film auch, dass die Energiegewinnung mit einer Form von Fusion
kombiniert werde, aber das wäre ebenso unsinnig. Die Botschaft bleibt dennoch klar: Der Mensch wird vor allem als Energiequelle inszeniert.
Wissenschaftlich ist das angreifbar. Als Metapher funktioniert es noch immer erstaunlich gut.
Warum es trotzdem funktioniert
Matrix will keine Vorlesung über Thermodynamik sein. Der Film baut jedoch ein starkes Bild auf: Menschen leben in einer künstlichen, virtuellen Welt, während sie eigentlich von einem System ausgebeutet werden.
Dass dieses System sie wortwörtlich als Batterien behandelt, ist dabei weniger Physik als Metapher. Es ist ein Bild, das jeder sofort versteht und das bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.
Darum verzeiht Tyson der Matrix-Reihe diesen naturwissenschaftlichen Fehler offenbar auch. Er benennt den physikalischen Widerspruch, akzeptiert ihn aber als dramaturgischen Kunstgriff.
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Mehr Metapher als Physik
Womöglich macht gerade das Matrix zum Kultfilm: Selbst dort, wo die Physik nicht ganz so streng genommen wird, inspiriert die Idee dahinter bis heute.
Menschen taugen nicht als Batterien. Aber als Bild für Ausbeutung, Entfremdung und Abhängigkeit funktioniert diese Idee hervorragend.

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