Spiele entwickeln geht dank KI jetzt sogar ohne Code-Kenntnisse

Eine KI-Technik namens Codex verwandelt gewöhnliche Sprache in ausführbaren Code. So kann theoretisch jeder Mathemuffel eigene kleine Spiele entwickeln.

von Christian Just,
22.09.2021 17:46 Uhr

Eine Open-AI-Technik produziert Code aus simplen Anweisungen. Eine Open-AI-Technik produziert Code aus simplen Anweisungen.

Faszinierend und vielversprechend: Eine neue KI-Technik namens Codex verwandelt simple englischsprachige Befehle in waschechten Code! Das ermöglicht es Nutzern, eigene Programme, Websites oder sogar Spiele zu entwickeln, ohne tatsächlich selbst programmieren zu müssen.

OpenAI Codex basiert auf dem Sprach-Model GPT-3 (Generative Pretrained Transformer), dessen Vorgänger zum Beispiel mit einem intelligenten Text-Adventure von sich reden machte. Dieses Model setzt Deep Learning ein, um im Fall von Codex »Milliarden Zeilen Code von öffentlich zugänglichen Quellen« zu lernen. So erlangte die KI die Kompetenz, in Python, Javascript und einem Dutzend weiteren Programmiersprachen zu coden.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen, vor allem wenn Nutzer in der Lage sind, ihre Anweisungen in klarem und präzisem Englisch zu formulieren. Der YouTuber »Joy Of Curiosity« entwickelte mit Javascript auf diese Weise eine kleine Pong-Version für Einzelspieler, wie sein Video zeigt:

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Dabei nahm der Nutzer allerdings einige händische Anpassungen am Code vor – eine Funktion, die die Sandbox-Benutzeroberfläche von Codex ebenfalls ermöglicht. Die Änderungen betrafen vor allem die Größen erstellter Objekte, was mit etwas Ausprobieren auch für Neulinge kein Problem darstellen dürfte.

Noch in den Kinderschuhen

Die Implikationen von Codex sind durchaus spannend: Überlegt man sich, wie viel besser die KI-Technik im Laufe der Jahre werden könnte, rücken vielleicht komplexe Spiele in Zukunft auch ohne jegliches Programmierwissen in den Bereich des Möglichen.

Derzeit steht Codex aber noch ganz am Anfang. Wie die Entwickler von OpenAI in einer Präsentation erklären, erreicht die aktuelle Version ihres Tools eine Treffgenauigkeit von 37 Prozent beim Lösen von Problemstellungen:

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Die beeindruckenden Leistungen von GPT-3 und Co. lösen auch immer wieder Besorgnis bei betreffenden Berufsgruppen aus. Einen versierten Entwickler kann Codex zwar (noch) nicht ersetzen, jedoch entwickelt sich die Technik rasch weiter. Auch berufsmäßige Schreiber könnten in Zukunft stärker Konkurrenz durch KIs bekommen, schließlich verfassen Sprach-Models bereits Texte, die kaum von menschlich verfassten Artikeln zu unterscheiden sind, etwa im Sportjournalismus.

Die Closed Beta von Codex läuft seit August 2021. Wer jetzt selbst Lust bekommen hat, Codex mal auszuprobieren, kann sich auf der offiziellen Website um Zugang bewerben.

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