Ich habe die Zukunft des Kinos gesehen und bin immer noch sprachlos – so gut ist Dolby Atmos + Vision

Bremen bietet seit neuestem das wohl immersivste Kino-Erlebnis Deutschlands. Unser Autor hat es getestet. Da blieb vor allem eines im Gedächtnis: Schwärze

(Bildquelle: Unsplash, Geoffrey Moffett und Dolby) (Bildquelle: Unsplash, Geoffrey Moffett und Dolby)

An so viel Schwarz könnte ich mich gewöhnen. Ich sitze in einem Kinosaal, wie ich ihn bis heute noch nie betreten hatte. Kein Wunder: Das Cineplex Cinespace Bremen beherbergt einen Saal, den es so nur sechsmal in Deutschland gibt. Er kombiniert zwei Highend-Technologien für Sound und Bild: Dolby Vision + Atmos.

Zuletzt gewann die Kombo sogar den »Academy Scientific and Technical Award« – quasi der Technik-Oscar, vergeben durch die »Academy of Motion Picture Arts and Sciences« bezeichnen.

Das Versprechen: brilliante Farben, nahezu perfektes Schwarz, extreme Helligkeit und entsprechend bisher für Kinos unerreichter Kontrast.

Die Kinos rüsten hier derweil nicht aus bloßer Freude an Hightech auf, ganz im Gegenteil: Es geht um die Zukunft einer Branche, die sich nach der Covid-Pandemie langsam wieder berappelt, das Ziel: verlorenen Boden gegenüber den Streaming-Dienste gutmachen und ihren Platz für die Zukunft zementieren, der Weg: die kompromisslose Suche nach dem ultimativen Kinoerlebnis. Pracht und Farbgewalt fordern indes einen Preis - und den zahlen die Besucher. Ist er es wert?

Was haben wir gesehen und wer hat dafür bezahlt?

Das Cineplex Cinespace Bremen hat unseren Autor eingeladen. Bei dem Pressetermin wurde ihm die Technik ausführlich mit Beispielclips vorgeführt. Zum Abschluss sah er den Film »Minions & Monster« – begleitet von kinotypischer Verpflegung. Die Anfahrt aus einem Nachbarstadtteil Bremens zahlte der dort heimische Autor selbst.

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Schwarz und weiß und rundum Klang

Ambiente, Sitze, Essen, Sound und Bild – auf diese Aspekte lässt sich abseits des Films ein Kinobesuch herunterbrechen. Dolby Vision + Atmos umfasst als neuer Standard für Premiumkinosäle exakt drei dieser Felder. Sound, Bild und Ambiente. Wobei letzteres rein technische Aspekte betrifft, das Design obliegt den Kinobetreibern. Doch bei Ton, Projektion und Abdunkelung des Saals wird nichts dem Zufall überlassen.

Sie stimmen alle Parameter genau ab. Sowohl Anordnung der Lautsprecher an Wänden und in der Decke als auch Leinwand und Reflexionsvermögen der Einrichtung im Saal muss den Anforderungen entsprechen. Denn nur so kann der neue Laserprojektor namens Christie E3LH Dolby Vision Cinema Projection System das extrem kontrastreiche Kinobild projizieren. Passt alles, entfaltet sich nach Angaben des Herstellers folgendes Technikspektakel:

  • Kontrastwerte erreichen bis zu 1.000.000:1, verglichen mit 3000:1 bei klassischen Xenon-Projektoren. Bei letzteren liefert eine Xenon-Lampe das Licht für die Projektion, bei Laserprojektoren stammt es aus Lasern, die je einen Farbbereich abdecken: rot, grün und blau. Mithilfe präziser Lichtmodulation durch winzige Mikrospiegel zeichnet der Laserprojektor aus den drei Grundfarben das Kinobild. Die geringste Helligkeit fällt bei ihm 1.000.000-Mal fahler aus als der hellstmögliche Punkt auf der Leinwand – das ist der Kontrast, den wir sehen. Laser erreichen dies dank deutlich höherer Helligkeitsmaxima sowie – Minima. Sie lassen sich schlicht deutlich stärker dimmen. Wirklich null, wie bei OLED-Schirmen, wo ein Pixel wirklich abschaltet, ist auf einer Leinwand technisch unmöglich – aber eben eine Annäherung daran.
    • Hierdurch bietet Dolby Vision extrem tiefes Schwarz. Pures Sonnenlicht erreicht auf der Leinwand demnach eine Strahlkraft, die sich deutlich von Lichtlosigkeit abhebt.
  • Anstatt auf Kanäle (Stereo, 5.1, 7.1, etc.) setzt Dolby Atmos auf objektbasiertes Audio für räumlichen Klang. Stellt es euch so vor: Das Sounddesign basiert auf einem 3D-Koordinatenraum, quasi einer rechteckigen Box. Das ist der Kinosaal.
    Alles, was im Film einen Tom auslöst – egal, ob Sprache, eine Explosion, ein Auto oder auch ein Vogel – wird parallel zur Szene auf der Leinwand in dieser Soundbox platziert. Maximal handhabt das System zeitgleich 118 Objekte. Alles Hörbare kann durch das Bild verfolgt und so gleichzeitig auch im Kinosaal lokalisiert werden. Das simpelste Beispiel wäre ein Flugzeug, das quasi aus dem Schirm hinaus über die Köpfe des Publikums fliegt. Dolby Atmos malt dessen Soundspur über die (in Bremen) 62 physischen Lautsprecher in Decke sowie in allen vier Wänden akkurat und live in den Kinosaal.
    • Kanalbasierte Systeme nähern sich den Effekten nur an, indem sie je nach Situation die Lautsprecher einzeln ansteuern. Sie regeln vereinfacht ausgedrückt nur die Lautstärke je nach Position rauf oder runter – und das sehr schnell und akkurat. Letztendlich bleibt es aber eine clever zusammengestellte und abgestimmte Wand aus Schall, die aus unterschiedlichen Richtungen variabel dick hereinbricht. Objektbasierter Sound ordnet jedem Geräusch jederzeit eine exakte Position im Raum zu. Das entspricht bildlich eher 118 von der Decke hängenden, im Raum beweglichen Glocken, bei denen jede individuell erklingen kann.

Dolby Cinema

Von den mehr als 10.000 Sälen weltweit, die bereits Dolby Atmos einsetzen kommen viele auch für Dolby Vision infrage. Bisher gibt es in Deutschland nur eine weitere Spielstätte, die diese Kombination bietet.

Vier weitere Säle dürfen sich hingegen sogar Dolby Cinema nennen. Wobei technisch betrachtet, existiert Dolby zufolge keinem Unterschied zwischen ihrem Markenprodukt und den Kinos, die beide Techniken zugleich einsetzen.

Bei den namentlich hervorgehobenen Stätten, kommt schlicht ein Designelement hinzu, um sie abzuheben – kurzum: Jedes Dolby Cinema sieht weltweit von den Sitzen bis zur Wandgestaltung nahezu identisch aus. Das umfasst zuvorderst Faktoren wie Bestuhlung, Eingangsbereich und versteckte Lautsprecher.

Wenn aus Zahlen Erlebnis wird

Sobald Düsternis über den Saal hereinbricht, erwecken Projektor und Lautsprecher bloße Technikfinesse und Zahlen zum Leben. Über vier Clips zu Filmen aus unterschiedlichen Genres und dem neuen Animationsfilm »Minions & Monster« hinweg, sehe, spüre und begreife ich die Zukunft des Kinos.
Besonders blieb mir persönlich »F1« in Erinnerung, vor allem da ich ihn bereits als normale Version ohne Dolby Atmos und Vision kannte. Es sog mich innerhalb von Sekunden in einen wuchtig dröhnenden, brillanten Farbrausch. Sowohl räumlicher Ton als auch die vom Feuerwerk jäh zerrissene Nacht der Eingangssequenz in Daytona beeindrucken mit Klarheit und Kontrast.

Vor allem die extreme Schwärze wirkt, da sie Tiefe erzwingt und selbst minimalen Momenten von Licht eine Bühne bereitet. Der Kontrast ist sichtbar, nicht bloße Angeberei mit Zahlen. Ich würde gerne ab jetzt jeden Kinofilm so genießen – und die Chancen stehen nicht schlecht.

Denn ausreichend Angebot vonseiten der Verleiher gibt es: Derzeit existieren mehr als 800 Spielfilme als Versionen für Dolby Vision und Dolby Atmos. Weitere erscheinen 2026, darunter quasi alle großen Blockbuster wie der Abschluss der Dune-Trilogie.

Auch wenn das Premiumformat vor allem neu gedrehte Filme in die Kinos bringt, könnten laut Dolby auch teils Jahrzehnte alte Werke davon profitieren. Es komme schlicht auf das Rohmaterial in den Archiven der Studios an. Wenn die Soundaufnahmen und noch vorhandenen Filmrollen physischer Negative in hoher Qualität und in gutem Zustand vorlägen, reiche eine gründliche Abtastung und Neubearbeitung.

Minions & Monster
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Wer hören möchte, ob mir »Minions & Monster« gefallen hat… Ja, Optik und Sound der neuen Technik-Kombi überzeugen auch hier. Aktion und Handlung entrissen mir derweil jeglichen Rest an Glauben, noch jung zu sein – denn dafür bin ich mit 40 wirklich zu alt. Aber der Film hakt alle Boxen ab, die die Zielgruppe wünscht: wild, skurril, charmant und humorvoll – schlicht eine toll animierte Parade an Albernheiten mit der richtigen Menge Gewitztheit und Gefühl.

Eine Wette auf die Zukunft des Kinos

Dolby Atmos + Vision steht für Kinobetreiber Björn Burmester für weit mehr als nur einen tollen Kinosaal. Für ihn und seine Familie, die das Kino seit 23 Jahren betreibt, braucht es das ultimative Kinoerlebnis mehr denn je. Nur langsam erholt sich die Branche von der Covid-Pandemie, wo die Zahlen von zuletzt meist um die 120 Millionen pro Jahr auf 38 in 2020 und 78 Millionen im Folgejahr einbrachen. Seit 2023 liegen die Zahlen bei etwa 90 Millionen pro Jahr – hoffnungslos weit entfernt von früheren Bestwerten jüngerer Zeit (2001: 178 Millionen).
Für Nerds: Ihren historischen Höhepunkt erreichten die Ticketverkäufe übrigens 1956 mit 818 Millionen (via spio).

Hightech begräbt 3D:

Das neue Kino büßt mit dem Upgrade auf Dolby Atmos + Vison derweil eine Fähigkeit ein: 3D. Von dieser Investition hat das Cineplex in Bremen abgesehen, der Grund: Der Anteil von 3D Karten liegt deutlich unter zehn Prozent, erläutert Björn Burmester. Zudem nehme das Angebot an 3D-Filmen fortwährend.

Kinos müssen sich laut Burmester schlicht durch die gebotene Qualität vom Streaming oder allgemein dem Heimkino abheben: »Wir reinvestieren die Einnahmen regelmäßig in unser Kino, um unseren Gästen das bestmögliche Erlebnis dank der weltweit fortschrittlichste Projektions- und Tontechnik zu bieten«, betont der Kinochef in zweiter Generation.

Für ein Ticket gilt es demnächst mehr zu berappen. Im Cineplex in Bremen zahlt ein Erwachsener demnächst fünf Euro Aufschlag bei Filmen in dem Saal, Kinder etwas weniger. Diese Höhe dürfte als Richtwert deutschlandweit greifen, denn Kinos operieren allerorts mit sehr ähnlichen (geringen) Gewinnmargen bei Tickets.

Dennoch: Kunden dürfen sich ärgern, aber sollten ein gewisses Maß an Verständnis mitbringen. Denn obschon Burmester nicht verrät, wie viel der Umbau des Saales Nr.1 mit fast 400 Sitzplätzen zu Dolby Vision + Atmos genau gekostet hat, spricht er von einem siebenstelligen Betrag.

Ich empfinde deshalb den Aufpreis durchaus als gerechtfertigt – solange Kinos auf der Suche nach Alleinstellung nicht über den Preis noch weiter ausufern. Der durchschnittliche Preis auf normalen Plätzen für Erwachsene sollte der 20 Euro deutlich fernbleiben – »Minions & Monster« liegt bei 16,90 Euro.

Das Doppelpaket von Dolby verdient unterdessen tatsächlich die Aufmerksamkeit. Mir fallen eine Vielzahl von Filmen ein, für die ich ohne zu zögern erneut ins Kino gehen würde, um sie auf diesem Niveau erneut zu erleben – denn ich sehe gerne schwärzer als jemals zuvor. Im neuen Schwarz steckt reichlich Licht für den Filmgenuss von heute und morgen.



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