Der Pile of Shame
dürfte vielen von euch ein Begriff sein: Ein über die Jahre unaufhörlich wachsender Stapel an Spielen, die man eigentlich spielen wollte - dann aber links liegen gelassen hat.
Auch bei mir hat sich im Laufe der Zeit ein solches digitales Sammelsurium angesammelt, was zu einem weiteren, wohlbekannten Phänomen geführt hat: der Unfähigkeit, sich zu entscheiden. Statt neue Spiele zu starten, scrollte ich nur noch unentschlossen durch meine Spielebibliothek, um Steam und Co. kurz darauf wieder zu schließen und im Internet zu surfen. Nach und nach verlor ich so beinahe ganz den Spaß am Spielen.
Nachdem ich im Sommer 2019 mehrere Wochen keinen der Titel angerührt hatte, auf deren Release ich mich zuvor teils monatelang gefreut hatte, wusste ich: Es muss sich was ändern! Knallhart würde ich mir künftig vorschreiben, welche Titel ich in welcher Reihenfolge angehen würde. Und da ich zu diesem Zeitpunkt die Produktivitäts-App Notion bereits für so ziemlich alle organisatorischen Aufgaben meines Lebens nutzte, wollte ich auch meinen Spiele-Plan in der App organisieren.
Mittlerweile bin ich in vielen Bereichen zu anderen Organisations-Alternativen gewechselt. Mein Spiele-Backlog manage ich aber noch heute mit Notion, denn hier hat sich die Software für mich als wahre Goldgrube erwiesen.
Was ist Notion und wie funktioniert es?
Produktivitäts- und Organisations-Apps gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Notion sticht aber aus der Masse der Angebote mit seinem schieren Umfang an Möglichkeiten heraus. Die App richtet sich eigentlich an Unternehmen, die über die Plattform Projekte und Ziele managen können. Als Privatanwender kann man Notion aber genauso gut nutzen - und zahlt dabei keinen Cent. Die App gibt es im Web und als Download-Version für iOS, Android, Mac und Windows.
Notion besteht dabei aus einzelnen Seiten, die man aus vorgefertigten Templates oder von Grund auf erstellt. Die Seiten wiederum bestehen aus einem oder mehreren Blöcken. Ein Block kann dabei zum Beispiel Text oder ein Bild enthalten, aber auch komplexere Inhalte wie eingebettete Maps oder Datenbanken.
Vor allem Letztere sind das Herzstück der App und der Grundstein, auf dem mein Spiele-Management in Notion basiert.
Den Pile of Shame
mit Notion besiegen - meine ersten Schritte
Wie bei jedem anständigen Neuanfang galt es zuerst, sich von Altlasten zu befreien und für ein gewisses Maß an Ordnung zu sorgen. Ich erstellte also eine simple Datenbank in Notion, die nur einen einzigen Datensatz namens Titel
enthielt, und machte mich ans Aussortieren.
Systematisch ging ich durch jede meiner Spielebibliotheken und übertrug die Spiele, die ich wirklich noch spielen wollte, in meine Notion-Datenbank. Das Endergebnis: rund 200 Spiele, die ich in den kommenden Jahren wirklich nachholen wollte.
Solch große Zahlen dürften vielen von euch bekannt sein, wie unserer Umfragen jüngst enthüllte:
Damit mein Spiele-Backlog währenddessen nicht noch weiter wachsen würde, wiederholte ich denselben Schritt noch einmal mit meinen Wunschlisten. Künftig würde ich nur noch Spiele kaufen, die sich in meiner Notion-Datenbank befanden und gleichzeitig mindestens 80 Prozent reduziert angeboten wurden.
Um gekaufte Spiele und Wunschlisten-Titel auseinanderhalten zu können, erweiterte ich meine Datenbank um einen zweiten Datensatz mit dem Namen Status
und vergab die Kategorien Backlog
und Wishlist
. Wo ich schon dabei war, fügte ich zudem die Begriffe Unreleased
und Gespielt
sowie die entsprechenden Einträge meiner Datenbank hinzu. Außerdem vergab ich vorsorglich den Status Wird gespielt
, um künftig auszeichnen zu können, welches Spiel ich mir gerade vorgeknöpft hatte.
Damit hatte ich den Wildwuchs meines Pile of Shame zwar eingedämmt, der Entscheidungsschwäche war ich aber noch nicht zu Leibe gerückt. Welches Spiel sollte ich zuerst spielen? Ich entschloss mich, mit dem kürzesten Titel anzufangen und mich dann zu längeren Exemplaren hochzuarbeiten.
Das hätte gleich zwei Vorteile: Nach mehreren Wochen des Nicht-Spielens könnte ich schnell wieder ein Erfolgserlebnis in Form eines laufenden Abspanns haben. Und obendrein würde mein Backlog so schnellstmöglich kleiner werden, was ebenfalls meiner Entscheidungslähmung helfen würde.
Ich fügte meiner Datenbank also einen weiteren Datensatz mit der Bezeichnung Dauer
hinzu und vergab jedem Titel mithilfe der Website HowLongToBeat eine geschätzte Spieldauer. Und dann … spielte ich nach mehreren Wochen Pause und einer Handvoll Stunden Arbeit in Notion das erste Mal wieder einen Singleplayer-Titel.
Wenn euch das Konzept der App überzeugt und ihr euer eigenes Spiele-Backlog in Notion anlegen wollt, findet ihr im folgenden Video eine Anleitung für die ersten Schritte.
4:15
Erste Schritte: So baut ihr euer eigenes kleines Spiele-Backlog in Notion
Eine Retrospektive nach drei Jahren
Seit ich mit Notion begonnen habe, meine Spielebibliotheken gesammelt zu managen, sind rund drei Jahre vergangen. Seitdem sind sowohl meine Spiele-Seite in der App als auch die Datenbank noch weiter angewachsen.
Ich zeichne jetzt etwa aus, auf welcher Plattform ich ein Spiel besitze und wann ich einen Titel durchgespielt habe. Zudem habe ich meinem Spiele-Backlog ein ansprechenderes Design verpasst und statte Spiele mit Coverbildern aus.
Natürlich kostet das ganze Projekt Zeit. Wöchentlich verbringe ich rund eine Viertelstunde damit, mein Notion-Backlog zu pflegen. Das ist sicher nicht für jeden etwas, macht mir als Excel-Datenblatt-Nerd aber mittlerweile fast genauso viel Spaß wie das Zocken selbst.
In den drei Jahren habe ich rund 80 Titel durchgespielt, die sich zuvor auf meinem Pile of Shame befanden. Der ist dank Neuzugängen zwar immer noch ziemlich groß, mit etwa 150 Spielen aber immerhin schon ein gutes Stück kleiner als zum Start.
Mir ist es inzwischen ins Blut übergegangen, mithilfe meines Notion-Backlogs zu überlegen, was ich als Nächstes spielen möchte. Erfolgloses Scrollen durch Steam, itch.io und Co. gehört für mich der Vergangenheit an - ebenso wie negative Gedanken, weil die Spiele, für die ich mein hart erarbeitetes Geld ausgegeben habe, ungespielt in der Ecke verstauben.
Derart rigorose Systeme und Regeln, wie ich sie meinem Hobby mit Notion auferlegt habe, sind sicher nicht für jeden geeignet. Aber wenn euch ebenfalls der Pile of Shame die Lust am Spielen nimmt, gibt es noch andere Tipps und Tricks, mit denen ihr dem verdammten Stapel den Kampf ansagen könnt. Meine Kollegin Natalie hat sich in ihrem großen Plus-Report viele dieser Tipps selbst angeschaut und mit Psychologen über das Thema gesprochen.
Habt ihr selbst schon einmal mit dem berüchtigten Pile of Shame zu kämpfen gehabt? Wie seid ihr ihm beigekommen? Nutzt ihr vielleicht selbst eine App oder Software, um die Übersicht über euren Backlog zu behalten? Schreibt uns eure Tipps und Tricks gerne in die Kommentare!
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