Tech-YouTuber kritisiert großen PC-Hersteller: Nach tagelangen Diskussionen muss sich sogar der CEO entschuldigen

YouTube-Kanal Gamers Nexus bezichtigt NZXT eines »betrügerischen Abomodells«. Worum es bei der Diskussion rund um das Flex-Programm geht und wie die Parteien reagieren, zeigen wir in der folgenden Übersicht.

Gamers Nexus ist dafür bekannt, gerne auch scharf gegen PC-Hersteller zu schießen. Gamers Nexus ist dafür bekannt, gerne auch scharf gegen PC-Hersteller zu schießen.

Seit Anfang des Monats wird die Tech-Bubble von einer riesigen Diskussion rund um einen Hardware-Hersteller durchgerüttelt. Erneut ist der von Steve Burke geführte Tech-Kanal »Gamers Nexus« der Auslöser.

Burke hatte schon im vergangenen Mai hanebüchene Reparaturkosten bei Asus moniert und war auch Teil des monatelangen Ratespiels rund um Intels Instabilitätsprobleme der 13. und 14. CPU-Generation; Gamers Nexus zählt mit rund 2,35 Millionen Abonnenten zu den renommiertesten Kanälen auf YouTube.

Im aktuellen Fall ist das US-amerikanische Unternehmen NZXT ins Visier der Kritik geraten. Der Hersteller ist vornehmlich für Netzteile, Gehäuse und CPU-Kühler bekannt. Auf die neue Reputation hätte man dort aber sicherlich gerne verzichtet: Burke bezeichnet ein NZXT-Programm zum Mieten von Fertig-PCs als »betrügerisch und räuberisch«.

Der Vorwurf: »NZXT zockt uninformierte Verbraucher ab«

Am 1. Dezember 2024 veröffentlichte der YouTube-Kanal Gamers Nexus ein rund einstündiges Video, das den gesamten Stein ins Rollen brachte. Der Titel hat es gleich in sich: »Kauft nicht bei NZXT«. Schon in der Videobeschreibung wird Gamers Nexus sowohl präziser als auch noch offensiver:

  • Das aus mehreren Modellen bestehende »NZXT Flex«-Programm zum Mieten von Komplett-PCs vertausche regelmäßig Komponenten sowie deren Bezeichnungen und erfülle so die Kriterien für ein Lockvogelangebot.
  • In den Werbematerialien auf der NZXT-Webseite würden falsche Angaben getätigt, indem etwa objektiv und nachweislich falsche Benchmarks platziert werden.
  • Zudem zwinge NZXT seiner Kundschaft »unterdrückende Servicebedingungen« auf. Als Beispiel werden Bestimmungen zum Schadensersatz genannt, die stark zum Nachteil der Kunden ausfallen sollen.
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Das steckt laut NZXT hinter dem Flex-Programm

Eine relevante Information für uns hierzulande: NZXT führt das Flex-Programm nicht in Deutschland. Nach den Turbulenzen der vergangenen Tage ist vorerst auch davon auszugehen, dass sich daran so schnell nichts ändert.

Sollte das Flex-Portfolio dennoch einmal zu uns gelangen, sähe das Angebot vermutlich ähnlich wie die aktuellen US-Bedingungen aus:

  • NZXT verspricht für eine monatliche Abogebühr von mindestens 59 US-Dollar einen brandneuen Gaming-PC ohne weitere Verpflichtungen.
  • Die PC-Hardware wird alle zwei Jahre, die man als Flex-Abonnement verbringt, auf den neuesten Stand der Hardware gebracht.
  • Zudem gebe es weder Stornogebühren noch anfallende Kosten bei etwaigen Reparaturen.

Für Gamers Nexus ist das gesamte Flex-Programm ein einziger Schwindel

Wie ihr euch inzwischen sicher denken könnt, hält Gamers Nexus das Flex-Programm für wesentlich weniger kundenfreundlich, als es NZXT beschreibt. Schon die Kundenbewertungen, die NZXT zur Werbung der Flex-Abonnements prominent platziert, seien schlicht gefälscht.

Auch die Abonnementgebühren, die der Hersteller für solche PCs verlangt, tragen einen wesentlichen Teil zur vernichtenden Kritik bei. So hat Gamers Nexus eigenen Angaben zufolge selbst an dem Programm teilgenommen und einen solchen PC abonniert.

  • NZXT habe bereits im zweiten Abo-Monat den Preis erhöht. Kurioserweise erfolgte diese Erhöhung im zeitlichen Umfeld des Black Friday, an dem dann wiederum mit »großartigen Rabatten« geworben würde – in Form von minderwertiger Peripherie.
  • Solche Preisschwankungen seien teilweise im Tagesrhythmus erschienen und beliefen sich in der Regel auf einen Aufschlag von zehn US-Dollar pro Monat.
  • Auch sei nicht garantiert, dass es sich bei den verbauten Komponenten um Neuware handelt: Teilweise würde bei den PCs von »wie neu« gesprochen, was die Option gebrauchter Refurbished-Ware offen hält.
  • Ebenfalls kritisch seien die Datenschutzbestimmungen: NZXT könne »unwiderruflich alle Bilder, Videos, Textnachrichten oder Audioaufnahmen verwenden und verbreiten«, die dem Anbieter im Zuge des Abonnements oder der Dienstleistung zuteilwerden.

Ebenso wird der Täuschungsvorwurf im Hinblick auf den eigentlichen Rechner laut: So existiert der »Player: Three Prime« genannte PC sowohl als Kauf- als auch als Mietoption:

  • Der Rechner zum Direktkauf verfügt der Produktbeschreibung zufolge über eine Nvidia RTX 4090, während das Abo mit der RTX 4080 Super das darunterliegende GPU-Modell führt.
  • Zwischen den beiden Grafikkarten besteht ein Performanceunterschied von rund 30 Prozent, ohne dass Kunden darauf aufmerksam gemacht würden.
  • Auch CPUs wären von solchen, nicht direkt sichtbaren Änderungen der Produktbeschreibung betroffen. Der »Player: Two« genannte PC unterscheide etwa in der Kauf- und Mietvariante zwischen einem Ryzen 5 7600X und einem Ryzen 5 5600X.

Ebenso wie beim Preis können sich die PC-Spezifikationen laut Gamers Nexus tagtäglich ändern. In beiden Fällen sei das Flex-Programm also als klassisches »Lockvogelangebot« zu sehen. Für den Hersteller wäre der Vorteil recht simpel in einer höheren Gewinnmarge zu verorten.

Insbesondere uninformierte Verbraucher würden hingegen über den Tisch gezogen, da die angegebenen Benchmark-Werte mindestens geschönt seien. Die schiere Unübersichtlichkeit an Optionen und bewusst stetig ändernden Spezifikationen und Preisen tue ihr Übriges, um nicht ganz so gut informierte Kunden anzulocken und mit minderwertigen Angeboten zu höheren Preisen »auszustatten.«

  • Gamers Nexus zieht aus dieser Untersuchung direkt Konsequenzen: Man werde nie wieder Werbung für NZXT schalten; Produkttests würden im Sinne der Objektivität weiterhin durchgeführt.
  • Damit ist NZXT der erste und bislang einzige formal ausgesprochene »Permaban«, den der YouTube-Kanal in seinen Werberichtlinien führt.

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Die Antwort: »Es tut uns leid, aber wir müssen auch ein paar Dinge klarstellen«

Es hat ein paar Tage gedauert, ehe sich NZXT mit einer Gegendarstellung zu Wort meldete. Am 5. Dezember trat NZXT-Gründer und CEO Johnny Hou vor die Kamera, um auf »eure Sorgen eingehen« zu können. Zeitgleich ist auch eine umfangreiche Textmitteilung an die Community auf der offiziellen Webseite erschienen.

  • So wolle NZXT die Bezeichnungen zwischen gekauften und gemieteten Gaming-PCs deutlicher kennzeichnen, um Missverständnisse zu vermeiden.
  • Auch die Datenschutzbestimmungen wurden überarbeitet. Nun findet sich eine Klarstellung, dass NZXT keine Kundendaten verkauft.
  • Zu den täglich wechselnde Spezifikationen hat Hou eine Erklärung parat. Demzufolge ändere sich täglich die Verfügbarkeit bestimmter Teile, sodass NZXT dazu gezwungen sei, die Angaben regelmäßig zu prüfen und zu ändern. Warum dann aber die von Gamers Nexus monierten falschen Benchmarks stehenbleiben, wird nicht angesprochen.

Auch Influencer, die für NZXT Flex Werbung betrieben, werden im Video erwähnt. Diese haben zum Teil »Aussagen getätigt, die nicht der Wahrheit entsprachen«. Infolgedessen werde NZXT vorläufig alle Werbekampagnen zum Flex-Programm auf Eis legen.

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Die Kommentare unter dem YouTube-Video nahmen Hou diese Entschuldigung nicht ab: »Wenn ich richtig gezählt habe, hatte dieses Video 55 Jump Cuts in sechs Minuten. Großer Gott … und Sie haben nichts angesprochen.«

Auch auf Reddit, das schon kurz nach dem GN-Video nur beißende Häme für NZXT übrig hatte, blieb man weitestgehend unbeeindruckt von der kurzen Entschuldigung. Viele User kündigen einen grundsätzlichen Boykott der Firma an und zeigten sich gespannt auf eine Antwort seitens Gamers Nexus.

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Wir haben NZXT um ein Statement zu den von Steve Burke geäußerten Vorwürfen gebeten. Von einer weiteren Stellungnahme sieht das Unternehmen in seiner Antwort ab und verweist stattdessen auf einen Blogbeitrag vom 04. Dezember. Darin werden die von Hou im obigen Video angesprochenen Punkte noch einmal aufgegriffen.

Die Retourkutsche: »Kunden werden noch immer getäuscht«

Die Antwort durch Gamers Nexus ließ nicht lange auf sich warten. NZXT habe zwar eine Vielzahl der täuschenden Beschreibungen auf den Produktwebseiten geändert, doch seien noch immer einzelne Widersprüche zu finden.

Der angesprochene Player: Three Prime PC etwa wurde zum Zeitpunkt des neuen GN-Videos noch immer mit einer RTX 4090 beworben, während tatsächlich weiterhin die RTX 4080 Super enthalten sei. Entsprechend würden Kunden noch immer getäuscht werden:

Die Tatsache, dass NZXT sein Produkt als 4090 darstellt, obwohl es immer noch eine 4080 Super hat, […] zeigt, dass selbst NZXT nicht bei seinen eigenen Spezifikationsänderungen hinterherkommt. Wenn NZXT nicht mithalten kann, […] wie soll der Kunde da mithalten können?

Auch die von NZXT formulierte Kritik an Influencern ließ Gamers Nexus nicht unkommentiert stehen. Auf der ursprünglichen Webseite zum Flex-Programm hätten sich sinngemäß identische Aussagen zum Abonnement wie bei erwähnten Influencern gefunden – deren Videos immer noch online sind.

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Das letzte Wort ist nicht gesprochen

Dass die Debatte rund um NZXT demnächst zum Ende geführt wird, scheint unwahrscheinlich. Denn in obiger Retourkutsche erwähnt Gamers Nexus zum Abschluss auch, dass man eine »Reihe an sehr besorgniserregenden Hinweisen von ehemaligen Mitarbeitern und Kunden« erhalten habe und sich diesen widmen werde.

Ob diese sich explizit um das Flex-Programm drehen oder weitere Ungereimtheiten bei NZXT auffallen, geht indes nicht direkt aus dieser Ankündigung hervor.

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