Prozessor für 1.400 Euro: Was macht ihn besonders und lohnt sich das überhaupt?

Der bekannter Overclocker Roman Hartung alias der8auer hat sich eine CPU für 1.400 Euro gekauft, um die Frage zu klären, warum sie so teuer ist und ob sich das lohnt.

von Kay Nordenbrock,
04.03.2022 17:12 Uhr

Auch Prozessoren können eine Menge Geld koste. Was kann das 1400-Euro-Modell? Auch Prozessoren können eine Menge Geld koste. Was kann das 1400-Euro-Modell?

Dass ihr heutzutage für Grafikkarten viel Geld ausgeben könnt, ist kein Geheimnis. Prozessoren hingegen sind in der Regel günstiger. Aber auch für High-End CPUs könnt ihr durchaus eine Stange Geld hinlegen, wie unter anderem der Overclocker und Youtuber Roman Hartung alias der8auer beweist. 

Er hat sich für sein neuestes Video einen Intel Core i9 12900K für satte 1.400 Euro gekauft und diesen einigen Benchmarks unterzogen. Dabei klingt der Preis komplett überzogen, wenn man bedenkt, dass die CPU im regulären Handel etwa 600 Euro kostet. Was macht dieses Modell also besonders?

Eine Frage der Chip-Qualität

Zur Antwort auf diese Frage müssen wir etwas ausholen. CPU-Hersteller produzieren ihre Chips aus sogenannten kreisförmigen Silizium-Wafern. Die Qualität einzelner Chips vom gleichen Wafer kann sich aber relativ stark unterscheiden. Hier kommt das sogenannte Chip-Binning ins Spiel. In dem Prozess werden die Chips nach ihrer Qualität sortiert und der Hersteller entscheidet, in welchen Produkten sie eingesetzt werden. 

Intel-Chips mit der Endung “K” sind entsperrt. Das bedeutet, ihr könnt sie übertakten, indem ihr die Taktraten des Prozessors verändert. Hier kommt dann wieder die Qualität des Chips ins Spiel. Denn die K-Prozessoren garantieren euch weiterhin nur, dass sie mindestens auf der Standard-Taktrate performen.

Wie hoch ihr einen Prozessor dann noch übertakten könnt, ist von Prozessor zu Prozessor unterschiedlich. Wenn ihr wissen wollt, wie gut euer Prozessor unabhängig vom Overclocking im Vergleich mit andren Modellen ist, schaut hier vorbei:

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Hartung hat einen Prozessor gekauft, der mit einer so genannten Silicon Prediction beziehungsweise einem SP-Wert von hohen 97 bewertet wurde. Das ist eine Angabe, die die Qualität des Chips voraussagen soll und die auf manchen Mainboards per BIOS ausgelesen werden kann. Qualitativ hochwertige Chips könnt ihr potenziell mit höheren Taktraten betreiben.

Interessant ist das dementsprechend nur, wenn ihr euren Prozessor auch übertakten möchtet - und wenn ihr die passende Hardware in Form eines hochwertigen Mainboards und einer starken Kühllösung besitzt. Andernfalls hat der SP-Wert keine nennenswerte Bedeutung für euch. 

So schlägt sich der teure Prozessor in der Praxis

In den Benchmarks mit dem 12900K mit einem SP-Wert von 97 zeigt der Prozessor nicht nur Stärken. Laut Hartung gehört sie wohl zu den oberen fünf Prozent nach Leistung, allerdings gab es auch etwas zu bemängeln: Scheinbar haben die E-Cores (also die Kerne, die auf einem möglichst effizienten Betrieb statt auf eine möglichst hohe Leistung ausgelegt sind) nicht so gut wie erwartet performt. 

Bei einer Taktrate von 4,1 Ghz war da bereits Schluss. Bei 4,2 Ghz ist der Prozessor nach einiger Zeit abgestürzt und bei 4,3 Ghz hat der Prozessor sofort den Dienst versagt. Die P-Cores hingegen (also die Kerne mit einem Fokus auf hohe Leistung) liefern eine ordentliche Performance ab: Selbst bei unrealistischer Maximallast über das Tool Prime95 liefen sie über acht Stunden mit einer Taktrate von 5,1 Ghz bei 1,20 Volt stabil.

Für wen lohnt sich eine CPU mit hohem SP-Wert? 

Das Performance-Plus gegenüber dem Standard-Turbotakt von 4,9 GHz hält sich in Anbetracht der überschaubaren Steigerung von 200 MHz bei der getesteten CPU stark in Grenzen. Wer nicht auf der Jagd nach Overclocking-Rekorden ist, der kann sich den Kauf einer so teuren CPU mit hohem SP-Wert also getrost sparen.

Eine Garantie für sehr gute Overclocking-Ergebnisse ist der SP-Wert allein außerdem nicht, wenn auch ein möglicher Anhaltspunkt. Eine Alternative kann es sein, wirklich vorgetestete Prozessoren zu kaufen, die bereits auf ihre Maximaltaktraten hin überprüft wurden. Aber auch das spricht letztlich nur eine sehr kleine Zielgruppe an und macht in der Praxis höchstens einen mess-, aber keinen spürbaren Unterschied.

Dabei ist eine vierstellige Summe für eine CPU sogar noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Ihr könnt nämlich auch mit einem Serverprozessor mit 64 Kernen für rund 9.000 Euro spielen.

Glücklicherweise ist das Spielen bereits mit ganz normalen CPUs im knapp dreistelligen Bereich schon sehr gut möglich, wie auch unsere Kaufberatung zu Prozessoren zeigt:

Habt ihr schon mal euren Prozessor übertaktet? Lohnt sich das überhaupt oder ist die Grafikkarte eh immer der Flaschenhals? Und wie viel würdet ihr maximal für einen guten Prozessor ausgeben? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen.

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