Donald Trump hat mit seiner erratischen Zollpolitik der letzten Wochen die Weltmärkte aufgerüttelt. Zumindest das offizielle Ziel: Produktion zurück in die Vereinigten Staaten zu holen. Ein interessanter Punkt: Smartphones. Denn gerade iPhones werden vornehmlich ausgerechnet in China produziert.
2023 kam bereits ein Smartphone auf den Markt, das sich Made in USA
auf die Fahnen schrieb: Das Purism Liberty Phone.
Das zeigt deutlich: Ohne China wird es schwer.
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Made in USA - das Liberty Phone von Purism
Das Liberty Phone ist zumindest preislich das Flaggschiff der US-amerikanischen Firma Purism. Das Smartphone kam 2023 auf den Markt und wirbt auf Produktfotos ganz amerikanisch mit Stars-and-Stripes und Made in USA
-Siegel.
Die Hardware mag den stolzen Preis von rund 2.000 US-Dollar nicht rechtfertigen.
| Purism Liberty Phone | Spezifikation |
|---|---|
| Prozessor | NXP i.MX 8M Quad (4 Kerne, für Autos konzipiert) |
| Arbeitsspeicher (RAM) | 4 GB |
| Kamera (nur Rückseite) | 13 Megapixel |
| Vibration | Keine |
4 GB RAM und eine 13-Megapixel-Kamera sind heutzutage nicht einmal mehr bei ganz günstigen Budget-Handys zu finden.
Allerdings wirbt die Firma mit besonderer Sicherheit und Privatsphäre: Auf dem Liberty Phone laufen weder Android noch iOS, sondern das hauseigene Betriebssystem PureOS
.
Damit ist es allerdings auch auf einige grundlegende Apps beschränkt: Anrufe, Textnachrichten, Fotos, Videos, Web-Browsing und Taschenrechner.
Ebenso wie um Sicherheit geht es der Firma Purism um transparente Lieferketten. Im Interview mit dem Wall Street Journal bestätigt Purisms CEO Todd Weaver:
- Der Prozessor stammt vom niederländischen Unternehmen NXP und ist eigentlich für Autos konzipiert. Er wird in Austin, Texas produziert.
- Das Motherboard wird in Carlsbad, Kalinfornien zusammengebaut. Die einzelnen Bestandteile kommen aber nicht nur aus den USA.
- Die Endmontage aller Komponenten erfolgt ebenso in der Fabrik in Carlsbad.
Doch das macht das fertige Produkt noch lange nicht zu 100 Prozent Made in USA.
In der Herstellung kaum teurer als ein iPhone, aber es gibt einen Haken
Die Rückkamera stammt aus Südkorea, das Bluetooth-Modul aus Indien. Aber gerade China ist ein wichtiger Lieferant, von dort stammen allein das Gehäuse, der Akku und der Bildschirm.
Viele meinen, dass es gerade die höheren Lohnkosten in den USA der entscheidende Faktor seien, warum etwa Smartphones nicht einfach dort hergestellt werden.
Basierend auf einem Bericht des Analyseunternehmens TechInsights gibt 9to5Mac als Produktionskosten in China für ein iPhone 16 Pro Max mit 256 GB Speicher rund 580 US-Dollar an.
Die Produktionskosten des Liberty-Phones belaufen sich laut CEO Weaver trotz der Fertigung in den Vereinigten Staaten auf gerade einmal 650 US-Dollar. Ausgeglichen werde das aber durch die deutlich schlechtere Hardware.
Ein iPhone, das komplett in den USA gefertigt würde, würde laut Wall Street Journal sehr viel kosten: Eine »Bazillion Dollar«, so drückt es Autorin Joanna Stern aus. Was die reinen Lohnkosten angeht, schätzt TechInsights-Analyst Wayne Lam gegenüber der Zeitung:
Die Montagearbeit, die in China vielleicht 30 US-Dollar pro Handy kostet, dürfte in den USA rund 300 US-Dollar kosten.
Made in USA? Das wird so schnell nicht passieren
Über den Sinn oder Unsinn des Liberty-Phones kann man sicherlich streiten, für CEO Weaver richtet sich das Handy an Personen, für die Sicherheit an oberster Stelle steht, Eltern, die ein Handy für ihr Kind haben wollen, alte Menschen und Menschen, die große Tech-Konzerne meiden wollen.
Dem Wall Street Journal gegenüber lässt er verlauten:
Leute, die eine richtig starke Kamera brauchen, sind nicht unsere Zielgruppe.
Leistungsstarke Kameras in Smartphones sind jedoch für viele Kunden ein klares Verkaufsargument.
Analyst Wayne Lam bestätigt gegenüber dem Magazin Fortune: Das Liberty-Phone könne als Nischenprodukt erfolgreich sein, aber auf dem Verbrauchermarkt sei Purisms Konzept nicht konkurrenzfähig.
Die Dimensionen zwischen Purism und Apple etwa sind vollkommen unterschiedlich. Weaver gibt gegenüber dem Wall Street Journal an, monatlich rund 10.000 Liberty Phones produzieren zu können. Im Vergleich dazu: Apple habe 2024 225 Millionen Smartphones ausgeliefert.
Es fehle in den USA laut Weaver zuerst einmal an zwei Dingen:
- Der Infrastruktur: Es gebe in den Vereinigten Staaten etwa kein Unternehmen, das Smartphone-Displays als Massenprodukt herstellt.
- Den Fachkräften:
Purisms CEO gibt selbst zu:
Wenn man nach China geht, findet man Gebäude über Gebäude mit Tausenden von Elektronik-Ingenieuren. Wenn man hier [in den USA] schaut, findet man vielleicht insgesamt fünf.
Die Trump-Söhne Donald Jr. und Eric haben laut der Zeit vor wenigen Wochen das Trump-Phone T1 angekündigt – ebenfalls ein Made in USA
-Produkt. Kostenpunkt: Rund 500 US-Dollar. Das klingt nach den Schilderungen des Purism-Gründers schon recht utopisch.
Zumindest von dem Made in USA
-Versprechen sind auch die Trump-Sprösslinge mittlerweile wieder abgerückt.
Das Liberty Phone zeigt deutlich: Ohne Abstriche geht es nicht. Und nur in den USA derzeit schon gar nicht.


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