Rockstar-Games-Co-Gründer Dan Houser ist eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Videospielgeschichte. Als Hauptautor war er maßgeblich für den Biss der GTA-Reihe und die emotionale Tiefe von Red Dead Redemption verantwortlich.
Nach seinem Abschied von Rockstar und der Gründung seines neuen Unternehmens Absurd Ventures äußert er sich nun offen zu aktuellen Branchentrends. In einem Interview mit Virgin Radio UK zog Houser einen drastischen Vergleich zwischen Generativer KI und einer Tierseuche und ging mit den Befürwortern der Technologie in den Führungsetagen hart ins Gericht.
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Der »Rinderwahn« der Datenverarbeitung
Im Gespräch mit dem britischen Radiomoderator Chris Evans (nicht zu verwechseln mit dem Captain-America-Schauspieler) wurde Houser auf die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf kreative Arbeit angesprochen. Während viele Investoren und CEOs in der KI den heiligen Gral der Effizienz sehen, prognostiziert Houser ein Scheitern der aktuellen Modelle durch einen sich selbst verstärkenden Qualitätsverfall.
Houser äußerte sich skeptisch gegenüber der Vorstellung, dass KI uns in eine strahlende Zukunft führen werde. Sein Hauptargument bezieht sich auf die Art und Weise, wie Large Language Models (LLMs) trainiert werden. Da diese Modelle das Internet nach Informationen durchsuchen, das Internet selbst aber zunehmend mit von KI generierten Inhalten geflutet wird, entsteht eine geschlossene Feedback-Schleife.
Houser formulierte dies mit einer Analogie:
»Es ist also in etwa so, als hätten wir Kühe mit Kühen gefüttert und den Rinderwahn bekommen.«
Mit diesem Vergleich spielt Houser auf die BSE-Krise (Bovine Spongiforme Enzephalopathie) an, die durch die Verfütterung von Tiermehl an Rinder ausgelöst wurde.
In der Fachwelt ist das von Houser beschriebene Phänomen als »Model Collapse« bekannt: Wenn KI mit synthetischen Daten trainiert wird, die von vorherigen KI-Generationen stammen, werden die Ergebnisse zunehmend fehlerhafter und verlieren an Varianz.
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Harte Kritik an der Tech-Elite
Noch deutlicher wurde Houser in seiner Einschätzung der Menschen, die den derzeitigen Boom verantworten. Ohne spezifische Namen zu nennen, charakterisierte er die treibenden Kräfte hinter der KI-Revolution als Personen, denen es oft an grundlegender Empathie und Kreativität mangelt.
Laut Houser wird die Menschheit derzeit von einer bestimmten Gruppe in eine Richtung gedrängt, die er als problematisch empfindet. Er bezeichnete diese Führungskräfte als »vielleicht nicht ganz vollständig entwickelte Menschen«:
»Einige dieser Leute, die versuchen, die Zukunft der Menschheit, der Kreativität oder was auch immer mittels KI zu definieren, sind nicht die menschlichsten oder kreativsten Leute. Sie sagen also gewissermaßen: Wir sind besser darin, Menschen zu sein, als ihr es seid. Das ist offensichtlich nicht wahr.«
Diese Aussage steht im direkten Kontrast zu den Narrativen vieler großer Publisher und Tech-Konzerne, die KI oft als Werkzeug zur »Demokratisierung der Kreativität« anpreisen. Houser sieht hier offenbar eher eine Anmaßung seitens der Technokraten, die menschliche Erfahrung und künstlerischen Ausdruck durch Algorithmen ersetzen wollen, ohne die Essenz dessen zu verstehen, was sie da eigentlich automatisieren.
Trotz seiner harschen Kritik und der düsteren Prognose lehnt Houser die Technologie nicht komplett ab: Er zeigt sich in dem Interview durchaus realistisch bezüglich der Anwendungsbereiche. Er räumt ein, dass KI »einige Aufgaben brillant erledigen wird«. Seine Skepsis bezieht sich primär auf den Anspruch, dass die Technologie jede Aufgabe brillant lösen könne oder menschliche Kreativität im großen Stil ersetzen werde.
Seit 2023 widmet sich der Rockstar-Mitgründer mit seinem neuen Studio Absurd Ventures frischen Projekten. Auf dem Plan stehen Graphic Novels, aufwendige Podcasts und natürlich sind auch neue Spiele in Arbeit.
Angesichts seiner deutlichen Worte könnt ihr euch ziemlich sicher sein, dass diese Inhalte nicht von ChatGPT und Co. getextet, vertont oder illustriert werden. Wenn Houser draufsteht, dürfte – aller modernen Technik zum Trotz – weiterhin menschliches Storytelling drinstecken.
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