Wenn ihr alte Urlaubsfotos oder Partybilder aus den 90ern oder durchblättert, werdet ihr sie garantiert finden: Menschen mit leuchtend roten Augen. Das war früher völlig normal und ist heute fast verschwunden. Der Grund dafür: unter anderem Smartphones.
Der Rote-Augen-Effekt: Der Blitz war das »Problem«
Der Rote-Augen-Effekt entsteht durch das starke Blitzlicht von älteren Kameras – meistens Kompaktkameras. Wenn wir in dunkler Umgebung fotografiert werden und die Pupille weit geöffnet ist, trifft das Blitzlicht frontal ins Auge. Genauer gesagt auf die Netzhaut im hinteren Bereich des Auges.
Die Netzhaut ist stark durchblutet, weil sie viel Sauerstoff und Nährstoffe braucht, um richtig zu funktionieren. Deshalb erscheint sie auf Fotos rot: Das Blitzlicht wird von den Blutgefäßen reflektiert und direkt zurück in die Kamera geworfen.
Je größer die Pupille, desto stärker der Effekt, und im Dunkeln sind die Pupillen weit geöffnet.
Vor Smartphones haben die meisten Menschen mit Kompaktkameras fotografiert. Die hatten zwei Eigenschaften, die das Entstehen von roten Augen stark begünstigt haben:
- Der eingebaute Blitz von Kompaktkameras befand sich sehr nah am Objektiv. Noch dazu wurde die Kamera meistens auf Augenhöhe gehalten. Dadurch trifft das Licht in einem idealen Winkel in die Augen.
- Objektive von älteren Kompaktkameras besitzen meistens eine sehr kleine Blende, um den Schärfebereich zu vergrößern. Das machte das Fotografieren besonders einfach, aber die Nutzung des Blitzes war meistens nötig.
Es gab damals schon eine »Lösung«: Viele Kameras versuchten, das Problem mit einer Rote-Augen-Reduktion zu verhindern. Vor dem eigentlichen Blitz gibt es einen kurzen Vorblitz, der die Pupille kleiner werden lässt. Weniger Licht kommt rein, weniger Rot kommt raus. Das ist der Grund, warum viele Kameras zweimal blitzten.
Warum man heute kaum noch rote Augen sieht
Der Grund ist simpel: Die Art, wie geblitzt wird, hat sich verändert. Die meisten Menschen fotografieren heute mit dem Smartphone und das hat gleich mehrere Auswirkungen:
- LED-Blitze sind viel schwächer als die alten Xenon-Blitze in Kompaktkameras. Es gab nur sehr wenige Handys mit starken Xenon-Blitzen (zum Beispiel Nokia 808 Pureview und Nokia Lumia 1020)
- So gut wie alle Smartphones sind mit lichtstarken Objektiven ausgestattet, die die Notwendigkeit des Blitzes mindert.
- Optische Bildstabilisierung und Software-Funktionen sorgen dafür, dass selbst bei schlechten Lichtbedingungen der Einsatz des Blitzes nicht notwendig ist.
Diese beiden Handys waren echte Pioniere in der Smartphone-Fotografie. Sie waren die ersten, die auf Pixel-Binning mit einem hochauflösenden Sensor setzen (41 Megapixel) und besaßen starke Xenon-Blitze. (Bildquelle: Nokia, Amazon)
Dadurch ist der klassische Rote-Augen-Effekt fast vollständig aus unserem Alltag verschwunden. Dabei war genau dieser »Direct-Flash-Look«, also direkt frontal geblitzte Fotos, lange verpönt. Heute aber erlebt er ein kleines Comeback.
Direct Flash ist wieder cool
In der Street- und Modefotografie taucht der Look immer häufiger wieder auf: harte Schatten, knallige Farben und direkter Blitz. Er erinnert an Paparazzi-Fotos aus den 90ern oder an nächtliche Partyfotos mit der Einwegkamera. Das wirkt roh, ehrlich, ungefiltert und sticht in der Masse von Smartphone-Fotos hervor.
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So bekommt ihr den Direct-Flash-Look heute hin
Wenn ihr diesen Look nachbauen wollt, braucht ihr nicht unbedingt eine alte Kamera. Hier sind ein paar einfache Tipps:
- Verwendet den integrierten Blitz der Kamera und stellt ihn auf »An« und nicht auf »Automatisch«. So erzwingt ihr die Auslösung des Blitzes, selbst bei guten Lichtbedingungen.
- Blitzt frontal, direkt und am besten auf Augenhöhe. Warnt die Menschen vor eurer Kamera, damit sie davon nicht überrascht werden.
- Je näher am Motiv, desto besser für den Look (und die roten Augen).
- Nutzt eine geschlossene Blende, wie etwa F/16, falls ihr mit einer spiegellosen oder DSLR-Kamera arbeitet. Das vergrößert die Schärfentiefe und verdunkelt den Hintergrund von eurem Motiv.
- Fotografiert nachts oder in dunklen Umgebungen, damit der Blitz die Szene dominiert.
Und wenn ihr den Look vollkommen authentisch kreieren wollt, könnt ihr heute sogar analoge Kompaktkameras kaufen, die praktisch wiederverwendbare Einwegkameras sind. Da wären unter anderem die »Kodak Ektar H35« oder die »AgfaPhoto 35mm«. Auch ein Blick in den Gebrauchtmarkt oder vielleicht sogar in die alte Schublade kann sich lohnen.
Rote Augen und direkter Blitz sind heute ein Stilmittel
Was früher ein technisches Problem war, wird heute zum Stilmittel. Viele Fotos von heute haben einen eigenen, aber ganz anderen Look, weil sie eben von Smartphones stammen. Die Fotos wirken meistens sehr steril, frei von Bildfehlern und überschärft. Immer mehr Menschen sehnen sich nach dem »Charakter«, den alte Fotos noch besaßen.
Der Direct-Flash-Look von damals ist zurück, nur eben gezielt eingesetzt.
Rote Augen? Nicht mehr peinlich, sondern retro.

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