Wollte AMD doch gegen die RTX 4090 antreten? Ein geleakter Kühler löst viele Gedankenspiele aus, aber keines davon ergibt für mich ein stimmiges Bild

Ein ominöser Radeon-Kühler sorgt für Spekulationen, dass AMD wohl doch an einem Konkurrenten zur RTX 4090 arbeitete. Ganz stimmig ist der Leak allerdings nicht.

Schön wäre sie ja gewesen: Angeblich hat AMD an einem direkten Konkurrenten zur RTX 4090 gearbeitet. Der geleakte Prototyp will zu dieser Aussage aber nicht so recht passen. Schön wäre sie ja gewesen: Angeblich hat AMD an einem direkten Konkurrenten zur RTX 4090 gearbeitet. Der geleakte Prototyp will zu dieser Aussage aber nicht so recht passen.

Im koreanischen Forum Quasarzone ist ein Bild eines Radeon-Kühlers aufgetaucht, der nicht so recht zu den bisherigen AMD-Grafikkarten passen will. Auf den ersten Blick sieht der mutmaßliche Prototyp zwar wie bei der RX 7900 XTX aus, doch im Direktvergleich zeigt sich, dass der geleakte Kühler wesentlich größer ist.

Da größer in der modernen GPU-Welt unweigerlich mit leistungsfähiger assoziiert wird, gehen direkt die Spekulationen (u.A. via wccftech) los, dass AMD zur RDNA-3-Generation doch einen Konkurrenten zum damaligen Primus in Form der Nvidia RTX 4090 geplant und schließlich verworfen hatte.

Bei genauerem Hinsehen bin ich allerdings der Meinung, dass dieser gedachte RTX-4090-Konkurrent zumindest in dieser Form nicht geplant war, denn der Kühler bringt hierfür zu viele Unstimmigkeiten mit sich.

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Die offensichtlichen Merkmale im Vergleich zur RX 7900 XTX

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Der Kühler-Prototyp, den ihr im Bild weiter unten findet, ist definitiv dicker und größer als die RX 7900 XTX, die der Nutzer zum Vergleich herführt.

  • So ist der GPU-Kühler etwa 33 Zentimeter lang und damit vier Zentimeter länger als das Referenzdesign der RX 7900 XTX. Bei der Dicke sind es etwa 5,5 Zentimeter statt der üblichen 4,3 cm.
  • Der ominöse Kühler verfügt über ein Triple-Slot-Design; zudem ist die Aussparung für die Stromanschlüsse etwas weiter als bei unserer Vergleichs-GPU. Theoretisch könnten hier drei 8-Pin-Buchsen Platz finden, bei der regulären RX 7900 XTX waren es nur zwei.
  • Allerdings: Einzelne Custom-Designs dieses Radeon-Modells hatten einen vergleichbar großen Kühler sowie drei solcher Stromanschlüsse – dazu später mehr.

Problem 1: Die Chipgröße

Der Blick auf das Äußere wird von einem Teardown des Radeon-Kühlers unterfüttert. Im Anschluss ist auch die Unterseite freigelegt, sodass wir einen Größenvergleich anstellen können.

Hier kommen wir schnell zur ersten Auffälligkeit: Die Aussparung für den Chip ist nahezu identisch mit Navi 31 XTX – also dem Chip, den AMD im Vollausbau in der RX 7900 XTX verbaut hatte.

Der Vollausbau ist an dieser Stelle auch der Knackpunkt, denn größer (bzw. mit mehr Recheneinheiten) als das geht nun mal nicht, ohne an anderer Stelle zu vergrößern.

Heißt: Mehr als die 96 Compute Units sowie die daraus resultierenden 6.144 FP32-Recheneinheiten hätte eine theoretische GPU unter der veröffentlichten Haube gar nicht haben können, sodass zumindest an dieser Stelle auch kein 4090-Konkurrent möglich ist.

RX 7900 XTX Geleakter Kühler RX 7900 XTX Geleakter Kühler

Problem 2: Die Speicherbestückung

Der Chip ist es also schon mal nicht, der den Prototypen zu einem möglichen RTX-4090-Killer erhebt – aber was ist mit dem Speicher?

Klar, das Thema flammte auch und gerade wegen Nvidia in den vergangenen Monaten erneut auf, sodass AMD sich ja vielleicht hiermit einen Bonus gegenüber dem damaligen Flaggschiff erarbeiten wollte.

Ebenso wie bei meinen Chip-Ausführungen ist im Bild auch die Speicherausstattung zu sehen, die diesem Kühler-Prototypen anhängig gewesen wäre. Hier ist die klassische 384-Bit-Anordnung nachvollziehbar; also 12 Speicherchips mit einer jeweiligen 32-Bit-Anbindung.

  • Zum Zeitpunkt der RX-7000-Serie waren GDDR7-Chips mit höherer Kapazität und höherer Datenrate nicht marktreif und schon gar nicht mit dem Grafikprozessor kompatibel. Selbst bei RX 9000 hantiert AMD noch mit GDDR6.
  • Folglich ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um dieselben GDDR6-Chips mit jeweils 2 GByte Kapazität handelt, die auch bei der RX 7900 XTX zum Einsatz kommen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Kühler müsste mit einer solchen Aufteilung auf eine 24 GByte schwere GDDR6-Konfiguration zurückgreifen – kein Argument für ein Leistungsplus gegenüber der RX 7900 XTX, die auf dieselbe Menge blickt.

Oben ist die RX 7900 XTX zu sehen, unten der wesentlich wuchtigere Prototyp. Oben ist die RX 7900 XTX zu sehen, unten der wesentlich wuchtigere Prototyp.

Problem 3: Die Taktrate

Wenn AMD in diesem Prototypen schon Luft für einen dritten 8-Pin-Anschluss lässt, könnte dieser die notwendige Energie durchlaufen lassen, um die RX 7900 XTX Super (den Namen lasse ich jetzt so stehen) mit höheren Taktraten auszustatten.

  • Zur Erinnerung: Die RX 7900 XTX kam im Basistakt auf 2.365 MHz, im Boosttakt auf 2.498 MHz und benötigte dafür offiziell etwa 355 Watt.

Gehen wir davon aus, dass der Prototyp tatsächlich mit drei 8-Pin-Steckern ausgestattet werden sollte, aber wie bereits beschrieben den Navi-31-XTX-Chip sowie die 24 GByte GDDR6-Speicher beibehält.

Wie dieses Szenario aussieht, können wir bereits an den erwähnten Custom-GPUs der RX 7900 XTX nachvollziehen – genauer gesagt, der Sapphire Nitro+ Vapor-X, die an das Limit der entsprechenden Spezifikation gegangen ist.

  • Im damaligen Test von TechPowerUp zeigte sich schnell, wo dieses Limit liegt: In Spitzenlasten durchbrach die Sapphire-GPU gelegentlich die 3-GHz-Marke. Dafür soff die Karte aber auch mal eben 447 Watt (also fast genau dem Limit der 3x-8-Pin-Spezifikation).
  • Die mitunter spekulierten RX 7950 XTX und RX 7990 XTX, der mal Taktraten mit 3,5 GHz nachgesagt wurden, können so nicht erreicht werden und damit auch nicht unsere gesuchte Grafikkarte zum Kühler-Leak sein.

Was ist der Kühler also dann?

Ausgezeichnete Frage.

Diese lässt sich auch nicht zweifelsfrei beantworten, aber sicher ist, dass es sich selbst unter Berücksichtigung erhöhter Taktraten nicht um einen angedachten »4090-Killer« handeln kann; zumindest nicht im Hinblick auf die reine Raster- und Raytracing-Performance. Eher ist die gedachte Leistung mittig zwischen der RTX 4080 und RTX 4090 zu sehen.

So bleibt es bei einem reinen »Was wäre, wenn«-Szenario. Vielleicht müssen wir uns aber nicht mehr lange der Fantasie hingeben, denn AMD plant mit der nächsten Generation den »Zen-Moment der Grafikkarten«:

Entsprechend dürfte AMD die Entwicklung des Prototypen – falls er echt ist! – schlicht verworfen haben, weil Custom-Modelle wie die Sapphire Nitro+ Vapor-X genau diese Lücke bereits bedient haben. Daraus folgte auch, dass eine in Arbeit befindliche GPU in dieser Form keinen Sinn mehr ergab. Schade eigentlich.

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