Schon seit einigen Jahren läuft ein juristisches Verfahren gegen Valve, das vom Entwickler Wolfire in die Wege geleitet wurde. Gegenstand der Klage ist Steams mutmaßliche Monopolstellung auf dem Markt für PC-Spiele, mit dem sich das Unternehmen einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschaffe.
Mittlerweile ist die Klage zu einer Sammelklage geworden, der sich weitere Entwicklerstudios angeschlossen haben, die von namhaften Anwaltskanzleien vertreten werden. Diese zeigen sich aktuell allerdings nicht von ihrer besten Seite, denn um ihre Anschuldigungen zu untermauern, greifen sie auf fragwürdige Belege zurück.
Steam-Guide der Community als Beleg vorgelegt
Um zu verstehen, wie es überhaupt dazu kam, müssen wir ein wenig ausholen. Einer der Vorwürfe, die gegen Valve im Raum stehen, dreht sich um den Erwerb des World Opponent Network (WON). Dabei handelte es sich um ein Multiplayer-Netzwerk für Spiele der 1990er und frühen 2000er, bevor es Plattformen wie Steam überhaupt gab.
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Wird die nächste Steam Machine wieder zum Desaster für Valve?
WON stellte bis 2004 unter anderem für Spiele wie Homeworld und Half-Life Serverlisten und Lobbys bereit und akquirierte auf diese Weise einen beachtlichen Nutzerstamm. Die Kläger im Wolfire-Prozess behaupten jetzt, dass Valve WON im Jahre 2001 von Sierra Entertainment gekauft und damit die rund 1,5 Millionen Nutzer übernommen habe, bevor sie diese 2004 auf Steam umsiedelten und WON vom Markt nahmen. So steht es übrigens sowohl auf der englischen als auch deutschen Wikipedia-Seite zu WON.
Aber wie wir alle schon in der Schule gelernt haben, ist Wikipedia keine angemessene Quelle. Nicht für Referate über Dreifinger-Faultiere und auch nicht für juristische Verfahren. Tatsächlich bestreitet Valve WON jemals aufgekauft zu haben und hat dafür auch eine eidesstattliche Erklärung abgegeben - nachzulesen im Gerichtsdokument.
Um dem etwas entgegenzusetzen, ziehen die Kläger jetzt Belege heran, die irgendwie nicht zu einem Gerichtsverfahren passen. Auf Seite 20 des Gerichtsdokuments findet ihr die Fußnote 8, die ins Deutsche übersetzt etwa Folgendes aussagt:
Die Johnson-Erklärung [Anm.: Valves eidesstattliche Erklärung] kann nicht nur rechtlich nicht herangezogen werden, sie ist auch unzureichend, um Valves Tatsachenbehauptung zu belegen. Johnson fügt keinerlei Unternehmensdokumente bei, die das Eigentum von WON zum maßgeblichen Zeitpunkt belegen, noch geht er auf das Eingeständnis auf Valves Website ein, dass Valve WON im Jahr 2001 erworben hat.
Als Quellen werden hier anschließend zwei Internetseiten angeführt:
- die Steam Community Page »Ricochet, How to install Ricochet version WON + expansions« (Archiviert) und
- der Eintrag »World Opponent Network« aus dem Sierra Wiki
Mit »Eingeständnis auf Valves Website, dass Valve WON im Jahr 2001 erworben hat« meinen die Kläger also einen Beitrag aus der Community, in dem erklärt wird, wie Steam-User eine Version von WON installieren können - keinen offiziellen Beitrag von Steam oder Valve. Auch der Eintrag aus dem Sierra-Wiki wurde sehr wahrscheinlich von einem Community-Mitglied erstellt und ist kein offizielles Dokument des vorherigen WON-Inhabers.
Und was bedeutet das jetzt?
Das Ziel der Kläger ist es, darzulegen, dass Valve bereits vor dem Release von Steam über einen enormen Nutzerstamm verfügte und sich damit schon früh in einer dominanten Marktposition befand. Da Steam seit seiner Gründung eine Gewinnbeteiligung von 30 Prozent von Entwicklern verlangt, profitiere Valve demnach schon seit Beginn von einer unfairen Machtdynamik.
Wenn Valve diese Gewinnbeteiligung allerdings schon vor seiner starken Marktposition verlangt hätte, kann diese nicht durch ein Machtgefälle ausgenutzt worden sein. Es steht und fällt also mit der Frage, ob Valve tatsächlich die 1,5 Millionen WON-Nutzer durch einen Kauf des Netzwerks übernehmen konnte.
Wenn man diese Behauptung also untermauern möchte, ist es notwendig, stichhaltige Belege vorzubringen. Ein mittlerweile gelöschter Community-Post gehört da vermutlich nicht dazu.
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