»Nicht unterhaltsam« - Der Regisseur der alten Shogun-Serie findet drastische Worte zum Historien-Meisterwerk von 2024

Shogun wurde bereits vor 45 Jahren erfolgreich verfilmt. Jetzt zieht der Regisseur von damals ein drasitsches Fazit zur preisgekrönten Neuadaption.

Wer trägt den Aristokraten-Hut besser, Toshiro Mifune (l.) oder Hiroyuki Sanada (r.)? Beide spielten in verschiedenen Shogun-Adaptionen den Titelhelden Yoshii Toranaga. Bild: Paramount Television FX Network. Wer trägt den Aristokraten-Hut besser, Toshiro Mifune (l.) oder Hiroyuki Sanada (r.)? Beide spielten in verschiedenen Shogun-Adaptionen den Titelhelden Yoshii Toranaga. Bild: Paramount Television / FX Network.

Shogun war eines der großen Serienhighlights des Jahres 2024. Kritiker priesen die Miniserie vom Studio FX Network für ihre große historische Genauigkeit, kulturelles Feingefühl und großartige Optik. Bei den Emmies hagelte es ganze 18 Trophäen für Shogun - ein Rekord. Und auch GameStar-Autor Jesko (ich) hat hier schon das ein oder andere Loblied auf die geniale Historien-Serie gesungen.

Allerdings kommt Shogun offenbar nicht bei allen Zuschauern so gut an, wie das Kritiker-Lob es glauben macht. Ein prominenter Kritiker der Miniserie ist Jerry London, der selbst schon einmal Shogun verfilmt hat. Im Jahr 1980 adaptierte der Regisseur James Clavells Buchvorlage nämlich erstmals für den amerikanischen TV-Sender NBC.

Video starten 2:27 Shogun: Der Trailer zur neuen Serie bereitet auf einen bildgewaltigen Epos vor

Schon damals war Shogun ein gigantischer Erfolg; gewann drei Emmys sowie drei Golden Globe Awards. Mitte der 80er wurde die Serie erstmals in Deutschland ausgestrahlt. Im direkten Vergleich zeigen sich zwischen den beiden Serien aber große Unterschiede. Und genau darauf zielt auch Jerry Londons Kritik an der neuen Shogun-Adaption ab:

Er findet, die 2024er-Version schreckt durch ihre hohe Komplexität das amerikanische Publikum ab.

Das neue Shogun ist völlig anders als das, was ich gemacht habe. Meine Version drehte sich vor allem um die Liebesgeschichte zwischen Blackthorne und Mariko. Die neue Serie fokussiert sich hingegen auf japanische Geschichte, und es geht mehr um Toranaga, der der Shogun war.

Es ist sehr technisch und sehr schwierig für ein amerikanisches Publikum, sich darin zurechtzufinden. Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, die die Serie gesehen haben, und sie sagten: ›Ich musste abschalten, weil ich es nicht verstehe.‹ Die Showrunner der neuen Serie haben sich nicht wirklich für die Bedürfnisse des amerikanischen Publikums interessiert.

Dadurch sei Shogun (2024) nicht besonders unterhaltsam - und verfehlt damit in Londons Augen ihren eigentlichen Zweck. Denn für den Regisseur sollen Serien vor allem unterhalten.

Der englische Seemann John Blackthorne (Cosmo Jarvis) muss sich anfangs auf seine Übersetzerin Mariko (Anna Sawai) verlassen, da er kein Japanisch versteht. Bild. FX Network. Der englische Seemann John Blackthorne (Cosmo Jarvis) muss sich anfangs auf seine Übersetzerin Mariko (Anna Sawai) verlassen, da er kein Japanisch versteht. Bild. FX Network.

Er sei zwar durchaus erleichtert, dass Shogun (2024) einen eigenen Ansatz gefunden habe, merkt aber an, dass auch heutzutage noch viele Zuschauer Angst vor dem Lesen von Untertiteln hätten. Shogun ist größtenteils auf Japanisch gedreht und wurde nicht westlich synchronisiert. Die Serie soll es den Zuschauern ermöglichen, sich authentisch in die Situation eines Ausländers in Japan einzufühlen.

Sie haben die Serie im Grunde für ein japanisches Publikum gemacht, und ich war froh darüber, denn ich wollte nicht, dass meine Serie kopiert wird. Ich denke, ich habe damals großartige Arbeit geleistet; meine Version hat viele Preise gewonnen. Da wollte ich nicht, dass sie kopiert wird - was sie zum Glück auch nicht getan haben.

Aber die Ironie am neuen Shogun ist, dass jeder, mit dem ich gesprochen habe, sagte: ›Ich verstehe das nicht. Worum geht es da?‹ Ich habe mir das ganze Ding angesehen. Es ist sehr schwierig, dabei zu bleiben. Die Serie hat zwar alle Emmy-Preise gewonnen, aber nur weil es keine großen Konkurrenten gab in diesem Jahr.

Fun Fact: Schon die 1980er-Version von Shogun war kaum synchronisiert. Doch anstelle von Untertiteln erfuhr der Zuschauer hier einfach gar nicht, worüber gerade auf Japanisch gesprochen wurde - es sei denn, er war des Japanischen mächtig. In dieser Hinsicht war die alte Adaption also zumindest ein wenig konsequenter. Wir können beide Varianten guten Gewissens empfehlen.

Hinsichtlich Jerry Londons Annahme, dass Shogun keinen Anklang beim (amerikanischen) Publikum gefunden hätte, müssen wir zudem korrigieren. Allein die erste Folge konnte innerhalb einer Woche rekordverdächtige 9 Millionen Streams erzielen.

Unter anderem deshalb wird die Serie vom verantwortlichen Studio FX Network auch verlängert. Hauptdarsteller Hiroyuki Sanada hat seinen Vertrag für die zweite Staffel bereits unterschrieben. Auf die Romanvorlage kann sich diese dann zwar nicht mehr stützen, dafür aber auf das echte Geschichtsbuch. Und hier wartet wirklich noch großes erzählerisches Potenzial.

Findet ihr Jerry Londons Kritik an der neuen Shogun-Serie berechtigt oder freut ihr euch bereits auf die zweite Staffel? Welche Shogun-Adaption hat bei euch die Nase vorn? Schreibt es uns in die Kommentare!

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