Short-Form-Inhalte, also kurze Videos und Beiträge auf TikTok, Instagram, YouTube und Co. werden immer beliebter. Und während sie bei minimalem Aufwand unterhalten und informieren, verringern sie auch die Aufmerksamkeitsspanne der Nutzerinnen und Nutzer.
Die Regierung von Singapur will hier jetzt gegensteuern und hat sich dafür eine ganz besondere Kampagne ausgedacht. Das südostasiatische Land erklärt Lesen zu einem Spiel, mit dem sich das Volk sogar etwas dazuverdienen kann.
Lesen für den Kompetenzerwerb
Warum ist lesen sinnvoll? Unabhängig von den Informationen, die das Gelesene enthält, bildet Lesen gleich mehrere psychologische Kompetenzen aus. So erklärt Melissa Tam, Chefin des Nationalen Reading Boards von Singapur:
Während Short-Form-Inhalte uns informiert halten, sorgen Long-Form-Inhalte für eine bessere Aufmerksamkeitsspanne, kritische Denkfähigkeiten und Fantasie. Letztlich möchten wir eine Nation von Leserinnen und Lesern sehen, die neugierig, nachdenklich und urteilsfähig sind und über die nötigen Fähigkeiten verfügen, sich in einer zunehmend komplexen Welt zurechtzufinden.
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Mit Gamification zum Ziel
Um seine Bürger wieder zum Lesen zu animieren, hat die Singapur jetzt eine nationale Kampagne gestartet, die vorerst für fünf Jahre laufen soll. Einmal pro Tag können alle Einwohnerinnen und Einwohner auf einer staatlichen Website tracken, dass sie mindestens 15 Minuten gelesen haben. Dafür erhalten sie dann 20 virtuelle Münzen.
Wer 1.000 Münzen sammelt, kann sie gegen einen Singapur-Dollar eintauschen. Das entspricht aktuell 68 europäischen Cents. Da nur einmal pro Tag getrackt werden kann, brauchen Singapurer also mindestens 50 Tage, um die Geldsumme zu erhalten. Reich wird man mit dem einen Dollar zwar nicht, das eine oder andere Flohmarkt-Buch gibt es dafür aber schon.
Ob dadurch wirklich mehr Menschen zum Lesen animiert werden, bleibt abzuwarten. Die Grundidee ist allerdings durchaus spannend, auch wenn nicht kontrolliert werden kann, ob die getrackten Zeiten wirklich mit Büchern verbracht wurden.
Bekannte Methode: Das Konzept, bestimmte Handlungen ans Ziel (15 Minuten lesen) und Belohnungen (20 virtuelle Punkte erhalten) zu koppeln, nennt sich Gamification. Wie der Name bereits vermuten lässt, liegt der Ursprung im Belohnungssystem von Videospielen. Heute ist es als Teil unzähliger Apps eine gängige Praxis, um sich neue Angewohnheiten anzutrainieren oder produktiver zu werden.
Eine ähnliche Praxis gibt es in Brasilien, allerdings nur für Gefängnisinsassen. Wer dort fleißig Lektüren verspeist, kann damit unter Umständen die eigene Haftdauer verkürzen. Die ganze Geschichte findet ihr in der Linkbox weiter oben. Dort erfahrt ihr auch mehr über den neuen Roman des YouTubers MrBeast, der bei den Kritikerinnen und Kritikern gnadenlos durchfällt.
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