Früher galt ein Foto als misslungen, wenn jemand sagte: »Das sieht aus, als wäre es mit einem Handy aufgenommen.«
Heute hat sich das komplett gewandelt. Moderne Smartphones sind so weit, dass man oft zweimal hinschauen muss, um ihre Bilder von Aufnahmen einer Systemkamera zu unterscheiden.
Ich selbst nutze privat das Xiaomi 15 Ultra, mit großem 1-Zoll-Sensor und beeindruckender Bildqualität. Eigentlich bleibt da kaum ein Wunsch offen.
Aber ich habe mich gefragt: Lässt sich das noch toppen, wenn man das Handy mit echten Wechselobjektiven kombiniert? Genau das habe ich ausprobiert und war überrascht, was dabei herauskam.
Die Gegenthese liefert euch mein Kollege Patrick. Für ihn gibt es vor allem drei Gründe, warum ein Smartphone niemals seine Kamera ersetzen kann:
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3 Gründe, warum Smartphones niemals Kameras ersetzen können
Welche Ausrüstung habe ich verwendet?
- Xiaomi 15 Ultra
- Neewer PA101 Hülle für Xiaomi 15 Ultra
- Neewer LS-66 65-mm-Objektiv
- Neewer LS-29 Pro 8-mm-Fisheye-Objektiv
- Neewer LS-36 Pro 7x-Teleobjektiv
- Apexel 100-mm-Makro-Objektiv
Für dieses kleine Experiment habe ich das Xiaomi 15 Ultra verwendet, das eine hervorragende Hauptkamera besitzt. Ich war neugierig, ob ich noch mehr herausholen kann.
Dafür habe ich mir eine Hülle mit 17-mm-Gewinden gekauft und drei Smartphone-Objektive mit 17-mm-Anschluss. Das Apexel 100-mm-Makro-Objektiv habe ich von meinem Chef Mirco geschenkt bekommen, aber es ist glücklicherweise kompatibel mit der Hülle.
Die Verarbeitung ist größtenteils beeindruckend
Die Objektive sind zwar weitaus günstiger als die meisten Optiken für Systemkameras, aber dennoch nicht billig. Das 65-mm-Objektiv kostet zum Beispiel 130 Euro.
Ich bin froh, berichten zu können, dass die Verarbeitung der Objektive mir keine Wünsche offen lässt. Sie sind aus Metall und fühlen sich sehr hochwertig an.
Auch die Handyhülle für das Xiaomi 15 Ultra ist solide, hat aber wegen ihres Aussehens schon für einige Gespräche gesorgt.
Obwohl die meisten Objektive (links das 65 mm und rechts das 8 mm) etwas kompakter sind, passt das Handy damit nur in große Hosentaschen. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Die Ergebnisse haben mich (größtenteils) beeindruckt
Kommen wir zum wichtigsten Punkt: Wie sehen Fotos mit den Handyobjektiven aus? Gehen wir Objektiv für Objektiv durch.
65-mm-Objektiv: Bokeh, ganz ohne Software-Tricks
Fangen wir direkt mit dem Objektiv an, das mich am meisten beeindruckt hat. Diese Linse bietet euch in etwa das Blickfeld eines 65-mm-Objektivs, wenn es an die Hauptkamera von eurem Handy geschraubt wird. Das entspricht ungefähr dem Zoomfaktor 2,7x bei den meisten Handys.
Dieses Objektiv hat vor allem zwei Vorteile:
- Macht aus eurer Hauptkamera ein etwas längeres »Normal-Objektiv« (solche besitzen eine Brennweite von 50 mm). Fotos, die mit solchen Objektiven aufgenommen wurden, wirken auf uns besonders natürlich, da sie dem ähneln, was wir mit dem Auge sehen.
- Das Objektiv verleiht eurem Handy ein größeres Freistellungspotenzial. Das heißt, es ist einfacher, Fotos mit einem natürlichen Bokeh, also einem unscharfen Hintergrund, zu schießen.
Das 65-mm-Objektiv sorgt für eine merkbar geringere Schärfentiefe. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Das 65-mm-Objektiv ist mein Favorit unter den vier getesteten. Damit fühlt sich mein Handy fast schon wie eine Systemkamera an. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Weil mein Xiaomi 15 Ultra schon einen für Smartphone-Verhältnisse sehr großen Bildsensor für die Hauptkamera verwendet, war es mit diesem Objektiv sehr einfach, Motive vor einem verschwommenen Hintergrund zu fotografieren.
8-mm-Fisheye: Das macht richtig Spaß, aber es gibt einen großen Haken
Ich filme sehr viel Tricking und Breakdance und zu solchen Aufnahmen passen Fisheye-Objektive einfach perfekt, weil sie Bewegungen sehr viel dynamischer und etwas übertriebener darstellen.
Das 8-mm-Fisheye hat mir jedoch auch als Fotoobjektiv viel Spaß bereitet. An der Ultraweitwinkelkamera von meinem Xiaomi 15 Ultra wird daraus sogar ein Zirkular-Fisheye, also für kreisrunde Fotos und extrem breiten Blickfeld.
Es ist so breit, dass das Objektiv sogar hinter sich sehen kann. Auf vielen Fotos sind deswegen meine Finger oder meine Schuhe sichtbar. Ich schätze das Blickfeld auf ungefähr 220 Grad. An der Hauptkamera wird daraus ein 180-Grad-Fisheye.
Das Objektiv ist an den Rändern zwar nicht ganz so scharf, aber es macht dennoch richtig viel Spaß damit zu fotografieren. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Was mir jedoch nicht gefallen hat: Es ist an den Rändern sehr unscharf, wenn ich es an die Hülle montiere. Verwende ich hingegen die Klammer, ist es randscharf. Ich schätze, durch die Hülle ist der Abstand zum Bildsensor etwas zu groß und dadurch entsteht die Unschärfe. Das ist ärgerlich.
7x-Teleobjektiv: Ja, es funktioniert, aber es ist nicht empfehlenswert
Das sieht schon richtig komisch aus, so ein langes Objektiv an ein Handy zu schrauben, aber ich war dennoch neugierig, ob das gut funktionieren kann.
Das Neewer-7x-Objektiv verspricht, die Brennweite von eurer Hauptkamera zu versiebenfachen. Bei den meisten Handys erhaltet ihr ungefähr 168 mm. An der 100-mm-Telelinse vom Xiaomi 15 Ultra sind damit sogar 700 mm möglich.
Mit etwas Geduld, und am besten mit einem Stativ, gelingen auch mit dem 7x-Objektiv scharfe Fotos. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Mich hat diese Linse besonders gereizt, da die meisten Flaggschiff-Handys höhere Zoomstufen nur über Software- und KI-Tricks erreichen und nicht optisch.
Leider hat mich das 7x-Objektiv aus drei Gründen enttäuscht:
- Es verringert die Lichtaufnahme um mehrere Blendenstufen. Fotos sind entweder dunkler oder müssen mit höheren ISO-Einstellungen fotografiert werden, was das Bildrauschen verstärkt.
- Es ist nicht stabilisiert. Bei einer umgerechneten Brennweite von etwa 170 mm aus der Hand zu schießen ist nicht leicht. Angeschraubt am Teleobjektiv des Handys ist es besonders schwierig. Selbst auf dem Stativ sorgt jede kleinste Vibration für ein verwackeltes Sucherbild.
- Es muss manuell fokussiert werden. Das wird durch die genannten Nachteile noch schwieriger. Das Xiaomi 15 Ultra unterstützt immerhin »Focus Peaking«, um das etwas zu erleichtern. Dabei werden scharfgestellte Kanten farbig hervorgehoben.
100-mm-Makro: Bei Makrofotografie mit dem Handy gibt es eine große Hürde
Dieses kleine Objektiv macht zweifelsohne das, wofür es gemacht wurde. Angeschlossen an der Makro-Kamera meines Handys, erlaubt es erstaunliche Nahaufnahmen, die mit dem nackten Auge kaum sichtbar wären; das macht richtig Spaß!
Es gibt jedoch einen großen Nachteil: Die wenigsten Handys erlauben es, die physische Blende – einfach ausgedrückt, die Öffnung, durch das Licht auf den Bildsensor fällt – zu verkleinern. In der Makrofotografie wird oft mit kleinen Blenden fotografiert, weil dadurch eine größere Schärfentiefe erreicht wird.
Mit einem Makro-Objektiv am Handy kommt ihr sehr nah an eure Motive heran, aber die Schärfentiefe ist sehr gering. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Bei meinem Xiaomi 15 Ultra und seinem großen 1-Zoll-Typ-Sensor ist die Schärfentiefe ohnehin schon geringer als bei Handys mit kleineren Sensoren. Bei Makrofotos ist somit die Ebene der Schärfe so klein, dass selbst der Körper von Insekten nicht vollständig scharf ist.
Handy als Systemkamera? Es ist möglich, aber es gibt weitaus bessere Optionen für euer Geld
Linh: Handyobjektive können eine spannende Ergänzung sein, besonders wenn ihr ohnehin viel mit dem Smartphone fotografiert, Lust auf etwas Experimentieren habt oder mit exotischen Brennweiten wie Fisheye oder Tele spielen wollt.
Sie eröffnen Möglichkeiten, die euer Handy von Haus aus nicht bietet, und machen vor allem dann Spaß, wenn es euch um Kreativität geht.
Allerdings: Gute Linsen sind nicht billig. Für den Preis, den ihr für ein bis zwei hochwertige Smartphone-Objektive zahlt, bekommt ihr auf dem Gebrauchtmarkt schon eine solide Systemkamera mit Kit-Objektiv. Damit lernt ihr sehr viel mehr über Fotografie und habt am Ende die deutlich bessere Bildqualität.
Handyobjektive sind ein nettes Spielzeug, aber wer wirklich tiefer einsteigen will, ist mit einer gebrauchten Kamera besser beraten.
Habt ihr schon einmal Erfahrung mit Handyobjektiven gemacht oder seid ihr an ihnen interessiert? Schreibt es uns gern in die Kommentare!




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