Garmin, Withings, Polar, Fitbit (Google), Amazfit und bald wohl auch Samsung haben eines gemeinsam: Für die Nutzung sämtlicher Funktionen der Smartwatches wird eine monatliche Gebühr fällig.
Die Abo-Krankheit hört bei Smartwatches längst nicht auf. Andere Wearables in Form von smarten Ringen, Armbändern und Co. kommen zum Teil mit einem kostenpflichtigen Service daher.
Inzwischen ist es leichter, Produkte zu nennen, die ohne einen Premium-Plan auskommen. Hersteller wie RingConn werben sogar damit, dass ihr Gadget keinen Abo-Plan erfordert. Absurd! Das bringt verschiedene Probleme mit sich, die mir den Spaß an solchen Gadgets gehörig vermiesen.
Ich bin extrem Abo-Müde
Ich habe keine Lust mehr auf Abos. Es nervt. Neben Streamingdiensten zahle ich für Schreibprogramme, Bildbearbeitungssoftware und Cloud-Speicher. Monatlich prüfe ich routinemäßig meine laufenden Abonnements, damit der Fitnessstudio-Effekt nicht eintritt: Ich zahle für etwas, das ich gar nicht benutze.
Inzwischen ist die Gewohnheit, Abo-Services zu nutzen, so weit verbreitet, dass es schon verdächtig wirkt, wenn ein Produkt oder eine Software zu einem Einmalpreis ohne Zusatzkosten angeboten wird. Absurd.
Obendrein werden die Mitgliedschaften stetig teurer. So zahle ich für Photoshop und Lightroom bald 18 Euro statt 12 Euro im Monat. Der monatliche Obolus für diverse Streaming-Dienste wird ohnehin fortlaufend angepasst.
Ein weiteres Abonnement für ein Wearable muss also gut überlegt sein, denn die Kosten-Nutzen-Frage ist im Vorfeld oftmals nicht leicht zu beantworten.
11:59
Schlaftracker versus Schlaflabor - Wie genau sind Apple Watch und Co.?
Die Kostenfrage ist jetzt wichtiger denn je
Oft wird das zusätzliche Abonnement erst beim Kauf oder sogar erst bei der Einrichtung des Geräts offensichtlich. Unter Umständen gibt es sogar mehrere Pläne.
Zusätzlich muss gezielt recherchiert werden, welche Leistungen in der Premium-Mitgliedschaft enthalten sind und welche nicht. Selbst dann sorgen Phrasen wie »Exklusive Inhalte« in Listen-Darstellungen nicht für Erleuchtung.
Ich teste beruflich Wearables und kann euch um drei Uhr nachts sagen, was in diversen Abonnements enthalten ist. Die Fülle an Informationen kann Neueinsteiger allerdings erschlagen.
Das sorgt besonders dann für Frust, wenn essenzielle Messwerte künstlich eingeschränkt werden, etwa detailliertes Schlaftracking (HRV, Sp02), Trainingsanalysen, Stressmesswerte und vieles mehr.
Smartwatches, Wellness- und Fitnesstracker sind keine günstige Anschaffung und überdauern viele Jahre. Ein Langzeit-Abo (zwischen 6 und 10 Euro pro Monat) über mehrere Jahre summiert sich erheblich und kann den ursprünglichen Kaufpreis übersteigen.
Davon abgesehen, macht sich eine leise Unsicherheit breit. Immer mehr Hersteller kündigen Premium-Mitgliedschaften für ihre (teuren) Geräte an. Zukünftige und potenziell wichtige oder praktische Funktionen landen demnach unter dem Abo-Schirm.
Das ist nur logisch. Schließlich möchte man seinen zahlenden Kunden einen Mehrwert bieten, sodass sich eine teure Mitgliedschaft auszahlt.
Abos binden an Ökosysteme
Die Investition in Abo-Dienste bindet zudem immer stärker an den jeweiligen Hersteller. Wer seine Fitness- und Gesundheitsdaten über Jahre hinweg in einem Ökosystem gesammelt und sich an bestimmte Funktionen gewöhnt hat, für den ist ein Wechsel zu einem Konkurrenten alles andere als trivial.
Initiativen wie Health Connect von Google und Apple Health, die darauf abzielen, Rohdaten wie Schritte, Herzfrequenz, Schlaf und Trainingsdaten zusammenzuführen und mit anderen Apps auszutauschen, entschärfen diesen Effekt.
Allerdings werden darüber längst nicht alle Daten geteilt, die sich hinter den kostenpflichtigen Abo-Services verbergen. Dazu gehören beispielsweise EKG-Daten, Daten zur Blutsauerstoffmessung, HRV-Analysen (etwa zur Stressmessung) oder andere Metriken, die auf proprietäre Algorithmen zurückgreifen.
Nicht alles ist grundlegend schlecht
Die Hersteller schmücken ihre Abo-Services teilweise mit KI-Chatbots, die beim Aufschlüsseln der Gesundheitsdaten mit Aussagen wie »Du bist auf einem guten Weg« keine neuen Erkenntnisse liefern und daher ignoriert werden können.
Aber nicht alles ist schlecht an Abo-Diensten im Wearable-Bereich. Meiner Ansicht nach ist beispielsweise Withings auf dem richtigen Dampfer.
Grundlegende Funktionen werden ohne monatlichen Aufpreis angeboten, während spezifische Features wie Cardio-Check-ups, leckere Rezepte, Workout-Videos und Info-Artikel den Premium-Nutzern vorbehalten bleiben. Diese Features bieten einen echten Mehrwert.
Schade nur, dass die Trend-Analysen ebenfalls dem Abo-Dienst zum Opfer fallen. Trends sind meiner Meinung nach einer der größten Pluspunkte solcher Gadgets, um sein Trainings- und Schlafverhalten retrospektiv besser zu verstehen.
Kurzum: Der Mehrwert muss stimmen und wichtige Messdaten dürfen nicht künstlich beschnitten werden. Dann klingt das Angebot fair.
Der (positive) Nebeneffekt
Die ganze Geschichte hat für mich einen Nebeneffekt. Ich blicke über den Tellerrand und suche nach Alternativen, die ich ansonsten konsequent ignoriert habe.
Welcher Hersteller bietet mir das beste Gesamtpaket für mein Budget, ohne dass Zusatzkosten entstehen? Diese Frage wird für mich immer wichtiger. Auf zusätzliche, immer teurer werdende Abo-Gebühren möchte ich bewusst verzichten.
Und wenn das so weitergeht und immer mehr Hersteller mitziehen, dann verzichte ich zumindest privat auf derartige Tracker.
Denn es fühlt sich falsch an: Man kauft eine Smartwatch oder ein anderes Gadget für mehrere Hundert Euro. Eine ordentliche Summe, die mir das Gefühl geben sollte, ein Produkt zu besitzen.
Die monatlichen Kosten machen dieses Gefühl aber zunichte. Plötzlich wird aus dem Kaufpreis eine Art Anzahlung. Die eigentliche Nutzung des Geräts ähnelt immer mehr einer Miete.
Jetzt interessiert mich eure Meinung zu diesem Thema! Wie steht ihr grundsätzlich zu Abonnements bei Wearables, Produkten, Apps und Co.? Gibt es Abonnements, die sich für euch besonders lohnen? Habt ihr euch wegen eines Abo-Dienstes schon einmal von einem Hersteller abgewandt, oder seht ihr darin kein Problem? Schreibt es gerne unten in die Kommentare!

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