Wie viele Lichtlein funkeln dort oben? Wenigstens Billiarden, doch wir als Menschheit säen eine einzigartige Pracht ins All, die unser aller Leben mitbestimmt: Satelliten. Allen voran SpaceX treibt mit seinen Starlink-Konstellationen die Zahl seit einigen Jahren steil in die Höhe.
Doch die künstlichen Mini-Trabanten sind sterblich. Die Erde holt sie sich zurück – und das mit einer bisher nie dagewesenen Rate: Täglich verglühen momentan etwa zwei Satelliten. Die Folgen davon fallen schlimmstenfalls katastrophal, aber mindestens ungewiss aus.
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Das sind unsere Botschafter für die Ewigkeit jenseits des Sonnensystems – mit an Bord Clyde Tombaugh
Der Satelliten-Schwarm wächst und brennt
- 1970: 500
- 2000: 1200
- 2020: 2200
- 2025: 15.000
Fällt etwas auf? Die Liste oben gibt die ungefähre Anzahl von aktiven Satelliten im jeweiligen Jahr an (via statista und ESA Space Environment Report 2025). Kurzum: Seit wenigen Jahren erlebt der Orbit einen Ansturm, der vor fünf Jahren für 99,999 Prozent aller Menschen wohl als undenkbar galt.
Der Großteil der Objekte umrundet unseren Planeten unterhalb 2.000 Kilometer Höhe (LEO).
SpaceX allein betreibt hier derzeit (Stand Oktober 2025) rund 8.500 Starlink-Satelliten, doch momentan verglühen von ihnen pro Tag oft zwei Stück und manchmal mehr – je nachdem, was sonst buchstäblich von anderen (quasi-staatlichen) Betreibern herabfällt.
Das ergibt sich aus kombinierten Daten von SpaceX sowie einer Studie.
Die Gründe: Die Satelliten bewegen sich nicht im Vakuum und die erste Generation hat das Greisenalter erreicht. Für einen längeren Betrieb als rund fünf Jahre ist kein Starlink ausgelegt – auch aufgrund von mangelndem Treibstoff.
Denn jeder Satellit im LEO rast fortwährend durch die äußersten Ausläufer der Erdatmosphäre. Die dabei zwangsläufig auftretende Reibung senkt die Umlaufbahn stetig ab – und erhöht somit auch den Widerstand, ein Teufelskreis.
Zudem sorgt die derzeit hohe Sonnenaktivität (normaler 11-jähriger Zyklus) für ein Aufblähen der Thermosphäre. Sie erhitzt sich und so verdichtet sich um die Satelliten die Materie, kurzum: noch mehr Reibung.
75.000 Satelliten in 2030?
Derweil stellt das nur den Anfang dar: Nach Prognosen von Forschern oder auch allgemein anhand von Hochrechnung für 2030 von um die 75.000 Satelliten kommen potenzielle Wiedereintritts-Raten von bis zu fünf pro Tag heraus (via fortunebusinessinsights und ESA).
Denn neben SpaceX werden Konstellationen wie One Web von Blue Origin sowie mehrere Projekte Chinas die Zunahme anfeuern – sowohl gen Orbit als auch aus ihm fort. Sie alle landen im LEO und sind nicht auf langfristige Nutzung ausgelegt.
Einen Überblick über die Lage im Orbit könnt ihr euch auf satellitemap.space verschaffen. Protipp: Blinkt hier ein Satellit rot, hat das Ende seiner Zeit im Orbit begonnen. Gebt ihr seine Identifikationsnummer in dieser Datenbank ein, erhaltet ihr weitere Daten, inklusive seines voraussichtlichen Wiedereintritts.
Zudem fasst der Astronom/Astrophysiker Jonathan C. McDowell auf seiner Website planet4589.org die bestätigten Wiedereintrittsdaten von Starlinks in einer regelmäßig aktualisierten Grafik zusammen.
Die Bedrohung: feuriges Aluminium
Auf der Oberfläche kommt nur extrem selten Schrott von kleinen Satelliten an – und wenn dann, so gut wie immer über dem Meer. Das versichert auch SpaceX und Daten untermauern es.
Aber das, was in die Atmosphäre eingetragen wird, ist nicht unproblematisch, wie Forscher in Studien darlegen. Satelliten sind der Masse nach größtenteils aus Aluminium aufgebaut.
Was ist denn an dem chemischen Element mit der Ordnungszahl 13 so schlimm? Verglüht Aluminium, bilden sich durch chemische Reaktionen Aluminiumoxid-Nanopartikel. Diese verstärken Prozesse zwischen Ozon und Chlorgas.
Ersteres wird aufgespalten und ferner behindern die künstlich eingebrachten Partikel (laut Computer-Simulationen), die Bildung von neuem Ozon. So kann der Strahlen-Schutzschild potenziell auf lange Sicht merklich beschädigt werden.
Mittlerweile geraten obendrein die mit mehr Starts zwangsläufig stetig wachsende Zahl von Raketenresten ins Visier der Forschung. Denn auch sie verteilen nach ihrem umweltschädlichen Aufsteigen auch beim Wiedereintritt reichlich an schmutzigen Hinterlassenschaften.
Gibt es eine Alternative zum Verglühen? Jein, streng genommen nicht. Der Versuch, Satelliten im Orbit zu halten, würde in einem nimmer endenden Wettlauf münden. Satelliten in unteren Orbits verglühen früher oder später. Manche nach Jahren, manche nach Jahrzehnten, aber niemand entkommt seinem Ursprung, der Erde.
Dafür reicht – wenn überhaupt vorhanden – der Treibstoff zum Reboosten nicht. Dahinter verbirgt sich das Aufsteigen in höhere Orbits durch Eigentriebwerke. Starlinks verfügen über Ionenantriebe (auch als Hall-Effekt-Triebwerke bekannt). Der letzte Tropfen an Treibstoff (Krypton) wird aber für den kontrollierten Wiedereintritt (Reentry) genutzt.
Für Satelliten weiter oben (35.786 Kilometer versus 500 Kilometer) besteht hingegen die Chance, in einem sogenannten Friedhof-Orbit eingelagert zu werden.
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Kessler-Syndrom
Jenseits verglühender Satelliten bildetet aber etwas Anderes das Nährbett für einen wahren Albtraum der Forschung: eine quasi aus den Fugen geratene Menge an Satelliten, das Kessler-Syndrom droht auszubrechen. Darunter verstehen wir die unkontrollierte Vermüllung des Erdorbits.
Je mehr Objekte um die Erde kreisen, desto größer ist die Chance, dass Trümmer bei einer Kollision mit weiteren kollidieren. Es entstehen neue Objekte und so weiter.
Am Ende sitzt die Menschheit auf der Erde fest, während im Orbit ein infernalisches Chaos losbricht, das rund um die Uhr hoch oben in aufflammenden Schrott mündet: Die Erde wird zum bewohnten Sarg-Planeten – in 30 Jahren könnte es so weit sein.
Meinung aus der Redaktion (Gerald Weßel): Grundsätzlich lässt sich der aktuelle Trend wohl nicht stoppen und Konstellationen wie Starlink bringen ja vielen Menschen auch einen Nutzen, zum Beispiel Internet in abgelegenen Regionen.
Bürgerinnen und Bürger, egal wo, wollen ferner kaum auf GPS und Co. verzichten, geschweige denn auf Wettersatelliten oder rundweg die Raumfahrt einstellen.
Doch Unternehmen sowie alle Staaten müssen den Orbit als endliche und empfindliche Ressource begreifen, denn die Qualität dieses Raumes liegt in seiner maßvoll erhaltenen Leere – nicht in einer maßlosen Verstopfung.
Wir sollten, ja müssen ihn nutzen, um als reifende Menschheit zu wachsen. Aber jeder Kubikzentimeter dort oben gehört nicht einzelnen von uns, sondern uns allen gemeinsam.
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