PlayStation und Xbox gegen den PC: Das Ende des Ungleichgewichts? Was Xyras kann – und was nicht

Mit dem Xyras-Gadget könnt ihr euren Kopf zum Zielen benutzen. Das soll vor allem beim Spielen mit dem Controller helfen, aber wie gut klappt das in der Praxis?

Bei mir thront das Headtracking-Gadget oben auf meinem Headset. Weil ich die mitgelieferten Klebestreifen nicht mehr gefunden habe, musste ich auf Tesafilm ausweichen. Aber es passt, wackelt nicht und hat keine Luft! Bei mir thront das Headtracking-Gadget oben auf meinem Headset. Weil ich die mitgelieferten Klebestreifen nicht mehr gefunden habe, musste ich auf Tesafilm ausweichen. Aber es passt, wackelt nicht und hat keine Luft!

Kommt es in Spielen auf pixelgenaues Zielen an, dürften die meisten PC-Spieler zu Maus und Tastatur greifen. Auf den Konsolen ist dagegen in aller Regel der Controller im Einsatz.

Dabei sind einerseits viele der Ansicht, dass man mit einem Controller nie so genau zielen kann wie mit einer Maus. Andererseits ist es durchaus beeindruckend, geübten Konsolenspielern beim Zielen mit dem Gamepad zuzusehen.

Angeheizt wird diese Diskussion zusätzlich durch verschiedene Zielhilfen auf den Konsolen wie zuletzt etwa im Fall von Call of Duty: Black Ops 7.

Und jetzt kommt Xyras aus diesem Erfahrungsbericht in Spiel.

Die Idee hinter dem Gadget: euren Kopf per Headtracking als Eingabegerät zu benutzen, um beim Spielen mit dem Controller an die Genauigkeit vom Zielen mit der Maus heran zu kommen. Aber wie gut funktioniert das Gadget zu einem (hohen) Preis von 169,99 Euro im Spielealltag?


Ein ganz anderer ungewöhnlicher Ansatz, um Spiele zu bedienen: Der erste Prototyp des Move Master

Video starten 14:41 Tastatur-Ersatz für PC-Spieler - Move Master statt Keyboard


Die Basis: Xyras-Einrichtung

Um das Xyras-Gadget nutzen zu können, müsst ihr im Kern drei Dinge tun:

  • Das USB-Kabel eures Controllers (beziehungsweise den USB-Dongle) in den zwischengeschalteten Xyras-Adapter einstecken und diesen dann an eurer Konsole oder eurem PC anschließen
  • Das Gadget für das Headtracking über die mitgelieferten Klebestreifen an eurem Headset anbringen
  • Die Handy-App herunterladen, um Xyras einzurichten, zu kalibrieren und zu konfigurieren

Anschließend werden eure Kopfbewegungen in Controller-Eingaben übersetzt, genauer gesagt in die Bewegung des rechten Sticks. Er steuert typischerweise die Blickrichtung in Spielen.

In Zukunft ist geplant, auch andere Bedienelemente des Controllers wie die Tasten oder das D-Pad zu unterstützen. Bei meiner Testversion war das aber noch nicht möglich. Eine Windows-Software soll in Kürze ebenfalls erscheinen.

Unterstützte Controller
PlayStation
  • Dualshock 4
  • Dualsense
  • Dualsense Edge
Xbox
  • Xbox One
  • Xbox Series
  • Xbox Elite 2
PC
  • Xbox-Controller der Modelle 1537, 1708, 1914 und 1698
  • DualShock 4 der Modelle CUH-2CT1x und CUH-ZCT2x sowie DualSense und DualSense Edge (Modell: CFI-ZCT1W)

Das kann die App:

  • Sie ist abseits der Kalibrierung vor allem für das Fein-Tuning da. So könnt ihr etwa die Empfindlichkeit oder die Deadzones einstellen (also den Bereich, in dem eure Bewegungen bewusst ignoriert werden, um ungewollte Steuereingaben zu vermeiden).
  • Außerdem stehen Spielprofile mit vorgefertigten (und anpassbaren) Settings zur Wahl. Grundsätzlich funktioniert Xyras aber mit jedem Spiel, das sich per Controller bedienen lässt, mit Ausnahme der PS5.

Sonderfall PS5: Nur im Falle der PlayStation 5 ist es wirklich wichtig, die offiziell zur Verfügung gestellten Profile zu beachten. Das hängt mit der Gyro-Funktion des PS5-Controllers zusammen, wie Xyras uns erklärt:

Lediglich die Playstation 5 ist hier ein Sonderfall. Dort gibt es tatsächlich eine Spieleliste, da es auf der Playstation 5, anders als der PS4, nicht so einfach möglich ist, den Joystick zu überlagern und hier stattdessen mit der Controller eigenen Gyro-Funktion gearbeitet wird. Diese wird aber nicht von allen Spielen unterstützt.

Wie gut spielt es sich mit Xyras?

Das Headtracking klappt meiner Erfahrung nach grundsätzlich präzise. Wie gut es sich damit spielt, kommt aber ganz darauf an, wie viel Zeit ihr der Eingewöhnung gebt. Denn die braucht meiner Erfahrung nach eine ganze Weile.

Außerdem sollte die Erwartungshaltung stimmen. Derzeit hat das Gadget vor allem zwei hauptsächlich anvisierte Einsatzbereiche:

  • Shooter: höhere Genauigkeit beim exakten Anvisieren, wenn ihr mit einem Controller spielt
  • Rennsimulationen: mehr Immersion durch die Möglichkeit, den virtuellen Kopf in der Innenansicht nach links und rechts zu drehen

Es geht also nicht darum, sich generell in der Spielwelt umzusehen, was allein schon am grundlegenden Setup scheitert. Denn bewege ich meinen Kopf, schaue ich nicht mehr wie gewohnt zentral auf die Mitte des Bildes, wo der Blick aber unweigerlich immer wieder hinwandert.

Man landet gleichzeitig nicht stets wieder exakt an der gleichen Position wie vorher, wenn man den Kopf zurück in die Mitte bewegt, oder höchstens mit viel Feinschliff bei den Einstellungen.

Empfehlen kann ich das Headtracking für diesen Einsatz generell nicht und dafür ist es auch nicht gedacht.

Video starten 53:12 Maus & Tastatur richtig wählen – PCGH-Experte Frank klärt auf

Vor allem Shooter-Spieler mit Controller sollen profitieren

In Shootern geht es darum, das grobe Anvisieren von Gegnern mit dem Stick des Controllers zu erledigen und das möglichst genaue Zielen über das Headtracking.

  • Xyras spricht davon, dass diese Art der Bewegung genauer sei als die mit dem Controller. Meinen Eindrücken nach stimmt das wirklich, sofern man genug übt. So richtig warm geworden bin ich mit dieser Art der Steuerung letztlich aber doch nicht.
  • Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich Shooter bisher immer nur mit Maus und Tastatur gespielt habe. Für mich fühlt sich daher auch das Zielen per Headtracking einfach nicht so genau an, wie das, was ich gewohnt bin. Vielleicht müsste ich dem aber auch nur mehr Zeit geben, etwa Wochen statt Tage.
  • Ist man es außerdem gewohnt, per Controller zu zielen, wie es auf den Konsolen meist der Fall ist, könnte Xyras in der Tat jetzt schon einen Blick wert sein.

Auf dem PC wird das für mich möglicherweise später der Fall, wenn mehr Funktionen hinzukommen (siehe den Abschnitt ... und was noch kommt weiter unten).

Was man wissen muss ...

Wer Xyras nutzt, muss sich auf viel Fein-Tuning einstellen. So empfiehlt es sich etwa, die Deadzones im Spiel selbst möglichst niedrig einzustellen beziehungsweise auszuschalten.

Im Falle des 25th Anniversary Remaster von System Shock 2 (offizielles Xyras-Profil ist vorhanden) wurde das Headtracking dann aber für meinen Geschmack zu unruhig, selbst wenn ich in der Xyras-App eine gewisse Deadzone eingestellt habe.

Bis ich für mich optimale Einstellungen gefunden hatte, musste ich viel mit Deadzones, Empfindlichkeiten und Glättungs-Optionen experimentieren (was mir aber durchaus Spaß gemacht hat).

Empfehlenswert ist außerdem die Option Nur beim Zielen in den Controller Settings der Xyras-App (siehe das folgende Bild und dort den Bereich unten links). So greift das Headtracking erst, wenn ich den linken Trigger herunterdrücke, und nie ungewollt.

Bei der Übersetzung hapert es teils noch etwas, grundsätzlich bietet die Xyras-App aber alle wichtigen Einstellungen in kompakter Form. Bei der Übersetzung hapert es teils noch etwas, grundsätzlich bietet die Xyras-App aber alle wichtigen Einstellungen in kompakter Form.

... und was noch kommt

Xyras hat auch abseits der PC-App noch einiges vor. Neben Profilen für weitere Spiele und Genres finde ich vor allem die geplante Möglichkeit interessant, den Kopfbewegungen nicht nur dem rechten Controller-Stick zuweisen zu können.

Sowohl die Belegung mit anderen Controller-Tasten als auch mit Keyboard-Funktionen ist geplant. Die PC-Software wird dabei der erste Ort der Umsetzung sein, bevor Funktionen nativ auf dem Gadget landen, denn nicht alles, was auf Konsolen praktisch wäre, ist es auch auf dem PC, so die Entwickler.

Ein Beispiel für eine andere Funktionalität auf diesem Weg: Den Tracker an einen Arm anbringen und über eine Bewegung einen Nahkampfangriff ausführen. Denkbar wäre außerdem der Einsatz als Bedienungshilfe für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, ähnlich wie beim Fußcontroller Bcon:

CapLab Bcon - Spielen mit dem Fuß

Wie gut das alles am Ende klappt und wie nützlich es in der Spielpraxis wirklich ist, muss sich erst noch zeigen. Ich freue mich aber über diesen neuen Ansatz bei der Steuerung von Spielen und bin gespannt, was noch alles kommt – und wie echte Controller-Profis es im Alltag beurteilen werden.

Lasst mich gerne in den Kommentaren wissen, was ihr von dem Konzept haltet und ob ihr es selbst gerne mal ausprobieren würdet!

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