Wir wissen jetzt, weshalb das Starship explodierte – und ein Raumfahrtexperte sieht darin ein Problem für zukünftige Flüge von SpaceX

SpaceX hat zu deutscher Zeit gegen 23:37 Uhr zum siebten Mal das vollintegrierte Starship gestartet. Ungetrübte Freude sollte aber nur während der ersten Minuten herrschen – dann folgte Enttäuschung.

Die drei erfolgreichen Phasen des SpaceX-Abends: Links vor dem Start, mittig das Abheben und schließlich rechts das Einfangen des Boosters. Bildquelle: SpaceX Die drei erfolgreichen Phasen des SpaceX-Abends: Links vor dem Start, mittig das Abheben und schließlich rechts das Einfangen des Boosters. Bildquelle: SpaceX

Update um 20:45 am 17. Januar: Elon Musk hat auf X erklärt, was vergangene Nacht beim Testflug des rundum erneuerten Starships falsch lief. Es kam infolge eines Sauerstoff- und/oder Treibstofflecks zu einem Feuer in einem Hohlraum knapp über den Triebwerken. SpaceX stützt diese Aussage ihres CEOs.

Aus Sicherheitsgründen wurde deshalb wohl das Flugabbruchsystem ausgelöst, vermutet der bekannte US-amerikanische Raumfahrtexperte Scott Manley in einem Video auf YouTube. Das Feuer habe wohl kaum genug Zeit gehabt, um das Schiff zur Explosion zu bringen, stattdessen kämen nur die extra hierzu mitgeführten Sprengsätze infrage. In rund 150 Kilometer Höhe endete der siebte Testflug des Starships nach rund 8 Minuten. Der Super Heavy Booster war da schon erfolgreich gelandet.

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Infolge der herabstürzenden Trümmerteile des Starships änderten zahlreiche Verkehrsmaschinen ihre Flugroute, um dem Gefahrenbereich fernzubleiben. Andere Maschinen blieben vorsorglich länger am Boden (via theguardian).

Manley wirft auch deshalb die Frage nach dem Sinn der laut hm wahrscheinlichen Selbstzerstörung auf. Aufgrund der ballistischen Flugbahn des Starships zurück zur Oberfläche (durch Abschalten aller Triebwerke) wäre es wohl in einem Stück im Atlantischen Ozean aufgeschlagen. Nach seiner Meinung wäre das mitunter die sichere Vorgehensweise gewesen – inklusive weniger Irritationen bei Dritten.

Nach seiner Argumentation erfordere das Starship ein Umdenken beim Einsatz der Sprengsätze zur sogenannten flight-termination. Denn die Außenhülle des Starship besteht aus Edelstahl. Der sei so widerstandsfähig, dass eine deutlich höhere Chance, als bei Kohlenstoff oder Aluminium bestehe, dass er als potenziell gefährliche Trümmer die untere Erdatmosphäre erreicht.

Wann fliegt das Starship erneut? Das ist schwer zu sagen, aber wahrscheinlich wird es etwas länger als angenommen dauern, da die amerikanische Flugaufsicht (FAA) eine Untersuchung angeordnet hat (via FAZ). Sobald das Ergebnis eines Fluges gravierend von dem geplanten Ende abweicht, ist solch eine Maßnahme erforderlich, damit der Prototyp erneut eine Flugerlaubnis erhalten kann. Elon Musk sieht allerdings laut seines Posts auf X keinen Grund, den nächsten Start länger als bis Ende Februar hinauszuzögern.

Um 23:37 Uhr Donnerstagnacht deutscher Zeit zünden 33 Raptor-Triebwerke. Der siebte Testflug des Starships von SpaceX beginnt, gigantische Wolken Wasserdampfs rollen wie eine Walze über die Küste Boca Chicas in Texas.

Zum Einsatz kommt erstmals ein Starship vom Block-2, das etliche Neuerungen gegenüber seinem Vorgänger aufweist (via SpaceX). Wenige Minuten später fängt der Startturm den 71 Meter hohen Booster (etwa 23 Stockwerke) erfolgreich bei Zentimeter-Landung ein.

Auch während der Artemis-Mondmission soll das Starship als Landevehikel eine zentrale Rolle einnehmen. Eventuell wird diese sogar noch größer, wie wir in einer Analyse zur Zukunft der NASA erläutern.

Video starten 2:13 Die NASA gibt einen Einblick auf das Jahr 2024 - Inklusive Mondmission & mehr

Ablauf der Mission und der heimliche Star

Ausführlich findet ihr alle Informationen, wie der siebte Testflug hätte ablaufen sollen, in unserer separaten Ankündigung.

Der heimliche und wohl kleinste Star dieser Testmission war ein Bereich der Hitzeschutzkacheln am neuen Block-2-Starship. Denn SpaceX wollte unter anderem ein aktiv gekühltes Segment aus Metall anstatt aus Glaskeramik testen.

Dazu dringt Flüssigkeit durch winzige Öffnungen nach außen und reduziert durch Verdunstung den Stress auf der Außenhaut. Auf lange Sicht stellt sich nämlich der Hitzeschutz als eine der Kernherausforderungen heraus. Im besten Falle soll die widerstandsfähige Schicht mehrere Wiedereintritte überstehen – oder zumindest nur geringe Ausbesserungen nach jedem Flug erfordern.

Das zweite gelungene Einfangen des Boosters ist derweil bereits ein großer Schritt hin zur Serienreife. Sicher zur Freude von Elon Musk, denn er hat erst kürzlich neue Pläne für die ersten Flüge zum Mars vorgelegt.

Auch wenn das Block-2-Starship seine Aufgaben im All sowie den Wiedereintritt beim Jungfernflug nicht angehen konnte, zeigt sich SpaceX zum Ende des Streams optimistisch – wie bisher immer – rasch aus dem Fehlschlag zu lernen. Die Änderungen gegenüber der Ursprungsvariante, die bereits mehrfach von Start bis Landung erfolgreich geflogen wurde, sind umfangreich.

Auch wenn Blue Origin mit New Glenn beim Erststart zu deutscher Zeit am Morgen des 16. Januars einen Orbit erreichen konnte, bleibt SpaceX das führende Unternehmen auf dem globalen Tableau der Raketenbetreiber. Dies gilt vor allem mit Blick auf die schweren Lasten jenseits der 50 Tonnen in den niedrigen Erdorbit (LEO). Denn die neue Orbitalrakete von Blue Origin stellt langfristig nur für die im Markt etablierten Falcons eine Konkurrenz dar, nicht für das Starship.

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