Update am 28. Mai 2025 um 11:12 Uhr: Inzwischen liegt das erste Statement von SpaceX vor. Die Informationen entsprechen dem weiter unten nach Beobachtung zusammengefassten.
Update am 28. Mai 2025 um 02:45 Uhr: Super Heavy Booster 14-2 und Starship Nummer 35 sind erfolgreich zum neunten Testflug gestartet.
Der Booster ist kurz vor der geplanten Landung im Wasser verloren gegangen. Es gibt bisher keine exakten Informationen, weshalb. Er flog zum zweiten Mal und war der erste wiederverwendete Booster.
Das Starship schaffte es bis zur geplanten Triebwerksabschaltung auf seiner suborbitalen Umlaufbahn. Dort begann es aber nach einigen Minuten unkontrolliert zu rotieren. SpaceX meldete im Livestream Probleme mit Lecks an Bord.
In etwa 60 Kilometern Höhe ging der Kontakt zum Starship verloren. Zuvor war auf den nur noch sporadisch Daten sendenden Kameras zu sehen, wie das Starship 35 brannte und buchstäblich schmolz.
Dennoch kann der Flug vorerst, bevor SpaceX genaue Angaben macht, als Erfolg gewertet werden. Denn das Starship übertraf seine zwei Vorgänger vom Block 2 deutlich. Zudem überstand der Super Heavy Booster 14-2 als erste zuvor gestartete und am Startturm gefangene Erststufe seinen erneuten Einsatz – zumindest bis kurz vorm geplanten Ende.
Ob aber das Problem, was Flug 7 und 8 zum Verhängnis wurde, behoben ist, bleibt fraglich. SpaceX muss hier für Klarheit sorgen, was sie die Kontrolle über Starship 35 hat verlieren lassen.
Elon Musks SpaceX setzt mit seinem Starship erneut zum Start an: Die potenzielle Mars-Rakete soll mitsamt Booster in der Nacht von Dienstag, 27. Mai, auf Mittwoch, 28. Mai, deutscher Zeit gegen 1.30 Uhr von der Starbase in Texas zu seinem neunten Testflug abheben.
Wir fassen die Fakten zu diesem vielleicht bisher wichtigsten Flug der größten Rakete aller Zeiten zusammen. Ferner lernt ihr ein potenziell tödliches Detail kennen. Einst kämpfte auch die legendäre Saturn V
-Mondrakete hiermit.
Tipp: Ihr könnt den Start live auf der offiziellen Website von SpaceX im Stream verfolgen. Wir halten euch hier aber auch auf dem Laufenden.
Ein britisches Unternehmen hat einen Antrieb entwickelt, der mittels eines Kernfusionsreaktors den Starships auf ihrem Flug zum Mars zusätzlichen Schub verleihen könnte.
1:39
Wie kommen wir an Wasser auf dem Mond? Eine NASA-Expertin erklärt es
Geschichtsträchtig, egal was passiert
Gleichweg, was mit Super Heavy Booster 14-2
oder dem Starship Nummer 35
beim oder nach dem anstehenden Start passiert, sie haben ihren Eintrag im Geschichtsbuch sicher.
Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit hebt eine derart große Rakete (etwa 123 Meter hoch) erneut ab. Der Booster flog nämlich bereits Mitte Januar 2025 und war das zweite jemals von SpaceX am Startturm eingefangene Raumschiff.
In der Zwischenzeit wurde das Schiff überholt, durchgecheckt und vier der 33 Raptor-Triebwerke durch neue ersetzt.
Nach zwei Rückschlägen bei den Flügen 7 und 8 lastet viel auf dem Start. Die Booster kehrten zwar beide Male zurück und wurden vom Startturm eingefangen. Doch die Oberstufen mit den Nummern 33 und 34 explodierten auf dem Weg zu ihren Flugbahnen knapp unterhalb eines Orbits.
Beide Male kam die neue Version 2 des Starships zum Einsatz, die gegenüber der erfolgreich geflogenen Version 1 noch unter Kinderkrankheiten leidet. So führten stets Brände oberhalb der Triebwerke zum Kontrollverlust und schließlich zur Zerstörung (via SpaceX).
Im Detail unterscheidet sich V2 drastisch von V1. Die Treibstoffkapazität liegt erheblich über der ersten Variante. Super Heavy Booster
sowie Starship
werden sich aber beide in den kommenden Jahren erheblich wandeln.
Die aktuellen Entwicklungsvarianten (auch Block 1 Booster und Block 2 Starship genannt) müssen fortlaufend als Prototypen gelten. Sie erfüllen zudem längst noch nicht die Anforderungen (Nutzlast, In-Orbit-Betankung, etc.), um das zu leisten, was SpaceX anstrebt: Hunderte Menschen und Tausende Tonnen Material zum Mars transportieren. Zuletzt nannte Elon Musk auch neue Details zu den Zeitplänen für die ersten Flüge zum Mars. Wenn alles glattgeht, dauert es nicht mehr lang.
Neuer Versuch, gleiche Ziele
Die Ziele des Fluges an sich bleiben quasi identisch zu den Missionen IFT 7 und 8). IFT steht für Integrated Flight Test (zu Deutsch: vollintegrierter Testflug). Mit vollintegriert ist gemeint, dass Starship und Booster gekoppelt als sogenannte gestackte
, mehrstufige Rakete starten. So soll der Ablauf grob aussehen:
- Start des Starships mit der Nummer 35 auf dem Booster 14-2.
- Stufentrennung durch sogenanntes Hotstaging. Dahinter steckt, dass das Triebwerk des Boosters gedrosselt weiterläuft, während die Oberstufe mit voller Last zündet. Bei den meisten Raketen schalten die Düsen der abzustoßenden Stufe zuvor ab.
- Der Booster lässt sich zurückfallen, bremst mittels Luftwiderstand und Gegenschub ab und landet im Golf von Mexiko. Eine Rückkehr zum Startturm wird dieses Mal ausgelassen, um Risiken zu minimieren und da die wiederverwendete Hardware ohnehin danach entsorgt wird.
- Die Oberstufe steigt weiter auf, führt Tests durch, und tritt nach suborbitalem Flug wieder in die Atmosphäre ein.
- Letztendlich wassert das Starship im Pazifik und kehrt per Schiff nach Texas zurück.
Entscheidend zum Durchlaufen all dieser Schritte wird aber sein, dass SpaceX ein spezielles Problem in den Griff bekommt – und das ist uralt.
Aufschaukelnde Schwingungen: NASAs Saturn V lässt grüßen
SpaceX räumt ein, dass Flug 7 aufgrund von sich selbst verstärkenden Schwingungen verloren ging. Raketentriebwerke müssen enorme Energiemengen durch milliardenfaches kontrolliertes Explodieren von Treibstoff umsetzen. Dabei sind Vibrationen unvermeidbar. Das Rütteln und die unvermeidbaren Unregelmäßigkeiten bei der Verbrennung sind in gewisser Weise der Fingerabdruck eines Triebwerkstyps.
Durch Rohre und Verbindungen können diese Vibrationen durch das Schiff und so auch zu empfindlichen Teilen wandern. Das ist kein Problem, solange sie einander aufheben. Doch, wenn genügend Komponenten gleich schnell schwingen, wird es gefährlich.
Es entsteht eine sich selbst verstärkende Schleife. Schlimmstenfalls setzt sich die fort, bis die immer stärker vibrierende Konstruktion sich selbst zerlegt, da ihre Belastungstoleranzen überschritten werden.
Dadurch können allerlei Schäden entstehen, wie im Falle von Flug 7. Hier brach ein Feuer aus, da sich brennbare Gase durch einen Leitungsbruch in einem Hohlraum oberhalb der Triebwerke ansammelten und schließlich entzündeten.
Berüchtigt ist der Kollaps der Tacoma-Narrows-Brücke
. Hier sorgte Wind für eine sich buchstäblich aufschaukelnde Resonanz.
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Die NASA sah sich während ihres Apollo-Mondlande-Programms einem ähnlichen Problem gegenüber. Als POGO genießt es seitdem in der Raumfahrtszene einen zweifelhaften Ruf; jede neue Rakete muss diese Hürde nehmen. Hierbei stehen vor allem Druckunterschiede und Veränderungen in den Flüssigkeit führenden Leitungen im Fokus. Druckwellen rollen quasi in ihrem Inneren empor oder hinab.
Mehr als 1.000 Ingenieure und Personal nahmen sich damals der für Crews potenziell tödlichen Gefahr an – mit Erfolg. Das Team fand Wege, um den Schwingungen entgegenzuwirken bzw. die Toleranzen der Komponenten zu erhöhen.
Doch was bei der Saturn V einst funktionierte, muss beim Starship nicht taugen. Jede Rakete, jeder Triebwerkstyp ist anders und durch die umfangreichen Änderungen zwischen Flügen baut SpaceX quasi immer neue Raketen in schneller Folge – jedes Mal gehen sie dabei das Risiko ein, Probleme (wieder) zu wecken.
Vor Flug 8 sei das Problem angegangen worden. Resonanzen waren SpaceX zufolge nicht verantwortlich für das erneute Scheitern. Sie bleiben allerdings vage:
Als wahrscheinlichste Ursache für den Verlust des Starships wurde ein Hardwarefehler in einem der zentralen Raptor-Triebwerke der Oberstufe identifiziert, der zu einer unbeabsichtigten Treibstoffmischung und Zündung führte.
Kurzum: Auch beim neunten Flug wird SpaceX seine Triebwerke und die davon ausgehenden Schwingungen genau im Auge behalten. Denn selbst wenn das eine Problem behoben wurde, kann nicht ausgeschlossen werden, dass erneut harmonische Resonanzen Komponenten zerrütten. Es bleibt also spannend, ob Super Heavy Booster 14-2
und Starship Nummer 35
den Fluch von Block 2 brechen.