Nein, ihr liegt nicht falsch – Alte Filme und Serien sind auf Streaming-Diensten wirklich manchmal schlechter

Hä? War da nicht ein anderer Song bei »Scrubs«? Und wo ist eigentlich die Folge mit Dungeons and Dragons von »Community«?

Fans alter Simpson-Folgen kennen es, wenn irgendwas nicht zu stimmen scheint. (Bildquelle: Fox, Disney) Fans alter Simpson-Folgen kennen es, wenn irgendwas nicht zu stimmen scheint. (Bildquelle: Fox, Disney)

Ihr kennt das: Ihr schaut eure Wohlfühlserie auf Disney Plus und fiebert diesem einen Moment entgegen. Dann kommt er und … es spielt ein völlig anderes Lied als wir erwarten. Hä? Erinnern wir uns falsch?

Nein. Streaming-Dienste ändern gerne mal Dinge an Filmen und Serien. Das tun sie nicht (immer) aus Willkür; die Gründe sind mannigfaltig.

Ihr liegt also nicht falsch, wenn bei Scrubs der Lieblingssong nicht spielt oder ihr vergeblich eine bestimmte Folge von Community sucht, die es nicht gibt. Streaming-Versionen können wirklich schlechter sein.

Beweismittel 1: Falsche Songs

Das Szenario am Anfang des Artikels haben sicher alle von uns schon erlebt. Der Streaming-Dienst hat einfach einen anderen Song einfügen lassen. Das hat tatsächlich rechtliche Gründe.

Musik zu lizenzieren, ist extrem komplex. Zum einen erlischt das Recht an einem Lied oft nach bestimmter Zeit. Zum anderen sind nicht immer alle Medienplattformen abgedeckt – und das ist im Falle vieler alter Serien so.

Im Scrubs-Podcast mit Zach Braff und Donald Faison war die Musikauswahl mehrmals Thema. Die beiden Schauspieler schauen die Serie gemeinsam an und erzählen dann Anekdoten zu jeder Folge. Nicht selten wundern sie sich über die »falsche« Musik.

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Braff erklärt es im Verlauf des Podcasts mehrmals, dass Musikrechte zur damaligen Zeit (meint: Anfang der 2000er) noch keine Streaming-Nutzung abgedeckt haben. Logisch, denn Streaming-Dienste gab es damals noch nicht. Dementsprechend haben die jeweiligen Anbieter auch nicht die Rechte an den in der Serie genutzten Liedern – und mussten sie austauschen.

How to Geek nennt noch ein weiteres Beispiel: Dawson’s Creek. Wegen der Rechte musste der Opening-Song »I Don't Want to Wait« durch einen anderen ausgetauscht werden. Das sorgte in den USA für einen Fan-Aufschrei, was dazu führte, dass die Originalinterpretin ihr Lied noch einmal neu aufgenommen hat, um diese Rechte zu umschiffen.

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Beweismittel 2: Fehlende Szenen und Folgen

Schlimmer noch als »falsche« Musik sind fehlende Szenen oder ganze Folgen. Es ist nicht unüblich, dass Szenen in Filmen oder Serien der Schere zum Opfer fallen, weil sie nichts zur Geschichte beitragen oder der Titel so schon eine lange Laufzeit hat.

So fehlen laut How to Geek bei der Serie Friday Night Lights in der Finalfolge satte 15 Minuten, da Netflix und Hulu die TV-Version im Programm haben – und die musste wegen Werbung gekürzt werden.

Noch ärgerlicher ist, wenn ganze Folgen gestrichen werden. Davon betroffen sind immer wieder Serien, die für ihren bissigen Ton bekannt sind, etwa Family Guy oder South Park.

Ein bekanntes Beispiel ist die Episode »Advanced Dungeons and Dragons« aus Community, ein Fan-Favorit der gesamten Serie. Netflix strich die 14. Episode der zweiten Staffel ersatzlos, wegen Blackfacings.

Was ist Blackfacing?

Blackfacing bezeichnet das rassistische Schminken von nicht den entsprechenden Ethnien angehöhrenden Personen, die durch dunkle Farbe, überzeichnete Lippen und Kostüme stereotype, erniedrigende Darstellungen von Schwarzen Menschen reproduzieren (via Deutschlandfunk)

In der Folge erscheint der Charakter Chang (gespielt von Ken Jeong) verkleidet als Dunkelelf oder Drow, inklusive schwarzem Make-up, weißer Perücke, Kontaktlinsen und spitzen Ohren. In der Szene selbst wird sogar darauf angespielt.

Das sorgte 2020 für Gegenwind bei den Fans, so Den of Geek. 2025 hat Hulu die Folge schließlich ins Programm genommen, als die Rechtenehmer gewechselt hatten (via Comicbook).

Beweismittel 3: Optische Änderungen

Das betrifft vor allem alte Serien, die noch im 4:3-Format gedreht wurden oder nur in geringerer Auflösung vorhanden sind. Hier greifen Streaming-Anbieter teilweise zu fragwürdigen Praktiken, um dem Herr zu werden.

Disney Plus etwa hat das Seitenverhältnis der alten Simpson-Episoden einfach von 4:3 auf 16:9 geändert. Das Problem: Dadurch wird einfach in das Bild hineingezoomt; Bildteile an den Rändern fallen weg.

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Das kann gegebenenfalls nicht nur einzelne Witze, sondern ganze Szenen ruinieren. Seinfeld etwa hat Netflix auf das 16:9-Breitbildformat aufgezogen. Das nimmt nicht nur den Charme, zu dem ein anderes Seitenverhältnis bei alten Serien dazugehört.

In der Folge »Das Schlagloch« beschwert sich der Charakter George über das titelgebende Schlagloch – das durch das neue Seitenverhältnis einfach nicht zu sehen ist.

Schlimmer ist nur noch, wenn die Anbieter KI verwenden, um altes Filmmaterial hochzuskalieren. So geschehen bei der Serie »College Fieber«, die dadurch schlichtweg verhunzt wurde. Mehr dazu lest ihr in nachfolgendem Artikel.

Die Lösung: DVDs und Blu-rays kaufen

Um alte Filme oder Serien möglichst originalgetreu zu erleben, sind physische Medien (meist) der richtige Weg. Auf Schreibe gepresst sind meistens die Versionen, wie sie einst von den Macherinnen und Machern erdacht wurden. Außerdem bekommt ihr bei Disks eine bessere Bild- und Tonqualität als bei komprimierten Files über das Internet.

Doch auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt. Probleme bei der Musiklizenzierung gab es nämlich auch schon vor über 20 Jahren. So hört man den legendären Sinatra-Song »Love and Marriage« nur bei den ersten beiden Staffeln von »Eine schrecklich nette Familie«, bis er schließlich durch einen ähnlich klingenden ersetzt wurde. Schade.

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