Ich habe den Stand-by-Stromverbrauch an allen Steckdosen in meiner Wohnung gemessen – Wie schlimm oder egal ist es?

Elektronische Geräte können auch dann Stromkosten verursachen, wenn man sie nicht verwendet. Wie hoch diese Kosten bei mir sind, habe ich nachgemessen.

Tech-Autor Nils hat überprüft, wie viel Strom alle Geräte in seiner Wohnung ungefähr verbrauchen, wenn er sie nicht nutzt. (Bild Steckdosenleiste: stock.adobe.com – RRF) Tech-Autor Nils hat überprüft, wie viel Strom alle Geräte in seiner Wohnung ungefähr verbrauchen, wenn er sie nicht nutzt. (Bild Steckdosenleiste: stock.adobe.com – RRF)

Die Energiekosten in Deutschland sind hoch. Ein triftiger Grund, um über den Stand-by-Stromverbrauch nachzudenken, der durch all meine elektrischen Geräte zusammenkommt.

Wie viele solche Geräte habe ich überhaupt und wie viel Geld im Jahr kostet mich ihr möglicher Stromverbrauch, wenn ich sie nicht nutze?

Um das herauszufinden, habe ich ein passendes Messgerät gezückt, gemeinsam mit meinen Zwillingstöchtern, die sehr gerne und eifrig Hilfestellung geleistet haben. In unserer Vierzimmerwohnung sind wir insgesamt auf 33 verschiedene Geräte gekommen.

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Was genau meine ich mit Stand-by-Verbrauch?

Ich fasse den Stand-by-Begriff hier weiter, als er ursprünglich gemeint ist, um bei den Messungen aller einzelnen Geräte möglichst nahe an meinem tatsächlichen Alltag dran zu sein.

Es folgen einige Beispiele, um euch näher zu erläutern, was ich damit meine:

  • Ich schalte meinen Fernseher und meine Soundbar über die Fernbedienung des Fire-TV-Sticks immer manuell aus. Etwas Strom verbrauchen sie aber dennoch, wie die Tabelle unten zeigt.
  • Mein Multifunktionsgerät für das Drucken & Co mache ich dagegen nie manuell aus, aber während meiner Messungen war es nicht aktiv im Einsatz (ich habe also weder etwas ausgedruckt noch gescannt und so weiter).
  • Für die PCs gilt, dass ich sie über die Option Herunterfahren in Windows manuell ausgeschaltet habe, ohne auch die Netzteile auszuschalten. Die Monitore habe ich in ihrem automatischen Stand-by-Modus nach dem Ausschalten des PCs und dem damit verbundenen Signalverlust gemessen.
  • Außerdem gibt es in meinem Haushalt Sonderfälle wie Geräte, die keinen Ein- und Ausschalter in dem Sinne haben (etwa mein Milchaufschäumer, den ich mit einer großen Start-Taste betriebsbereit mache und durch ein zweites Drücken der Taste zum Schäumen bringe) oder den ähnlichen Fall des Wasserkochers, der stets automatisch von selbst ausgeht, wenn das Wasser fertig gekocht wurde.

Damit ihr bei allen Geräten aus der Tabelle unten wisst, in welchem Zustand ich sie jeweils gemessen habe, enthält sie eine eigene Spalte zu dem Thema mit dem Titel Manuell ausgeschaltet?.

Welche Geräte ich habe und wie hoch ihr Stand-by-Verbrauch ist

Bei den angeschlossenen Geräten handelt es sich mit Ausnahme meiner zusätzlichen PC-Testsysteme für die Arbeit als Tech-Redakteur größtenteils um weitverbreitete Dinge, die sich in sehr vielen Haushalten wiederfinden dürften, wie die folgende Übersicht samt Verbrauchswerten zeigt:

GerätWattManuell ausgeschaltet?
Arbeits-PC2,3PC ja, Netzteil nein
Testsystem #13,4PC ja, Netzteil nein
Testsystem #2 (Mainboard mit Display und RGB)10,8PC ja, Netzteil nein
PC-Monitor #1 (Asus ProArt PA32UCG-K)0,4nein
PC-Monitor #2 (Acer HN274Hbmiiid)0,7nein
PC-Monitor #3 (Asus XG49VQ)0,3nein
PlayStation 51,0ja
PC-Lautsprecher (2.0)0nein
RGB-Türme (Corsair iCUE LT100)1,1nein
Höhenverstellbarer Schreibtisch mit Display0,8nicht möglich
USB-Ladegerät #1 (kein Gerät angeschlossen)0nicht möglich
USB-Ladegerät #2 (kein Gerät angeschlossen)0nicht möglich
Ladesstation Akkustaubsauger (kein Gerät angeschlossen)0nicht möglich
Stehlampe Büro0ja
Ventilator0ja
Multifunktionsgerät4,6nein
Nachtlicht0ja
CD-Player0ja
UKW-Radio0ja
Ladestation elektrische Zahnbürste0nicht möglich
DAB-Radio mit Display0,8ja
Milchaufschäumer (nicht aktiv)0,7nicht möglich
Wasserkocher (nicht aktiv)0nicht möglich
Kaffeemühle (nicht aktiv)0nicht möglich
Kaffeemaschine (Siebträger)0ja
Toaster (nicht aktiv)0nicht möglich
WLAN-Router8,5nein
Fire TV Stick1,4nein
Festnetztelefon mit AB0,5nicht möglich
Fernseher0,8ja
Soundbar0,6ja
Stehlampe Wohnzimmer0ja
Lichterkette für innen/außen (50 LEDs)0ja
Insgesamt38,7-

Nicht in die Messungen einbezogen sind meine elektrischen Großgeräte in Form des Kühlschranks, der Spülmaschine und des Backofens.

Bei allen Geräten zusammen komme ich auf einen Verbrauch von etwa 39 Watt.

Wie hoch ist der Stand-by-Verbrauch insgesamt?

Geht man beispielhaft von einem Strompreis von 25 Cent pro Kilowattstunde aus, ergeben sich dadurch die folgenden Kosten im Jahr, wenn die Geräte alle permanent in diesem Zustand wären (was nicht der Fall ist, dazu gleich unten mehr):

38,7 Watt * 24 Stunden Laufzeit pro Tag * 365 Tage im Jahr = 339.012 Wattstunden = 339 Kilowattstunden * 0,25 Euro pro Kilowattstunde = 84,75 Euro Stromkosten pro Jahr

Das empfinde ich als eine durchaus nennenswerte Summe, wenn man berücksichtigt, dass ich keines der Geräte dabei wirklich verwendet oder aufgeladen habe. Allerdings unterscheidet sich der Verbrauch je nach Gerät teils deutlich.

Ebenfalls zu bedenken:

  • Es ist im Alltag nicht praktikabel, einfach alle Steckdosen auszuschalten, wenn man die Geräte gerade nicht braucht. Meine mögliche Ersparnis liegt also unterhalb der 84 Euro.
  • Viele der Geräte laufen zwischendurch, wenn ich sie nutze. Das erhöht ihren Stromverbrauch zwar nur, lässt sich aber nicht vermeiden, da ich sie dann ja tatsächlich brauche.
  • Nicht bei jedem Gerät ist es sinnvoll, es ganz auszuschalten beziehungsweise vom Stromnetzwerk zu trennen. OLED-Monitore sorgen beispielsweise im Stand-by-Modus für eine längere Lebensdauer ihrer organischen Pixel, und manches Stück Technik reagiert empfindlich auf Lastspitzen beim häufigen Ein- und Ausschalten.

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Was verbraucht den meisten Stand-by-Strom?

Bei genauerem Hinsehen anhand der Tabelle oben wird schnell klar, dass es vor allem meine PC- und Internet-Technik ist, die einen hohen Verbrauch ohne aktive Nutzung mit sich bringt.

  • So kommen meine beiden Testsysteme für CPUs und Grafikkarten auch dann auf insgesamt über 14 Watt, wenn ich sie über das passende Menü von Windows manuell herunterfahre (was primär an einem Mainboard mit integriertem Display und RGB-LEDs liegt).
  • An meinem Arbeits-PC samt Lautsprechern und USB-Ladegerät ohne angeschlossene Hardware fallen insgesamt immerhin knapp sechs Watt an (PC erneut heruntergefahren).
  • Der per WLAN stets erreichbare Drucker liegt bei vier Watt und der Router im Wohnzimmer für die Internetverbindung bei knapp über acht Watt (auch wenn niemand das Internet aktiv nutzt).

Apropos RGB-Beleuchtung: Wie groß der Einfluss ist, den sie auf den Energiebedarf eures PCs durch verschiedene Komponenten wie Lüfter und das Mainboard haben kann, erfahrt ihr im Artikel RGB-Kleinvieh macht auch Mist - ihr könnt mehr Geld sparen, als ihr vielleicht denkt genau.

Gleichzeitig gibt es aber auch Dinge, die im Stand-by erwartungsgemäß keinen für mich messbaren Energieverbrauch haben, etwa die verschiedenen Stehlampen in meiner Wohnung oder der CD-Player im Kinderzimmer.

Was habe ich aus den Messungen gelernt?

Ich sollte darüber nachdenken, auf clevere und komfortable Weise möglichst alle Steckdosen so umzurüsten, dass ich ihren Stand-by-Verbrauch im Handumdrehen auf null reduzieren kann (was ich bis heute offen gesagt noch nicht umgesetzt habe).

Die einfachste Lösung sind Mehrfachstecker oder Adapter, die sich per Schalter ganz deaktivieren lassen, von denen ich einige bereits besitze.


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Bei schlecht erreichbaren Steckdosen kann das Ein- und Ausschalten allerdings etwas nervig sein. Allzu viele davon habe ich indes nicht. Außerdem bin ich mir sicher, dass viele von euch in dieser Richtung bereits eigene Erfahrungen gesammelt und Tipps für mich parat haben.

Lasst mich gerne in den Kommentaren wissen, wie ihr über das Thema Stand-by-Verbrauch denkt und wie ihr damit in eurem Zuhause umgeht!


Archiv-Content: Dieser Artikel ist in einer früheren Version bereits auf GameStar.de erschienen.

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